Erfolgreiche Parodontitisbehandlung senkt Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko

Menschen mit Parodontitis leiden häufiger als jene mit gesunden Zähnen an Erkrankungen, die den ganzen Körper betreffen.
09. Dezember 2014
Erfolgreiche Parodontitisbehandlung senkt Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko
„Gesunde Zähne gleich niedriger Blutdruck“ – Neue Studie wird auf Kongress „Hypertonie und Prävention 2014“ vorgestellt

Menschen mit Parodontitis erleiden häufiger einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. In einer aktuellen Studie stellten Bluthochdruckforscher nun fest, dass eine Behandlung der Parodontitis auch einen erhöhten Blutdruck wieder absenken kann. Experten werden die Studie auf der Pressekonferenz anlässlich des 38. wissenschaftlichen Kongresses „Hypertonie und Prävention 2014“ der Deutschen Hochdruckliga e.V. – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention (DHL) in dieser Woche in Berlin ausführlich vorstellen. Sie erörtern auch, was sich daraus für den Kampf gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen ableiten lässt.

Menschen mit Parodontitis leiden häufiger als jene mit gesunden Zähnen an Erkrankungen, die den ganzen Körper betreffen. Dazu gehört neben Diabetes vor allem Bluthochdruck. Noch sei der Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und der Zahnfleischerkrankung nicht abschließend ergründet, so die Wissenschaftler. „Sehr wahrscheinlich sind jedoch dieselben Bakterien, die die Parodontitis auslösen, auch die Ursache für den erhöhten Blutdruck und die vermehrten Herzinfarkte sowie Schlaganfälle“, erläutert Dr. med. Johannes Baulmann, der die Abteilung für Angiologie der Kardiologischen Klinik am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck leitet.

Die Erreger verteilen sich im ganzen Körper, so der Experte, und damit auch in den Blutgefäßen. „Dort regen sie entzündliche Prozesse an, die Gefäßwände werden fest und irgendwann sogar brüchig.“ Wie elastisch die Gefäße noch sind, können Forscher mittels der Pulswellengeschwindigkeit messen. Diese beschreibt, wie schnell die Druckwelle des Pulses die Arterien durchläuft. Eine hohe Pulswellengeschwindigkeit zeigt an, dass die Gefäße versteift sind – damit steigt das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

In einer Vorläuferstudie, deren Ergebnis kürzlich im Fachmedium PLOS One (Jockel-Schneider Y, Harks I, Haubitz I, Fickl S, Eigenthaler M, Schlagenhauf U, Baulmann j. Arterial Stiffness and Pulse Wave Reflection Are Increased in Patients Suffering from Severe Periodontitis, PLOS One, August 01, 2014, DOI: 10.1371/journal.pone.0103449) veröffentlicht wurde, erforschte Baulmann gemeinsam mit anderen Medizinern, dass Patienten mit Parodontitis steifere Gefäße haben und einen höheren zentralen Blutdruck.

In der aktuellen Studie gingen sie der Frage nach, ob sich der Bluthochdruck im Umkehrschluss mit besserer Zahngesundheit wieder absenkt. Sie verfolgten dafür die Behandlungsfortschritte von 100 Patienten mit Parodontitis. Nach zwölf Monaten stellten die Forscher fest, dass Patienten mit erfolgreich behandelter Parodontitis auch elastischere Blutgefäße hatten. Und besonders eindrucksvoll war für sie, dass der zentrale Blutdruck dieser Patienten gesunken war. „Die Studie gibt erste Hinweise darauf, dass mit der Parodontitis-Behandlung Herz-Kreislauf-Erkrankungen und mögliche Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall reduziert werden könnten“, so Baulmann.

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