Adipositas: Folgen werden von Zahnärzten unterschätzt

Übergewicht, insbesondere bei jungen Patienten, ist ein Thema, das in der Zahnmedizin zu kurz kommt.
21. April 2015
Adipositas: Folgen werden von Zahnärzten unterschätzt
Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden veranstaltet Fortbildung

Während in der Medizin und den ärztlichen Praxen das Thema Adipositas und damit das erhebliche Übergewicht insbesondere junger Patienten eine wachsende Rolle spielen, scheint das Thema im Bereich der Zahnmedizin noch vergleichsweise unterbeleuchtet, heißt es in einer Pressenotiz. „Wie wir aus Rückmeldungen erfahren, ist vielen Kollegen – nicht nur in der Kieferorthopädie – gar nicht bewusst, welche Konsequenzen solcherart Übergewicht für unsere Behandlung haben kann“, sagt Dr. Gundi Mindermann, erste Bundesvorsitzende des Berufsverbands der Deutschen Kieferorthopäden (BDK). 

Der Verband unterstütze daher intensiv die entsprechende Fortbildung, wie sie das bevorstehende Symposium Kinder-Zahn-Spange am 25. April 2015 in Frankfurt am Main biete, das gemeinsam mit der Initiative Kiefergesundheit und Kinderzahnärzte-Verbänden ausgerichtet wird.

Dass den Akteuren selbst das Ausmaß der Zusammenhänge bei den Vorbereitungen des diesjährigen Kongresses nicht bewusst war, wie Prof. Dr. Dr. Ralf J. Radlanski, wissenschaftlicher Leiter, sagt, zeigt die Notwendigkeit, sich intensiver mit der Thematik zu befassen. „Wenn wir bei kieferorthopädischen Maßnahmen, insbesondere bei Zahnbewegungen, eine verzögerte Reaktion oder gar einen ungünstigen Abbau von peridentalem Gewebe beobachten, dann kann auch eine Stoffwechselstörung die Ursache sein. Neuere Studien zeigen, dass bei adipösen Patienten die Steuerung des Gewebeumbaus gestört sein kann. Dies betrifft auch den Zahnhalteapparat“, so Radlanski. Die Zusammenhänge zu kennen sei wichtig, um im Rahmen einer ordnungsgemäßen Patientenaufklärung auch auf solche möglichen Risiken hinsichtlich des Behandlungserfolges verweisen zu können. Konkrete Beispiele für Misserfolge werde OÄ Dr. Julia von Bremen (Gießen) vorstellen.

Elternaufklärung kann abgerechnet werden

Gundi Mindermann: „Mit dem Sachstand lassen wir die Kongressteilnehmer natürlich nicht allein. Es wird auch einen spannenden Vortrag zu Hintergründen für übermäßiges Essen geben, weitere fachliche Aspekte zu Ernährung, Stoffwechsel und Mundgesundheit, aber auch Tipps zur Beratung von Eltern. Für diesen Punkt haben wir einen Kinderarzt dabei, der ein für seine Leistungen ausgezeichnetes Projekt für adipöse Kinder leitet.“ Auch dass entsprechende Elternaufklärung zum Aspekt Adipositas sowie anderer Ernährungsstörungen abgerechnet werden können, ist den Erfahrungen des BDK zufolge in der zahnärztlichen und kieferorthopädischen Praxis oft nicht ausreichend bekannt. Beispiele nennt die Dentalabteilung der PVS-MEFA, einer privatärztlichen Verrechnungsstelle, die die Möglichkeiten nach Anfrage zusammenstellte: „Infrage kommen könnte die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) 4 für die Beratung der Mutter beispielsweise und für die Beratung des Kindes die GOÄ 1. Die GOÄ 4 wäre für Erhebung der Fremdanamnese über einen Kranken angebracht, also beispielsweise Befragung der Mutter mit Dokumentation in der Anamnese oder auch wenn es darum geht, die Mutter darin zu unterweisen beziehungsweise zu führen, dass sie ihr Kind richtig betreut – immer im Zusammenhang mit der Behandlung. Erfolgt beides und dies zudem überdurchschnittlich zeitaufwendig, kann gemäß Paragraf 5 Abs. 2 GOÄ der Faktor angemessen gesteigert werden.“ Dabei gehe es nicht um Ermittlung der Ernährungsstörung oder ausführliche Ernährungsberatung (diese könne analog berechnet werden), sondern um Informationen, die mit der Behandlung in Verbindung stehen und Einfluss auf den Behandlungserfolg haben können.

Mindermann: „Ernährung und Mundgesundheit – das ist viel mehr als Karies und Erosion. Wie bei vielen Allgemeinerkrankungen zeigt sich auch bei der Adipositas, dass Medizin und Zahnmedizin untrennbar verwoben sind. Wir sind sehr gespannt auf die entsprechenden Vorträge und auch sicher, über den Kongress der Zahnmedizin eine neue Facette geben zu können.“ Weitere Informationen gibt es unter www.kinder-zahn-spange.de.

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