Pflegereform: Warum auch Zahnärzte betroffen sind

14. Februar 2017
Pflegereform: Warum auch Zahnärzte betroffen sind
Ältere Tarife wurden stark heraufgesetzt

Im Zuge der Pflegereform wurden für viele Versicherte die Pflegetagegeld-Policen erhöht. Warum auch Zahnärzte betroffen sind und ab wann sie sich finanziell absichern sollten.

Von Philipp Burg

Viele Versicherte erhielten vor Jahresende 2016 wenig erfreuliche Briefe ihres Versicherers: Die Pflegetagegeld-Policen wurden erhöht. Die Steigerungen betrugen zum Teil mehr als 30 Prozent. Vor allem ältere Tarife wurden stark heraufgesetzt. Die Versicherer nennen im Wesentlichen drei Gründe: Sie geben mehr aus, weil immer mehr Menschen Pflege brauchen. Ferner wird die Umstellung auf die neuen Pflegegrade (von 3 auf 5 Stufen) Zusatzkosten verursachen: Versicherte, die zum Beispiel bislang keinen Anspruch auf Pflegeleistungen haben, bekommen jetzt welche.

Ganz wichtig: Demenzerkrankungen werden besser berücksichtigt und höher eingestuft. Und schließlich wird das Totschlagargument, der Niedrigzins, angeführt. Per saldo bringt die Pflegereform erhebliche Mehrleistungen. In diesem Jahr sind es acht Milliarden Euro. Die Ausweitung des Versicherungsschutzes betrifft alle Leistungserbringer. Dennoch bleibt weiterhin eine Finanzierungslücke.

Vergleichen lohnt immer

Es wird deshalb immer wichtiger, bei Neuabschlüssen zu vergleichen. Dabei spielen nicht nur die Beiträge eine Rolle, sondern zunehmend die Bedingungen. Stichpunkte, die zu beachten sind: Zuschläge bei der Gesundheitsprüfung, Beitragsbefreiung im Pflegefall, Einmalzahlungen, häusliche Pflege durch Laien, Wartezeitverzicht, Dynamik ohne Gesundheitsprüfung, Aufnahmehöchstalter etc.

Bietet der Versicherer mehrere Pflegetarife an, können ihn Kunden nach einem alternativen günstigeren Tarif fragen. Sie sind berechtigt, in den jeweils günstigsten Tarif beim selben Anbieter zu wechseln. Dabei wird die  Altersrückstellung übertragen. Beim Anbieterwechsel ist das nicht der Fall. Privat vorzusorgen wird immer dringender. Im Jahr 2050 soll es zwei Drittel mehr Pflegebedürftige geben als heute. Experten setzen Horrorzahlen in Umlauf: Nach dem Barmer Pflegereport werden 74 Prozent aller Frauen und 57 Prozent der Männer pflegebedürftig. Eine Studie von Allensbach kommt auf weniger.

Demenzkranke werden besser gestellt

Wie auch immer: Zahnärzte sollten im Alter von etwa 40 bis 50 Jahren Gedanken machen, wie sie sich finanziell absichern wollen. Und die häufigste Form ist eben die Tagegeld-Variante. In unserer Tabelle ist die prozentuale Verteilung des Tagessatzes nach Pflegegraden aufgeführt – unterteilt nach ambulanter und stationärer Pflege. Beim Pflegegrad 1 leistet die Privat-Police in beiden Fällen 20 Prozent. Bei der "normalen" Pflegeversicherung gibt es hier nichts.

Entscheidend: Vor allem Menschen mit geistigen und seelischen Krankheiten wie einer Demenz erhalten deutlich mehr Leistungen. Prognosen gehen von bis zu einer halben Million zusätzlichen Leistungsempfängern im Zuge der Reform aus. Bei den Tagegeld-Prämien gibt es eine massive Streuung: Für ein Tagegeld von 100 Euro für einen 50-Jährigen liegen die Monatsbeiträge zwischen 43 und 142 Euro – allerdings mit unterschiedlichen Leistungen in den fünf Pflegestufen und auch im Bedingungswerk. Der PKV-Verband hat mit "compass" eine Beratungsstelle geschaffen. Deren Mitarbeiter beraten auch vor Ort. Wer das wünscht, bekommt innerhalb von 24 Stunden einen Rückruf, damit ein Termin vereinbart werden kann. Telefon (0800) 1018800.

 

  Allianz DKV   AXA

Bei ambulanter Pflege

     
Pflegegrad 1 20 % 30 % 20 %
Pflegegrad 2 30 % 40 % 40 %
Pflegegrad 3 50 % 70 %

60 %

Pflegegrad 4 80 % 100 % 80 %
Pflegegrad 5 100 % 150 %

100 %

Bei stationärer Pflege      
Pflegegrad 1 20 % 100 % 20 %
Pflegegrad 2 100 % 100 % 40 %
Pflegegrad 3 100 % 100 %

60 %

Pflegegrad 4    100 % 100 %             80 %
Pflegegrad 5 100 % 150 %

100 %

Quelle: Pflegeversicherungexperten.de

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