IDS 2013: Digitalisierung bleibt klarer Trend

Auch neue, kleinere Intraoralscanner – wie hier Apollo DI von Sirona – wurden in Köln vorgestellt.
19. März 2013
IDS 2013: Digitalisierung bleibt klarer Trend
35. Internationale Dental-Schau meldet Rekorde bei Aussteller- und Besucherzahlen – zufriedene Gesichter in den Messehallen – Zahnmedizin und -technik entwickeln sich weiter

Die offiziellen Zahlen weisen die am Samstagabend vergangener Woche zu Ende gegangene 35. Internationale Dental-Schau (IDS) erneut als großen Erfolg aus. Noch mehr Aussteller (2.058, 2011 waren es 1.954) auf noch mehr Fläche und erneut ein Plus bei den Besuchern, mit einem nochmals erhöhten Anteil der Gäste aus dem Ausland.

Der Verband der Deutschen Dental-Industrie (VDDI) mit seiner Gesellschaft zur Förderung der Deutschen Dental-Industrie (GFDI) als Veranstalter und die Koelnmesse als Partner für deren Durchführung können also zufrieden sein. Zufriedene Gesichter gab es auch bei der ganz überwiegenden Mehrheit der 643 deutschen Aussteller.

Dabei waren die äußeren Bedingungen über die Messewoche alles andere als besucherfreundlich. Ein heftiger Wintereinbruch auch im sonst so milden Rheinland mit Schnee, Eis und klirrender Kälte brachte am Montag und Dienstag die Anreise ins Stocken, der Flughafen Frankfurt (Main) musste wegen der Schneemassen am Dienstag geschlossen werden. Am Freitag sorgte dann das streikende Sicherheitspersonal an den Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf für Hindernisse bei An- und Abreise. Das aber beeindruckte die Gäste offenbar recht wenig, sie kamen in großen Scharen und sorgten für internationales Feeling und Flair in den Messehallen. Deutsche Besucher fanden vor allem am Mittwoch, Freitag und Samstag den Weg nach Köln. Insgesamt zählte die Messe – Schätzungen für den letzten Messetag einbezogen – rund 125.000 Fachbesucher aus 149 Ländern (2011: 117.697 Fachbesucher aus 149 Ländern), davon rund 48 Prozent (2011: 42 Prozent) aus dem Ausland.

Im offiziellen Nachbericht der Veranstalter heißt es dazu: „Vom ersten Tag prägten sehr gut besuchte Hallen und extrem großer Andrang auf den Ständen das Bild der diesjährigen IDS.“ Starke Besucherzuwächse wurden vor allem aus Russland, Japan, der Ukraine, Brasilien, China und der Türkei verzeichnet. Auch die Besucherqualität sei von deutschen und ausländischen Ausstellern immer wieder hervorgehoben worden.
Die Besucher zeigten sich laut Besucherbefragung erneut äußerst zufrieden. Die Besucherbefragung ergab, dass 74 Prozent der Befragten mit der IDS (sehr) zufrieden waren. Das umfassende Produktspektrum und zahlreiche Produktneuheiten sorgten dafür, dass 79 Prozent das Ausstellungsangebot mit (sehr) gut bewerteten. Mit dem Erreichen ihrer Messeziele zeigten sich 74 Prozent (sehr) zufrieden. Insgesamt würden 95 Prozent der befragten Besucher Geschäftspartnern den Besuch der IDS empfehlen.

Positives Resümee von Seiten der BZÄK und des VDZI
„Die IDS ist das Spitzenereignis für den Dentalmarkt. Auch 2013 zog sie wieder das internationale Interesse auf sich“, so das Fazit von Dr. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK). „Die demografische Entwicklung wird zeitgemäße Versorgungsstrukturen erforderlich machen und auf technischen Fortschritt und innovative Therapien angewiesen sein. Die Branche hat ihre Kompetenz dafür eindrücklich innerhalb dieser Messewoche demonstriert. Aber nicht allein die Dentalbranche ist beim Brainstorming für eine (zahn-)gesunde Zukunft gefordert, sondern auch die Politik. Deutschland ist technisch und wissenschaftlich auf einem hervorragenden internationalen Niveau, wie die aktuelle IDS demonstrierte. Sparverordnungen erschweren allerdings den Innovationen den Weg in die Praxis.“

Uwe Breuer, Präsident des Verbands der Deutschen Zahntechniker-Innungen (VDZI), erklärte: „Die IDS hat sich als Treffen der Spezialisten aus dem zahntechnischen Labor und der Zahnarztpraxis bewährt. Auf der Weltleitmesse konnten sich beide erneut ein umfassendes Bild von den Weiter- und Neuentwicklungen der Dentalindustrie machen und diese gemeinsam bewerten. Aus Sicht des VDZI zeigt sich immer deutlicher, dass Zahntechnikermeister und Zahnärzte zukünftig mit ihrem Fachwissen als Experten im Team noch enger zusammenarbeiten müssen. Mit der Vorstellung des Programms zum DGOI-Jahreskongress im September haben die Deutsche Gesellschaft für Orale Implantologie (DGOI) und der VDZI auf der IDS ein klares Signal für diese Zusammenarbeit gegeben.“

Trends und Themen
Klarer Trend bei der technischen Weiterentwicklung ist die Digitalisierung in Zahnarztpraxis und Dentallabor. Sowohl bei der Entwicklung und Vermarktung von Geräten und Maschinen als auch bei der Gestaltung der digitalen Prozesskette präsentierten sich neue Kooperationen und Allianzen führender Hersteller und neuer Anbieter. So gibt es für die Modell- und Intraoralscanner der dänischen Firma 3shape eine Vielzahl von Partnern bei CAD-Software und CAD/CAM-Systemen. Es werden immer mehr offene Systeme angeboten, die STL-Daten verschiedener Scanner verarbeiten können. Die auf der IDS 2011 verkündete Partnerschaft von 3M Espe, Straumann und Dental Wings hat jetzt zu einer gemeinsam genutzten, offenen DWOS-Software-Plattform geführt.

Bei den Intraoralscannern gab es erneut Weiterentwicklungen, die ihren breiten Einsatz in der Praxis erleichtern könnten. So präsentierte 3Shape einen überarbeiteten Trios-Scanner und eine auf die Anforderungen der Kieferorthopädie abgestellte Prozesskette. Von Sirona wurde mit dem Apollo DI ein vom Cerec-System unabhängiger Intraoralscanner vorgestellt, der Datenaustausch mit dem Labor erfolgt laut Sirona ohne zusätzliche Kosten (bis auf die für den praxiseigenen Telefon- und DSL-Anschluss) über die Plattform Sirona Connect. Der Preis für dieses Stand-alone-Gerät liegt laut Sirona unter 15.000 Euro.

3M Espe präsentierte mit 3M True Definition einen neuen Scanner, der in Deutschland laut Aussagen des Unternehmens ab Herbst 2013 verfügbar sein soll. Beide Geräte haben im Vergleich zu den in den vergangenen Jahren vorgestellten Lösungen deutlich kleinere und leichtere, fast mit Intraoralkameras vergleichbare Handstücke und kompakte Geräteaufbauten. Der Apollo von Sirona lässt sich zum Beispiel via Touchscreen bedienen.

Von einem Verbund der Unternehmen Goldquadrat und R + K CAD/CAM-Solutions (zu dem auch Kuraray Noritake als Materialanbieter und Smile Line SA als Anbieter des Smile Lites für die vom Umgebungslicht unabhängige Bestimmung von Zahnfarbe und Struktur gehören) gibt es einen neuen, sehr kompakten Intraoralscanner i/S/can oral quasi als Tischgerät zum Anschließen an einen Laptop. Das von den Partnern für die Labore bereitgestellte Workflow-Konzept mit unterschiedlich großen Fräsmaschinen ist für alle STL-Daten nutzbar, hieß es auf der Pressekonferenz.

Auch bei den Schleif- und Fräsmaschinen gibt es neue Kooperationen. So bietet Degudent unter dem Namen Brain MC XL eine eigene Version der neuen Schleifmaschine inLab MC XL von Sirona an.

Das Materialspektrum für die CAD/CAM-Fertigung im gewerblichen oder Praxislabor erweitert sich um schleifbare NEM-Blocks aus Cobalt-Chrom. Crypton heißt das in verschiedenen Blockgrößen von DeguDent angebotene Sintermaterial, das auf den inLab-Maschinen und der Brain MC XL per Nassschleifen verarbeitet werden kann. Die Gerüste müssen dann unter Argon-Schutzatmosphäre im Sinterofen gesintert werden.

Das Ergebnis seien homogene und verzugsfreie Kronen und Brücken mit sehr gleichmäßiger und feiner Materialstruktur, heißt es. Damit steht neben der Verarbeitung von Nicht-Edelmetalllegierungen via Fräsen oder Selective-Laser-Melting in Fräszentren auch eine Option für das Labor als Alternative zum klassischen Gießen zur Verfügung. Das offene CAD/CAM-System Arctica von KaVo verarbeitet neben Keramiken auch Titan.

Die Indikationen und Blockgrößen für die klassische Lithiumdisilikatkeramik IPS e.max CAD wurden von Ivoclar Vivadent ausgeweitet, unter anderem auf monolithische dreigliedrige Brücken, der Bereich „Abutment Solutions“ wurde neu vorgestellt. Eine Kooperation der Firmen Vita Zahnfabrik, Degudent/Dentsply und des Fraunhofer-Instituts führte zur Entwicklung einer zirkonoxidinfiltrierten Lithiumdisilikatkeramik (ZLS), die von Vita als Vita Suprinity, von Degudent als Celtra CAD und Press für das Labor und von Dentsply DeTrey als Celtra Duo für Cerec-Anwender angeboten wird.
Ebenfalls neu sind sogenannte Hybridkeramiken, mit Kunststoffanteilen verstärkte Gläser, die unter anderem von Vita (Vita Enamic) und 3M Espe (Lava Ultimate) angeboten werden. Bei Zirkoniumdioxid wurden von Kuraray Noritake in Schichten eingefärbte Disks vorgestellt, aus denen sich individuelle Monoblockkronen ohne weiteres Bemalen herstellen lassen sollen.

Weiterentwicklungen und neue Geräte gibt es auch bei den bildgebenden Verfahren. Auch hier stehen die Integration verschiedener bildgebender Verfahren und das Zusammenführen zum Beispiel für weiter verbesserte Planungsprogramme in der Implantologie und mit CAD-Software im Fokus. Einfachere Bedienung und Spezialanwendungen sind weitere Ziele, so unter anderem bei KaVo mit einem neuen Endo-Modus beim Pan exam Plus 3D.

Dürr Dental präsentierte zum zehnjährigen Jubiläum seiner Speicherfolientechnik einen neuen Folienscanner sowie einen eigenen intraoralen Röntgenscanner. Sirona bietet in Zusammenarbeit mit Sicat eine neue Software, Sicat Function, für die Kiefergelenktherapie an. Dafür werden der optische Abdruck aus Cerec mit dem DVT-Scan des Galileos und einer elektronischen Gesichtsbogenvermessung zusammengeführt, in 3-D-Darstellung lassen sich so die Bewegungen des Unterkiefers beobachten und analysieren. Über das System können zudem Funktionsschienen bei Sicat bestellt werden. Auch eine Gesichtsscanner-Option ist für das neue DVT erhältlich.

Zahnärzte und Zahntechniker erhalten mit der Funktion Smile Design in der neuen Cerec-Software ebenfalls die Möglichkeit, das Design einer Frontzahnrestauration in einer virtuellen dreidimensionalen Rekonstruktion des Patientengesichts zu beurteilen. Ein zweidimensionales Foto des lächelnden Patienten reiche aus, heißt es.

Nahezu alle führenden Implantathersteller präsentierten in Köln auch Weiterentwicklungen ihrer Planungssoftware und neue Angebote aus der CAD/CAM-gestützten Fertigung von OP-Schablonen, individuellen Abutments, Stegen, Gerüsten, Käppchen und Provisorien bis hin zum Zahnersatz. Implantate und Prothetik gehören zusammen, so die Botschaft.

Auf wachsenden Wettbewerbsdruck durch Anbieter preiswerterer Implantatsysteme (oft Nachbauten bewährter Systeme) und den Trend zu durchmesserreduzierten Implantaten reagieren die Premium-Anbieter unterschiedlich. Straumann stellte sein durchmesserreduziertes NNC-Implantat vor und betonte erneut den hohen Stellenwert von klinischen Studien und klinischer Bewährung vor der Markteinführung neuer Produkte. Gegen „irreführende Aussagen“ von Mitbewerbern setzt sich das Unternehmen auch gerichtlich zur Wehr. Bei Nobel Biocare steht der solide wissenschaftliche Hintergrund der Implantatentwicklungen im Fokus, zudem wurde zur IDS die Gründung einer Stiftung bekannt gegeben. Bei Dentsply Implants setzt man ebenfalls auf umfangreiche Forschung, Entwicklung und klinische Studien.

Camlog präsentierte in Köln nicht nur Neuheiten für seine bekannten und klinisch bewährten Implantatsysteme Camlog und Conelog und sein offenes CAD/ CAM-Angebot, sondern mit iSy ein ganz neues, in seiner Beschränkung auf weniger Komponenten und Indikationen auch preisgünstigeres System (siehe DZW 11/13).
In der Zahnerhaltung und restaurativen Zahnheilkunde gab es einige Weiterentwicklungen und Innovationen in der Endodontie, so ein Gerät zur Verarbeitung erwärmter Guttapercha-Stifte, passend zum Reciproc-System, bei VDW. Sybron Endo stellte mit TF adaptive eine abgewandelte Aufbereitungstechnik mit nur drei Feilen vor, Dentsply Maillefer zeigte Weiterentwicklungen mit ProTaper Next. In der Füllungstherapie gab es kaum ganz neue Materialien, vorgestellt wurden Ergänzungen und Erweiterungen bestehender Systeme, berichtet wurde über neue Ergebnisse zu bewährten Materialien, die Bulk-Fill-Technologie steht weiter im Fokus. GC präsentierte neu ein glasfaserverstärktes Komposit für größere Versorgungen im Seitenzahnbereich (GC everX Posterior).

Die klassischen Abformmaterialien sind noch nicht am Ende ihrer Entwicklungsfähigkeit angekommen, wie 3M Espe mit einem neuen, sehr schnell aushärtenden Vinyl-Polysiloxan-Abformmaterial für Präzisionsabformungen zeigt (Imprint 4).

Im Bereich Instrumente liegt der Fokus auf kleineren, leiseren Instrumenten und auf der adäquaten Hygiene mit neuen Geräten. Mit kleinen, leisen Turbinen und intelligenter Lichtführung präsentierten sich unter anderem KaVo und W&H. Die neue KaVo-Turbine MasterTorque LUX stoppt ihren Nachlauf schon unter einer Sekunde, das von vielen Patienten nicht geliebte Turbinengeräusch ist deutlich leiser geworden.

In der Prophylaxe stehen elektrische Zahnbürsten weiter im Fokus. Erstmals stellte auch Gaba eine eigene Schallzahnbürste vor, deren Putzmodus durch die Art gesteuert wird, wie der Bürstenkopf am Zahn angesetzt wird. Auf der Kaufläche gibt es eine andere Putzbewegung als bukkal. Alle Hersteller von Produkten für die häusliche und professionelle Mundhygiene präsentierten die breite Palette ihres Angebots, die Stände waren vor allem vom zahnmedizinischen Assistenzpersonal dicht umlagert.

Aus der alten Abrechnungssoftware ist längst eine komplette Praxismanagement-Software geworden. Der digitale Workflow findet hier seine Anbindung. Terminvergabe, Datenverwaltung, Zusammenführen der Dokumente der verschiedenen digitalen und bildgebenden Verfahren für Diagnose, Abrechnung und Dokumentation stehen im Fokus. Großes Interesse fanden auch digitale Tools für die Terminvergabe und die Patientenberatung und für die betriebswirtschaftliche Steuerung der Praxis.

Nach der Messe ist vor der Messe: Die nächste IDS – die 36. Internationale Dental-Schau – findet in zwei Jahren vom 10. bis 14. März 2015 statt.   

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