Implantologie

DZOI-Jahreskongress

Computerassistierte Live-OP zum Kongressauftakt

Bei der Live-OP zum Auftakt des 28. DZOI-Jahreskongresses in Kassel kam ein neues 3D-Navigationssystem zum Einsatz.
Deutsches Zentrum für orale Implantologie e.V.

Bei der Live-OP zum Auftakt des 28. DZOI-Jahreskongresses in Kassel kam ein neues 3D-Navigationssystem zum Einsatz.

Anfang Juni fand in Kassel der 28. Jahreskongress des Deutschen Zentrums für orale Implantologie e.V. (DZOI) statt. Schwerpunktthema war die Digitalisierung in der Zahnheilkunde, was gleich zu Beginn in einer computerassistierten Live-OP demonstriert wurde.

Großer Andrang bei Live-OP

Die Live-OP fand im OP-Saal der Medizinischen und Gesichtschirurgischen MGK-Klinik von Privatdozent Dr. Dr. Arwed Ludwig statt. Etwa 35 Teilnehmer schauten Privatdozent Dr. Dr. Arwed Ludwig über die Schulter, als er einer 48-jährigen Patientin mithilfe eines modernen 3D-Navigationssystems zwei Implantate inserierte.

Der Kiefer- und Gesichtschirurg arbeitet seit Ende 2013 mit einem speziellen 3D-Navigationssystem, das nur in wenigen deutschen Zahnarzt-Praxen im Einsatz ist. Entsprechend groß war das Interesse der Kongress-Teilnehmer. Angesichts des fortgeschritten atrophierten Kiefers bei einem hohen Nervenverlauf der Patientin war die digitale Technik wichtig. Unter Lokalanästhesie wurden der Patientin, quasi feinjustiert per Computer, zwei Keramikimplantate von 4,1 x 8 Millimetern und 4,1 x 10 Millimetern Größe eingesetzt.

Behandlung ohne Unterbrechung möglich

„Die neuen Möglichkeiten machen die Behandlung besser planbar, präziser und sicherer“, benennt DZOI-Vorstandsmitglied Ludwig die Vorteile. Das 3D-Navigationssystem, das bei der Live-OP demonstriert wurde, verknüpft verschiedene technische Komponenten, die in dieser Zusammenstellung einmalig sind. Zwei Kameras, die 3D-Bilder erzeugen, einen Computer mit OP-Planungs-Software und einen Ultraschall-Scanner. Durch den integrierten Ultraschall-Scanner kann der Zahnarzt die Behandlung strahlenfrei und ohne Unterbrechung am Stuhl durchführen. Das heißt, er muss nicht mehr zwischen den Arbeitsschritten bildgebende Diagnostik, Planung und Behandlung hin- und herwechseln. „Digitalisierung hat in unsere Praxen Einzug gehalten. Das beginnt bei der Abbildung der Zahnreihen mittels Ultraschall-Scanner, setzt sich fort über das digitale Fräsen des Zahnersatzes und endet bei der navigierten High-End-Operation.“

Das 3D-Navigationssystem, das bei der Live-OP demonstriert wurde, verknüpft verschiedene technische Komponenten, die in dieser Zusammenstellung einmalig sind.
Deutsches Zentrum für orale Implantologie e.V.

Das 3D-Navigationssystem, das bei der Live-OP demonstriert wurde, verknüpft verschiedene technische Komponenten, die in dieser Zusammenstellung einmalig sind.

3D-Navigation ganz nah

Auch bei den anschließenden „Table Clinics“, bei dem Teilnehmer in kleinen Gruppen von einem Demonstrationstisch zum nächsten gehen, wurden Digitalisierungsthemen präsentiert und diskutiert. Das Unternehmen Haptitude präsentierte zum Beispiel das 3D-Navigationssystem „OpenPilotSystem“ (OPS) aufgebaut, das auch bei der Live-OP in Aktion zu sehen war. So hatten die Kongress-Teilnehmer Gelegenheit, den laut Angaben des DZOI weltweit ersten patentierten dentalen Ultraschall noch mal unter die Lupe zu nehmen, der in Kombination mit dem OpenPilotSystem in Echtzeit ein 3D-Bild erstellt. Neben der Analyse, Planung, Navigation und Kontrolle einer Implantation leistet das System auch eine forensische Dokumentation. „OPS minimiert das Risiko in der Oralchirurgie signifikant. Es ermöglicht, auch komplizierte Fälle auf abgesicherte Art und Weise in der privaten Klinik durchzuführen“, fasst Privatdozent Dr. Dr. Ludwig seine Erfahrung zusammen.

Anfassen, Ausprobieren, Diskutieren: Die „Table Clinics“ beim 28. DZOI-Jahreskongress in Kassel.
Deutsches Zentrum für orale Implantologie e.V.

Anfassen, Ausprobieren, Diskutieren: Die „Table Clinics“ beim 28. DZOI-Jahreskongress in Kassel.

Große Themenbandbreite bei den „Table Clinics“

Um digitale Lösungen für die Patientenkommunikation und Dokumentation ging es auch am Tisch von Synmedico. Gezeigt wurde hier, wie Patientendaten und -aufnahmen wie Röntgen oder intraorale Befunde sowie weitere Medieninhalte jederzeit abrufbar und rechtskonform dokumentiert werden können. Die Baldus Medizintechnik präsentierte an ihrem Tisch Scavengersysteme für die Lachgassedierung. Mit Begeisterung probierten die Teilnehmer die unterschiedlich farbigen und duftenden Masken von „Strawberry“ bis „Blueberry“, die nicht nur Kinder den Zahnarztbesuch mit Lachgassedierung positiver erleben lassen.

Anwendungsformen des „Endoret-PRGF“ (Plasma Rich in Growth Factors) erläuterte BTI Deutschland an einem weiteren Tisch. Das patentierte autologe System von thrombozytenreichem Plasma stimuliert das Gewebe, sodass Patienten sich nach oralchirurgischen Eingriffen schneller regenerieren

Wie Zahnmediziner sich mittels des digitalen Dokumentenmanagementsystems „Prokonzept“ auf Praxisbegehungen vorbereiten können, war bei Dental Bauer an einem der weiteren Tische zu erfahren. Das System erfasst Kernbereiche wie Geräte-, Hygiene-, und Praxismanagement sowie die Sammlung von Gesetzen, Richtlinien und Verordnungen. Es unterstützt Praxen dabei, rechtssichere und effiziente Abläufe einzuhalten.

Parallel zum zahnmedizinischen Programm liefen zwei gut besuchte Kurse für zahnmedizinische Fachangestellte, die sich mit Patienten-Kommunikation und Praxisbegehung beschäftigten.

Posterpreise und Vorträge beim Main-Podium

Den ersten Platz Poster-Wettbewerbs erhielten der Zahnarzt Georgi Aleksandrov M. Sc., die Zahnmedizinische Fachangestellte Susan Ervandian und der Zahntechnikermeister Horst Till-Jung für ihr Poster „Laterale Kieferkammaugmentation im Oberkiefer mithilfe von autologen Dentinblöckchen aus extrahierten Zähnen“. Auf dem zweiten Platz landeten Bassam Al-Sayyad, Privatdozent Dr. Holger Engel, Prof. Dr. Götz Giessler, Jörg Hense und Privatdozent Dr. Dr. Arwed Ludwig mit dem Poster „Oberkieferrekonstruktion mittels mikrovaskulärer anastomosierter Fibula und simultaner 3D-Implantatinsertion“. Platz drei ging an Philipp Hassebrauck und Privatdozent Dr. Dr. Arwed Ludwig mit dem Thema „Socket Preservation und Implantatinsertion bei Risikopatienten nach Radiochemotherapie der Kiefer“.

Im Haupt-Podium spiegelte sich die Bandbreite des zahnmedizinischen Berufsfeldes wieder. Im ersten Vortrag des Tages von DZOI-Präsident Dr. Engels ging es um die Züchtung von Stammzellen in der Zahnheilkunde zum Ersatz von Zähnen. Im letzten Vortrag erhielten die Teilnehmer von Dipl. Ing. Steffen Konrad wertvolle Tipps für die digitale Praxis, die auch das aktuelle Thema Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) berücksichtigten. Im Anschluss an die Veranstaltung dankte Dr. Engels den Industriepartnern erneut für ihre Unterstützung und freute sich über die positiven Rückmeldungen zum Kongress.

Das Schwerpunktthema des 29. DZOI-Jahreskongresses, der am 28. und 29. Juni 2019 in Dresden stattfinden wird, lautet „Grenzen der Implantologie“.

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