Zahnärztinnen in ihrem Unternehmertum stärken

In den Pausen diskutierten Teilnehmerinnen und Referentinnen das Thema Zahnärztinnen und Unternehmertum.
10. Februar 2014
Zahnärztinnen in ihrem Unternehmertum stärken
Zukunftsgipfel 2014 – „Trends erspüren, Bedingungen optimieren“

Wie muss die Zukunft der Zahnmedizin aussehen, damit Zahnärztinnen sich frühzeitig mit dem Thema Praxisgründung beschäftigen, einen stärkeren Fokus auf unternehmerischen Erfolg legen, einen leichteren Zugang zur Implantologie erhalten und sich auch mit wenig Zeit standespolitisch engagieren können? Ideen und Lösungsansätze dazu diskutierten rund 40 Zahnärztinnen und Unternehmerinnen auf dem 2. Zukunftsgipfel von ladies dental talk und DZW/Chance Praxis in Kooperation mit der ApoBank, der Health AG und Dentsply Implants am 7. Februar in Frankfurt (Main) in den Räumen der ApoBank.

Ausbildung und Karriere

Dr. Silvia Brandt, Universitäts-Klinik Frankfurt, und Nadja Alin Jung, Bundesverband der zahnmedizinischen Alumni, erläuterten, welche Themen die zahnmedizinische Ausbildung sinnvoll ergänzen würden. An den Universitäten fehlten vor allem die Disziplinen BWL, Abrechnung, Management, Personalführung, Kommunikation sowie Kollaboration – eine Folge der veralteten Approbationsordnung von 1955. Auch werde Wissen infolge der Multiple-Choice-Prüfungen nur sehr punktuell aufgebaut, wissenschaftliche Zusammenhänge blieben den Studierenden häufig verborgen. Durch Praktika oder Hospitationen der Studenten in ausgesuchten Partnerpraxen könne bereits frühzeitig auf die Arbeit in der Praxis vorbereitet und die Lücke zwischen Ausbildung und späterer Tätigkeit geschlossen werden.

Auch die Deutsche Apotheker- und Ärztebank stellt sich in ihren Finanzierungsmodellen auf die Klientel der Zahnärztinnen ein, so Petra Knödler, Marktgebietsleiterin des Marktgebiets Mitte der ApoBank. So habe sich die Bank neu aufgestellt und eigene Berater für Studenten und Fachschaften ins Team geholt, die die Studierenden von Anfang an durch ihre unterschiedlichen Lebensphasen begleiten, sowie Berater, die sich mit den Fragen angestellter Zahnärzte beschäftigen. Familie und Existenzgründung schlössen sich nicht aus, so Knödler. Wichtig sei aber für eine erfolgreiche Gründung, dass die Familienplanung von Anfang an in der Finanzierung mit eingeplant wird – und nicht etwa aus Angst, von der Bank abgelehnt zu werden, verschwiegen wird.

Praxisführung

Dass Factoring ebenfalls zum unternehmerischen Erfolg beitragen kann, berichtete Sigrid Jürgensmann, Health AG. „Mit Factoring liegen Sie über Ihrer Kreditlinie, ohne darunter“, brachte sie es auf den Punkt. Das drohende Problem dabei sei die Insolvenz. Meist werde zunächst an der Kostenschraube gedreht und Personal entlassen, doch ohne Mitarbeiter sei wiederum die anfallende Arbeit mehr zu leisten. Eine Abwärtsspirale, bei der die Insolvenz unabwendbar sei. Deshalb solle Factoring bereits bei der Praxisgründung eingeplant werden. „Wir haben starke Modelle für die Praxisgründung und wollen künftig noch mehr auf die junge Zielgruppe eingehen“, so Jürgensmann.

Ein Arbeitsvertrag kann helfen, Konflikten mit Mitarbeitern vorzubeugen, schilderte Katri Helena Lyck, Fachanwältin für Medizinrecht aus der Bad Homburger Kanzlei Medizinanwälte Lyck und Pätzold. Weil immer weniger Zahnmedizinische Fachangestellte ausgebildet werden, gestalte sich die Suche nach guten Angestellten immer schwieriger. Umso wichtiger sei es, mit schriftlichen Arbeitsverträgen Sicherheit für Praxisteam und Chef zu schaffen. „Das Durchschnittsalter der Praxisinhaber liegt bei 57 Jahren, häufig gibt es gar keine Verträge“, so Lyck. Doch was früher oft mit Handschlag besiegelt wurde, ist heute ein unsicheres Vabanque-Spiel. Der Rat der Rechtsanwältin: Schriftliche Arbeitsverträge schaffen Klarheit für beide Seiten und eine Diskussionsgrundlage für Praxischef und Mitarbeiter, wenn sich Aufgaben verändern. Somit kann sich der Arbeitsvertrag sogar als ein Motivationsinstrument entpuppen.

Implantologie

Ein leichterer Zugang zur Implantologie für Zahnärztinnen wäre wünschenswert, so Dr. Karin Schnell, Zahnarztpraxis Schnell, Dr. Ricarda Jansen, Dentsply Implants, und Andrea Bauer, Dentallabor ZahnAkzente, Frankfurt. Denn die Implantologie gehöre zur Zukunft der Zahnmedizin, so die Referentinnen. Deshalb sollten junge Zahnmediziner hierzu motiviert werden. Das Zusammenspiel von Patient/Zahnarzt/Zahntechniker/Chirurg müsse reibungslos funktionieren und bilde ein eigenes kleines Netzwerk. Wichtig dabei sei die vertrauensvolle Beziehung zum Patienten – und dass der Zahnarzt sein Handwerk beherrscht und sich nicht allein auf die moderne Technik verlässt.

Standespolitik

Wie die Standespolitik aussehen müsste, damit Zahnärztinnen auch mit wenig Zeit Einfluss nehmen können, diskutierten Dr. Marion Marschall, Chefredakteurin DZW und Chance Praxis, Birgit Dohlus, Buena Vista Dentista Club e.V. und Dr. Tilli Hanßen, Zahnärzte für Niedersachsen e.V.

Lange Sitzungszeiten und Rangeleien halten bislang noch viele Frauen von einem Amt in der Standespolitik ab. Doch sei dies gefährlich, denn „alte Männer bestimmen darüber, was junge Frauen tun sollen“, so Marschall. Deshalb, so ihr Rat, sollten Zahnärztinnen die Chance nutzen und Themen aktiv mitbestimmen. Nur so könnten sie mitentscheiden, wie sich ihre Berufsausübung gestaltet. Auch handele es sich nicht immer um politische Ämter mit hohem Zeitfaktor, so Dohlus: „Es gibt verschiedene Ebenen in der Politik, man kann bei Fachgesellschaften oder Berufsverbänden anfangen, hier reichen bereits vier Sitzungen im Jahr.“ Eine weitere Möglichkeit sei es, sich für sachorientierte Themen wie Mitarbeiterführung, Ausbildung etc. einzusetzen – eine Arbeitsweise, die Frauen sogar grundsätzlich näher liegt, so Dohlus. In jeden Fall sollten Frauen selbstbewusst für ihre Belange eintreten.

Trends erspüren und Bedingungen für Zahnmedizinerinnen optimieren – dass hier noch Bedarf herrscht, hat der Zukunftsgipfel in vielerlei Hinsicht gezeigt. Dass es auch noch Spaß macht, Zahnärztinnen in ihrem Unternehmertum zu stärken, hat das Ziel der Veranstaltung übertroffen.

MG

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Kommentare

Sehr geehrte Redaktion,

Sehr geehrte Redaktion, wieder vermisse ich in diesem Artikel über die weibliche Zukunft der deutschen Zahnheilkunde eine klare und ehrliche Analyse, warum junge Männer einer ihrer früheren "beruflichen Domänen" zunehmend fernbleiben, Wo bleiben Signale an die Gesundheitspolitik , daß ja mittelfristig auch unsere jungen Akademikerinnen , zumal mit Doppelbelastung, in existenssichere Sparten abwandern könnten. ( mit Mutterschutz und Elternzeit ) Warum scheint der Zahnarztberuf heute zunehmend nur noch für unternehmerisch Unerfahrene interessant ? Beste Grüße Dr.Kristina Wilkens

Sehr geehrte Frau Dr. Wilkens

Sehr geehrte Frau Dr. Wilkens, vielen Dank für Ihre Anregungen! Sie haben Recht – wir konnten leider nicht alle Aspekte, die auf dem Zukunftsgipfel diskutiert worden sind, in die kurze Nachberichterstattung aufnehmen. Dafür ist der Zukunftsgipfel eine zu lebendige Veranstaltung mit sehr weit gefasstem Input. Gern möchten wir Sie aber jetzt schon einladen, auf dem nächsten Zukunftsgipfel im Jahr 2015 mit uns zu diskutieren – eine frühere Gelegenheit bieten auch die Veranstaltungen des ladies dental talk, die bundesweit in unterschiedlichen Städten stattfinden. Unter www.ladies-dental-talk.de finden Sie alle weiteren Informationen. Beste Grüße, Monia Geitz

Sehr geehrte Frau Dr. Wilkens

Sehr geehrte Frau Dr. Wilkens, mich würde interessieren, was für Sie eine "klare und ehrliche Analyse" zur nachlassenden Anzahl an jungen Männern im Berufsstand darstellen würde? Es ist dazu so viel veröffentlicht worden, dass man Bücher schreiben könnte - aber mehr als "Analyse" geht nicht, denn wie so oft hängt ja vieles mit vielem auch Individuellem und Zeitgeistigem zusammen. Auch der Dentista Club - sagen wir ruhig: er an sich als erster... _ hat dazu Erhebungen angestellt, eine Studie mit der Studienplatzvergabestelle, damals unter dem Aspekt, den "Theken-Tenor" zu untergraben, Männer würden sich immer weniger bewerben, weils nicht mehr so viel zu verdienen gäbe. War auch eine Breitseite gegen die "doofen Frauen", die für so wenig Geld noch arbeiten und den Berufsstand kaputtmachen (Zitat Standespolitik: "drohende Feminisierung"). Die Studie hatte aber ergeben, dass die Bewerberzahl weiter steig.... Das passte nicht ganz zur schönen These. Und: Die Abiturnoten der sich bewerbenden Damen waren einfach um Längen besser. Auch das passte nicht ins gewünschte Bild. Um ein Beispiel zu nennen. Dann haben wir: Immer mehr junge Zahnärzte bevorzugen die Anstellung. Wir haben die "y-generation" - mit Anspruch an Leben und nicht mehr Prio 1 Zahnarztpraxis. Zu diesem und allem anderen gibt es schon soo viel "Stoff", und es wird auf so vielen Ebenen versucht gegenzusteuern (unter anderem neue Zugänge zum Studium statt numerus clausus) _ das läuft alles schon und ist kein Geheimnis. Was aber nah wie vor und mehr denn je gerade deshalb gelöst werden muss, ist die ausreichende Patientenversorgung bei steigender Anzahl minderstundentätiger Zahnärztinnen (und demnächst auch Zahnärzte). Deshalb beschäftigt sich der Zukunftsgipfel eher mit diesen unternehmerischen Aspekten. Das finde ich gut. Denn auch die unternehmerisch Unerfahrenen müssen das Management und die strukturelle Politik dahinter verstehen. Das Interesse am Studium steigt - ein schlechtes Pfand für die Standespolitik, damit der "großen Politik" zu kommen. Und es gibt eine enorme Anzahl an Gleichwertigkeitsprüfungen. Und große Ketten und Zentren, die gezielt mit WorkLifeBalance abwerben... Die Politik kriegt ihr Patienten schon versorgt, ob die Zahnmedizin auch den Zahnärzten eine angemessene Existenz sichert, dafür müssen eben alle gemeinsam an einem Strick ziehen. Die Aufgabe hat viele Facetten und Stellschrauben, und eine kleine davo ist sicher auch die Veranstaltungsreihe, die (mindestens) das Bewusstsein schärft... Viele Grüße, Birgit Dohlus