Kambodscha: Unterwegs mit den "Mini Molars"

Kinder und Mini Molars
17. Oktober 2016
Kambodscha: Unterwegs mit den "Mini Molars"
Hilfsprojekt behandelt bedürftige Kinder in Phnom Penh

In Kambodscha gibt es bezüglich der Zahngesundheit von Kindern viel zu tun. Aus diesem Grund engagiert sich seit einiger Zeit das Projekt "Mini Molars" in dem Land. Zwei Hamburger Zahnärzte haben das Land besucht und das Projekt unterstützt.

Phnom Penh, Kambodscha – das klingt nach einer fernen, fremden, exotischen Welt. Und das ist es auch! Wir erlebten sie während unseres vierwöchentlichen Aufenthalts bei den Mini Molars Cambodia e.V., einem zahnärztlichen Hilfsprojekt, das bedürftigen Kindern in Kambodscha hilft. Der Kulturschock traf uns unmittelbar in Phnom Penh nach unserer etwa 17-stündigen Flugreise von Hamburg aus über Paris und Bangkok. Um die Mittagszeit angekommen, stiegen wir müde aus dem Flugzeug, die Quecksilbersäule stand bei mehr als 30 Grad Celsius, und es war schwül.

Freundlich begrüßt und empfangen wurden wir von Lee, unserem Tuk-Tuk-Fahrer – Tuk-Tuks sind eine Kombination aus einem Moped und einer Rikscha. Schwungvoll und gekonnt lud er unser Gepäck in das Fahrzeug, wir stiegen auf und los ging es. Der Beginn einer spannenden Zeit für eine Zahnärztin und einen Zahnarzt aus Hamburg.

Die Faszination für dieses Land ergriff uns nach dem Verlassen des Flughafengeländes mit dem Eintauchen in einen turbulenten, wirren Straßenverkehr. Kreuz und quer ging es, teilweise in entgegengesetzter Fahrtrichtung. Verkehrsregeln, wie wir sie kennen, gibt es hier offensichtlich nicht. Ein schnelles Vorankommen ist in diesem dichten Verkehr allerdings auch nicht möglich.

Umnebelt aus fernöstlichen Aromen

Mit Handzeichenverständigung und einem ständigen Hupen zwängte sich unser Tuk-Tuk in eine sich langsam vorwärtswälzende Armada aus weiteren Tuk-Tuks, Mopeds, Kleintransportern, Radfahrern, Bussen, Fußgängern in Richtung Zentrum, vorbei an freilaufenden Hunden und Hühnern. Wir stellten fest, dass das Geheimnis dieses Verkehrsflusses darin liegt, dass jeder Teilnehmer sich rücksichtsvoll und defensiv verhält. Die Straßen sind zum Teil unbefestigt, staubig und übersät mit Schlaglöchern. Je näher wir der Stadtmitte kamen, desto dichter wurde der Verkehr und die Abgasbelastungen nahmen zu.

Von einem ständigen Hupkonzert begleitet, von unbekannten fernöstlichen Aromen umnebelt und umwabert von einem Mix aus den Dämpfen einer unzureichenden Abwasserentsorgung näherten wir uns unserem Bestimmungsort. Unvermittelt, nach einer Abbiegung in eine ruhige Seitenstraße, befanden wir uns vor einem modernen mehrgeschossigen Apartmentgebäude. Parterre befanden sich ein kleines, gemütliches Restaurant sowie ein gut sortierter Weinladen, auf dem Dach eine herrliche Terrasse mit Whirlpool und nebenan ein modernes Fitnessstudio. Leider war unser Apartment noch nicht bezugsfertig und wir konnten es noch nicht sofort betreten.

Freundlich wurden wir gebeten, im Restaurant Platz zu nehmen und ein Weilchen zu warten. Aus dem Weilchen wurde dann doch ein etwas längeres gemütliches Verweilen. Mit Erfrischungsgetränken versorgte uns Arnold und gesellte sich zu uns. Arnold ist einer der Hausherren und kommt ursprünglich aus Belgien. Mit ihm führten wir ein langes Gespräch, beziehungsweise er erzählte uns viel von sich und den landestypischen Eigenheiten. Dank Arnolds Ausführungen bekamen wir schon mal einen ersten Eindruck von der hier herrschenden Mentalität. Die Wartezeit verging so sehr rasch, und wir konnten unser Habitat betreten.

Verringertes Tempo in Kambodscha

In Kambodscha läuft alles ein paar Gänge langsamer und gelassener. Dieser positive Eindruck verstärkte sich, als wir unseren neuen Lebensraum betraten: alles sehr sauber, modern eingerichtet und voll klimatisiert. Welch eine Freude und welch ein Glücksmoment! Endlich konnten wir uns eine langersehnte Erholungspause gönnen.

Danach fühlten wir uns fit und bereit, uns neuen Aufgaben zu widmen. Wir beschlossen erst einmal, uns den Ort unserer zukünftigen Betätigung anzusehen, was sich schwieriger als erwartet entpuppte. In einem Labyrinth aus Schotterwegen, ohne erkennbare Straßenbeschilderungen, irrten wir mit einem ortsunkundigen Tuk-Tuk-Fahrer in der Gegend umher und wurden partout nicht fündig. Lee bemühte sich zwar sehr, unseren Ort zu finden, indem er anhielt und andere Fahrer befragte sowie mehrere Telefongespräche führte, war aber letztendlich erfolglos. Wir gaben die Sucherei dann schließlich auf und ließen uns zum Ausgangsort zurück fahren.

In kluger Voraussicht hatte Clarissa eine länderspezifische SIM-Karte erworben, die wir nun einsetzten. Mit Hilfe der GPS-Navigation fanden wir in kurzer Zeit unsere "Mini Molars". Allerdings war am Donnerstagnachmittag keiner von ihnen mehr anwesend, und wir kehrten unverrichteter Dinge wieder zurück. Ganz so vergeblich war diese Exkursion jedoch nicht, denn wir lernten so schon mal unseren Weg dorthin kennen.

Da wir nun erfahren hatten, dass sich die Mini Molars gar nicht so weit entfernt befanden, beschlossen wir, zukünftig mit (gemieteten) Fahrrädern dorthin zu fahren. Jeden Tag, montags bis freitags, starteten wir kurz vor acht Uhr von unserem Apartment aus in Richtung Mini Molars und waren nach etwa 10 Minuten vor Ort. Diese Fahrt war allerdings jedes Mal ein Abenteuer für sich. Je nachdem, ob es in der Nacht zuvor geregnet hatte oder trocken geblieben war, hatten wir es mit einer Schlamm- oder einer Staubpiste zu tun.

Behandlung am Vormittag

Die Vormittage behandelten wir unsere kleinen Patienten, die Nachmittage waren zur freien Verfügung. Die meisten unserer Kinder hatten einen sehr schlechten Zahnstatus, mit vielen kariösen und zerstörten Zähnen. Zum Glück handelte es sich hierbei überwiegend um Milchzähne, denn Hilfe für diese Zähne gab es in seltenen Fällen. So bestand der größte Teil unser zahnmedizinischen Tätigkeit im Extrahieren stark zerstörter Zähne. Ein weiterer Schwerpunkt unserer Tätigkeit bestand im Versiegeln von Molaren und Prämolaren, begleitet von Hygieneunterweisungen.

Nachhaltiger wäre es, wenn diese Unterweisungen regelmäßiger erfolgen könnten und auch nach unserer Abreise fortgesetzt würden. Wir besprachen dieses Thema mit den Mönchen und haben den Eindruck gewonnen, dass sie offen für das Thema waren. Es wäre schön, wenn es gelänge, ein wachsendes Interesse und Bewusstsein dafür zu erzeugen, dass gesunde Zähne wichtig sind und ein Leben lang erhalten werden können. Unter den herrschenden Bedingungen allerdings eine große Herausforderung. Das Projekt "Mini Molars" bietet hierfür gute Ansätze.

Unsere Nachmittage verbrachten wir größtenteils in unserem Habitat: mit Siesta, Fitnesstraining und mit Essen im Restaurant. Einkäufe oder andere Besorgungen wurden zwischendurch erledigt, das hing jeweils vom Wetter ab. Nachmittags gab es meistens den einen oder anderen Regenschauer, von kurzer Dauer zwar, dafür aber ziemlich heftig. Anschließend war es dann deutlich kühler und angenehm für kleinere Unternehmungen.

Für die Wochenenden hatten wir uns immer etwas Besonderes ausgedacht. Drei Exkursionen wurden geplant und durchgeführt: Siem Reap mit Angkor Wat, der berühmten Tempelanlage; Sihanoukville mit dem wunderschönen Otres-Beach und Sen Monorom mit dem Mondulkiri Elephant and Wildlife Sanctuary. Zu allen Orten fuhren wir mit klimatisierten Minibussen für wenig Geld.

Das Highlight war zweifelsohne die Reise zu den Elefanten im Mondulkiri Wildlife Sanctuary. Es handelt sich hierbei um ein riesiges geschütztes Regenwaldgebiet im Nordosten von Kambodscha, an der Grenze zu Vietnam. Die gegenwärtig dort lebenden sechs Elefanten, ehemals geschunden und geschwächt, leben hier in Freiheit und ohne irgendwelche Dienste verrichten zu müssen. Sie werden liebevoll betreut und gepflegt und erholen sich prächtig. Im Dschungel gibt es bestimmte Aufenthaltsorte, wo sie sich mit Bananen füttern lassen, und Stellen, wo das Baden mit ihnen möglich ist. Ein erfahrener heimischer Ranger führte uns zu diesen Stellen, und wir hatten das große Glück und die Möglichkeit, beides miterleben zu dürfen. Dies war dann auch der krönende Abschluss unseres vierwöchigen Aufenthalts in Kambodscha.

Unsere Zeit dort war ein erlebnisreicher Aufenthalt in einem faszinierenden Land. Wir führten viele interessante Gespräche mit freundlichen Menschen und gewannen viele neue Erkenntnisse. Die hier gemachten Erfahrungen möchten wir nicht mehr missen.

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