Von Feminisierung zu Augenhöhe: 10 Jahre Dentista e.V.

Immer im Einsatz für die Anliegen der Zahnärztinnen und Zahntechnikerinnen: Der Dentista e.V. feiert zehnjähriges Jubiläum.
07. März 2017
Von Feminisierung zu Augenhöhe: 10 Jahre Dentista e.V.
Von einer „drohenden Feminisierung“ des zahnärztlichen Berufsstands spricht heute niemand mehr

Im März 2007, genauer: auf der damaligen IDS wurde der Dentista e.V. gegründet – und unter dem Dach der IDS 2017 feiert der Verband nun sein zehnjähriges Gründungsjubiläum.

Ausgangspunkt für den Start war die damalige Unsicherheit von Standespolitik und Wissenschaft hinsichtlich der Auswirkungen der erheblich steigenden Anzahl an Zahnärztinnen und Zahnmedizinstudentinnen, kurz „Feminisierung“ genannt.

„Drohende Feminsierung“

Mit dieser Entwicklung, damals als „drohende Feminisierung“ bezeichnet, wurden Befürchtungen von sinkendem Einkommen für die Zahnärzte, Einbrüchen bei eher als männlich erachteten Verfahren wie Oralchirurgie sowie bei den Versorgungsstunden für die Patientenbehandlung in Verbindung gebracht.

 

Zum Jubiläum blickt Birgit Wolff, die Initiatorin von Dentista, zurück und erklärt, warum es wichtig ist, weiterzumachen. (© dzw-tv)

 

Ein Professor an der Uni Mainz sprach davon, dass Zahnärztinnen Studiengebühren zurückzahlen müssten, weil sie ja später nur in Teilzeit arbeiteten, und in einer Zahnärzterunde wurde gemeint, Männer seien halt klüger als Frauen: Seit man in der Zahnmedizin nicht mehr so viel verdienen könne, überließen die Männer gern den Kolleginnen das Feld. Zudem wurde darüber nachgedacht, die Zulassung zum Studium über den Numerus Clausus zugunsten eines noch zu findenden Verfahrens abzuschaffen: Ein gutes Abitur sei schließlich kein Garant für eine Qualifikation als Arzt.

Seit 2008 wird der Zahnärztinnenverband Dentista e.V. von Dr. Susanne Fath (Berlin) geführt. (Foto: privat)

Forderung nach Männerquote in der FAZ

An diese zehn Jahre zurückliegende Debatte mochte sich manche/r Leser/in der FAZ vom 4. März dieses Jahres erinnert fühlen: Die Zeitung überließ einem (emeritierten) ärztlichen Professor einen Mehrspalter auf der Beruf&Karriere-Seite, der mit vielen der zuvor genannten Aspekte eine „Männerquote“ für den Arztberuf einforderte.

Sein Fokus galt nicht zuletzt den Kliniken, die nachmittags, so der Autor, oft unterbesetzte Stationen hätten, da sich die Ärztinnen um ihre Kinder kümmerten und es an Geld fehle, die Ausfallzeiten zu kompensieren. Dass dies im Umkehrschluss bedeutet, dass Klinikleitungen Männer als Ärzte bevorzugen, da diese sich offenbar zeitlich und finanziell bereitwilliger an die Grenzen ihres Leistbaren bringen lassen, war dem emeritierten Professor vermutlich nicht bewusst.

Ebenso wenig hat er wohl wahrgenommen, dass heute junge (Zahn-)Ärzte und (Zahn-)Ärztinnen gleichermaßen  auf ein gesundes Verhältnis von Arbeits- und Lebenszeit bestehen. Mit der „Männerquote“ wären seine Befürchtungen nicht gelöst.

Veränderungen des Berufsstands begleiten und analysieren

Solche Statements sind in der Zahnärzteschaft weitgehend überholt. Der Dentista e.V. sieht dies nicht zuletzt als Erfolg seiner sachorientierten Arbeit und der konstruktiven Kooperation insbesondere mit der Bundeszahnärztekammer an. Viele der eingangs genannten Befürchtungen oder Stammtischparolen konnten durch neu erhobene oder unter anderer Betrachtung ausgewertete Daten, auch seitens des IDZ, widerlegt werden.

Der Verband der Zahnärztinnen, der später um das Forum Zahntechnikerinnen erweitert wurde, sah seine Aufgabe seit Gründung vor allem darin, die Veränderungen im Berufsstand durch den steigenden Anteil an Zahnärztinnen zu analysieren und zu veröffentlichen beziehungsweise daraus entsprechende Konsequenzen für die eigene Arbeit zu ziehen. Aus den Erhebungen, aber auch aus den Diskussionsforen im Kreis der Zahnärztinnen resultierten neue Themen, mit denen sich in der Folge auch weitere Organisationen befassten.

Das Ohr immer dicht am Zahnärztinnenalltag

Durch den intensiven Austausch im Kreis der Zahnärztinnen zeigten sich Bedürfnisse, denen Dentista als Stimme der Kolleginnen im Berufsstand Gehör verschaffte beziehungsweise für die er Lösungen entwickelte. Die sehr auf Zahlen und Daten basierende Arbeit des Verbandes, aber auch das dichte Ohr am Zahnärztinnenalltag haben dazu beigetragen, dass Dentista inzwischen ein vielgefragter Ansprechpartner auf Augenhöhe für viele unterschiedliche Organisationen der Dentalwelt wurde.

Für Zahnärztinnen und Zahntechnikerinnen gleichermaßen

Den Zahnärztinnen und mittlerweile auch den Zahntechnikerinnen Stimme und Gesicht zu geben, ihre Forderungen ebenso darzustellen wie ihre standespolitische Mitverantwortung zu betonen: Das gehörte und gehört zu den Zielen des Verbandes gestern und heute.

Für die Zukunft sieht Dentista seine Arbeit als notwendiger denn je: Viele Folgen des nach wie vor steigenden Anteils an Kolleginnen unter den Zahnärzten und Zahntechnikern zeichnen sich nur zeitverzögert ab. Von einer „drohenden Feminisierung“ ist heute allerdings keine Rede mehr: Die Zahnärzteschaft hat die gesellschaftlichen Veränderungen, die nicht nur den eigenen Berufsstand betreffen, weitgehend angenommen und stellt sich den vielfältigen Aufgaben Seite an Seite mit den Kolleginnen. Dass letztere noch aktiver als bisher ihre standespolitische Mitverantwortung übernehmen und die Zukunft aktiv mitgestalten, steht auf der Agenda des Dentista e.V. auf einem der obersten Plätze.

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