Famulatur in Kambodscha: Studentinnen außerhalb der Komfortzone

Kambodscha
04. Mai 2017
Famulatur in Kambodscha: Studentinnen außerhalb der Komfortzone
Bericht über Auslandseinsatz

Viele Studenten nutzen die Semesterferien für Urlaube und Freizeit. Nicht so vier Studentinnen aus Regensburg. Sie sind zur Famulatur nach Kambodscha gereist. Wie es ist, die heimische Komfortzone zu verlassen.

Vor knapp einem Jahr haben wir – Daria, Julia, Katja und Alma – uns entschlossen, den Traum von einer Auslandsfamulatur in die Tat umzusetzen. Nach einigen Bewerbungen in diversen Länder bekamen wir glücklicherweise rasch eine Zusage von "Mini Molars Cambodia e.V.". Das Kinderhilfsprojekt in Phnom Penh (Kambodscha) wurde im August 2015 unter anderem vom Hamburger Zahnarzt Dr. Ulf Zuschlag gegründet.

Sofort starteten wir mit den Vorbereitungen. Und so haben wir uns um den Fahrtkostenzuschuss des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) beworben und waren von dem mittlerweile vereinfachten Bewerbungsverfahren echt positiv überrascht. Bei der Sponsorensuche hatten wir es zu viert recht leicht, denn jede hat ein paar Firmen angeschrieben. Auch beim Buchen der Flüge hatten wir das Glück auf unserer Seite, denn beim Hinflug war bereits je ein zweites Gepäckstück für unsere Spenden inkludiert.

Mit dem Tuktuk vom Flughafen

So blieb uns der Ärger wegen Kosten für Verschiffung, postalische Sendung oder Zusatzgepäck am Flughafen erspart. Dann brauchten wir noch Schutzimpfungen und Visa. Hier war es das einfachste, das Visum direkt bei der kambodschanischen Botschaft in Berlin zu beantragen. Eine Unterkunft war über Airbnb ebenfalls problemlos zu finden. Wie sich im Nachhinein herausstellte, hatten wir dabei ein besonderes Händchen: Nur fünf Minuten mit dem Tuktuk von unserer Wirkungsstätte entfernt, wohnten wir bei einer kambodschanischen Familie, bei der wir abends die einheimische Küche für nur drei Dollar pro Person genossen haben (Kontakt über Christine Stacey von „For the Love of Cambodia“ unter fortheloveofcambodia.org).

Mit Beginn der Sommersemesterferien 2016 ging es dann endlich los. Nach einer langen und anstrengenden Reise holte uns unser "Gastvater" mit dem Tuktuk vom Flughafen ab. Und dann – kam erst einmal der Kulturschock. Strenge Gerüche, chaotischer Verkehr, viel Müll an den Straßen und das tropische Klima machten uns zu schaffen. Daher war es eine weise Entscheidung gewesen, zwei Tage vor Arbeitsbeginn anzureisen, um den Jetlag zu überwinden und uns einzugewöhnen.

Das Projekt "Mini Molars Cambodia e.V." befindet sich auf dem Gelände eines buddhistischen Tempels. Deshalb begrüßten uns an unserem ersten Arbeitstag erst einmal mehrere traditionell gekleidete Mönche. Das zahnmedizinische Team vor Ort besteht aus einer Zahnärztin und zwei Helferinnen. Die Mädels haben uns jederzeit tatkräftig unterstützt und übersetzten für uns.

Um den Behandlungsablauf effizient zu gestalten, nahm die Zahnärztin den Erstbefund der Patienten meist schon im Wartebereich oder vor der Praxistür auf. Uns standen zu diesem Zeitpunkt drei Behandlungsstühle zur Verfügung, wovon allerdings nur zwei mit Absaugung und Winkelstücken ausgestattet waren. Auf dem dritten Stuhl wurden lediglich Befunde erhoben und Extraktionen durchgeführt. Da wir zu viert vor Ort waren, bot es sich an, in Zweierteams zu arbeiten. Wir legten vor allem Füllungen, führten Zahnreinigungen und Extraktionen durch. Wir hatten aber auch mit Abszessen und parodontal geschädigten Gebissen zu tun.

Selbstbewusst auftreten

Normalerweise werden die Patientengruppen von Schulen aus der Umgebung organisiert. Da aber während unserer Famulatur gerade Schulferien waren, behandelten wir neben Kindern auch viele Jugendliche und Erwachsene. Nach kurzer Rücksprache mit der Zahnärztin durften wir sehr selbstständig behandeln. Dabei haben wir vor allem das Arbeiten ohne Zeitdruck schätzen gelernt. Selbst bei aussichtslosen Fällen und stressigen Situationen fand sich immer eine Lösung.

Und so haben wir gelernt, selbstbewusster aufzutreten, bei akuten Problemen die Ruhe zu bewahren und die Körpersprache unserer Patienten besser zu deuten. Unsere Arbeit hat uns auch deswegen so gut gefallen, weil die Patienten wahnsinnig dankbar waren. Da wir von Montag bis Freitag von 8 bis13 Uhr bei "Mini Molars Cambodia e.V." gearbeitet haben, hatten wir nachmittags genügend Zeit, Phnom Penh zu erkunden. Unbedingt gesehen haben muss man den Königspalast, die Silberpagode und das Nationalmuseum. Wegen Kambodschas Vergangenheit gehören auch die Killing Fields und das Tuol Sleng Museum dazu.

An den Wochenenden waren wir dann als typische Rucksacktouristen unterwegs. Die touristische Hochburg Siem Reap mit den Tempeln von Angkor Wat, die paradiesischen Traumstrände von Koh Rong und das verträumte Städtchen Kampot mit den Pfefferplantagen waren unsere Ziele. Nach vierwöchigem Aufenthalt in Kambodscha reisten wir weiter nach Vietnam und Singapur.

Wir sind im Rückblick sehr dankbar für den Einblick in eine andere Kultur und die neu gewonnenen Freunde. Besonders die Herzlichkeit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Bevölkerung haben uns begeistert. Vielleicht war es nicht das letzte Mal, dass wir dieses wunderschöne Land besucht haben.

Wir bedanken uns herzlich bei allen Mitwirkenden des Projekts „Mini Molars Cambodia“, bei unseren Familien und für die großzügigen Spenden bei: Aesculap, Anja Flessa & Team, Bausch, DentalBauer, dm Regensburg, Druckerei & Verlag Esser, Dürr Dental, Frasaco, Gaba, TePe, Henry Schein, Kulzer, Komet, Meisinger, M&W Dental, Oral B, Septodont, Sparkasse Forchheim, Uniklinikum Regensburg, 3M Deutschland, Voco, West-Apotheke Forchheim/Buckenhofen.

Schee wor’s!

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