Zahntechnik: Arbeitgeberverband auf Bundesebene gegründet

Mehr als 80 Teilnehmer nahmen an der Informationsveranstaltung des Arbeitgeberverbands Zahntechnik im ZDF-Casino Mainz teil. (Foto: AVZ, Berlin)
16. November 2015
Zahntechnik: Arbeitgeberverband auf Bundesebene gegründet
Arbeitgeberverband Zahntechnik präsentiert sich erstmals in Mainz – "Bessere Entlohnung sowie Aufstiegsmöglichkeiten unabdingbar"

Anfang Oktober fand die Gründung des neuen, auf Bundesebene agierenden Arbeitgeberverbands Zahntechnik e.V. (AVZ) in Erfurt statt. Im Rahmen einer für alle Unternehmer der Zahntechnikbranche offenen Informationsveranstaltung der Zahntechniker-Innung Rheinland-Pfalz im ZDF-Casino auf dem Lerchenberg in Mainz präsentierte sich der Arbeitgeberverband Zahntechnik erstmalig vor mehr als 80 anwesenden Dentallaboren.

Der Präsident des Verbands, ZTM Manfred Heckens, auch Landesinnungsmeister der Zahntechniker-Innung Rheinland-Pfalz, stellte die klare Positionierung des Verbands mit den drei Kernzielen vor: "Politische Vertretung auf Bundes- und EU-Ebene, berufliche Fortentwicklung sowie die Gestaltung von klaren Rahmenbedingungen, in denen sich der Unternehmer Zahntechnik zukünftig bewegen kann." Diese primären Ziele seien es laut Heckens, die der Verband als vordringlich ansieht und deren Bearbeitung höchste Priorität verliehen wird.

"Wir freuen uns, dass uns seit unserem Start im Oktober eine überwältigende Resonanz und Zustimmung aus der ganzen Bundesrepublik erreichten und wir zwischenzeitig Anmeldungen in dreistelliger Höhe verzeichnen können."

ZTM Manfred Heckens, Präsident des neuen AVZ

In einer offenen Podiumsdiskussion stellten sich die Gäste – Rechtsanwalt Marcus Menster (Fachanwalt für Arbeitsrecht), Dr. Rolf Koschorrek (stellvertretender Bundesvorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung CDU/CSU), Zahnarzt Dr. Diether Reusch (Westerburger Kontakte, Ehrenpräsident der DGÄZ) und Heckens – den Fragen des Publikums. Ihre eigenen Positionen zur Betrachtung des neuen Verbands präsentierten die Podiumsteilnehmer vorher in kurzen Impulsreferaten.

Keine Zukunftsängste schüren
"Voraussetzung für eine qualitätsgesicherte Patientenversorgung in der Zukunft ist unabdingbar eine bessere Entlohnung für Zahntechniker sowie Aufstiegsmöglichkeiten", betonte Rechtsanwalt Menster. Als dramatisch bezeichnete er den Zustand, dass zurzeit nur noch knapp 2.000 Auszubildende jährlich den Weg in den Beruf des Zahntechnikers finden. Die Entlohnung spielt auch in dieser Frage eine zentrale Rolle, es dürften keine Zukunftsängste geschürt werden. Gerade hier sieht Menster den neuen Arbeitgeberverband in der Pflicht, sich politisch so zu positionieren, damit die Branche Zahntechnik ein anderes Wahrnehmungsbild auch in der allgemeinen Öffentlichkeit findet.

"Organisieren Sie sich schlagkräftig, nur so kann die deutsche Zahntechnik als Qualitätsgarant Bestand haben und Einfluss auf die Politik nehmen."

Dr. med. dent. Rolf Koschorrek, Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU

Dass der Zeitpunkt für strukturelle Veränderungen gekommen sei, davon ist auch der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Zahnarzt Koschorrek überzeugt; schließlich ist die Zahntechnik ein wichtiger Bereich der deutschen Gesundheitsversorgung. Um den Themen Fachkräftemangel sowie Preisverfall zu begegnen, bedarf es einer Konzentration auf wenige Kernpunkte und einer starken Vertretung mit starken Kooperationen. "Organisieren Sie sich schlagkräftig, nur so kann die deutsche Zahntechnik als Qualitätsgarant Bestand haben und Einfluss auf die Politik nehmen." Neue Berufs- und Ausbildungsprofile müssten geschaffen werden. Koschorrek stellte zusammenfassend fest: "Doch eins darf nicht in Vergessenheit geraten: Zahnersatz muss Therapiemittel bleiben und darf nicht nur zum Datensatz minimiert werden; so wie es in anderen Berufszweigen bereits passiert ist".

Mehr gegenseitige Wertschätzung
Auf eine signifikante Verbesserung der Kommunikation zwischen Zahntechniker und Zahnärzten ging Dr. Dieter Reusch ein. "Denn die gegenseitige Wertschätzung lässt zu wünschen übrig; aber ohne den Zahntechniker an meiner Seite geht es nicht. Warum können nicht zahntechnische Auszubildende in unseren Praxen hospitieren oder Praktika belegen beziehungsweise umgekehrt angehende Zahnmedizinische Fachangestellte im Labor? Für eine gegenseitige Wertschätzung wäre das zumindest ein erster Schritt. Gerade im Hinblick auf den wachsenden zweiten Gesundheitsmarkt ist ein Schulterschluss zwischen den Berufsverbänden dringend notwendig."

Heckens zitierte eine Weisheit seines politischen Wegbegleiters Klaus Kanter: "Die Verantwortung anderen zu überlassen ist der erste Schritt in die Unfreiheit! Wir freuen uns, dass uns seit unserem Start im Oktober eine überwältigende Resonanz und Zustimmung aus der ganzen Bundesrepublik erreichten und wir zwischenzeitig Anmeldungen in dreistelliger Höhe verzeichnen können. Unser Ziel ist es, die Zahntechnik gemeinsam mit Ihnen als Unternehmer zukünftig offen und transparent zu vertreten", plädierte Heckens am Ende einer lebhaften Podiumsdiskussion mit den Referenten und dem Publikum.

Der neue Verband hat seinen Sitz in Berlin. Weitere Infos unter www.avz-berlin.eu.

Claudia Gabbert, Hamburg

(Alle Fotos: AVZ, Berlin)

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