Zahnverlust: Parodontitis-Therapie erfolgt oft zu spät

Barmer Zahnreport 2017: Bei einem Drittel der Erkrankten gehen innerhalb von vier Jahren Zähne verloren. Bundesweit sind laut Barmer 440.000 Personen betroffen.
27. April 2017
Zahnverlust: Parodontitis-Therapie erfolgt oft zu spät
Barmer-Krankenkasse präsentiert in Berlin den „Zahnreport 2017“

Die Barmer-Krankenkasse geht in ihrem Zahnreport 2017 unter anderem auch auf die Parodontitis-Therapie ein. Diese komme für viele Patienten zu spät, das Ziel, Zähne zu erhalten, werde häufig nicht erreicht. Die Zahlen beunruhigen, und auch das Gefälle innerhalb Deutschlands ist groß.

Die gesetzliche Krankenkasse Barmer hat in Berlin ihren Zahnreport 2017 vorgestellt. Schwerpunkt des Reports ist die Parodontitis-Therapie. Diese verfehle häufig ihr Ziel, Zähne zu erhalten. Wie die Krankenkasse mitteilt, gehen bei einem Drittel der Erkrankten innerhalb von vier Jahren Zähne verloren. Bundesweit seien 440.000 Personen betroffen.

„Die Parodontitis-Therapie scheint für viele Patienten spät oder zu spät zu kommen. Dabei ist sie eigentlich hilfreich. Wir können den Betroffenen daher nur dringend raten, frühzeitig zum Zahnarzt zu gehen und dessen Therapie-Empfehlungen auch konsequent umzusetzen“, so Prof. Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer.

Unter Berufung auf die aktuelle Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V) ist laut Barmer in Deutschland mehr als die Hälfte der Erwachsenen mittleren Alters von Parodontitis betroffen – rund fünf Millionen Frauen und Männer. Lediglich 50 Prozent der Versicherten würden in einem Zeitraum von zwei Jahren eine Parodontitis-Untersuchung vornehmen, heißt es im Report. 2015 hätten nur weniger als zwei Prozent der Versicherten eine Therapie durchlaufen.

Regionale Unterschiede in Deutschland

„Auch wenn nicht jeder Betroffene jedes Jahr eine Therapie benötigt, gibt es doch eine deutliche Diskrepanz zwischen der Zahl der an Parodontitis Erkrankten und der Zahl der Behandelten. Dies ist umso bedenklicher, da der Therapieerfolg immer unsicherer wird, je weiter die Erkrankung fortgeschritten ist“, so Michael Walter, Direktor Dresdener Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus.

Zahnreport 2017
Der Zahnreport 2017 beschreibt die Therapie der „Volkskrankheit“ Parodontitis im Versorgungsalltag von Zahnärzten. Mit den Ergebnissen der Studie soll auf Verbesserungspotenziale hingewiesen werden. Im Zahnreport 2017 zeige eine erstmalige Verknüpfung medizinischer und zahnmedizinischer Abrechnungsdaten die Bedeutung von Diabetes für die Parodontitis-Therapie. Das PDF des Zahnreports 2017 ist auf barmer.de einsehbar.

Darüber hinaus geht aus dem Zahnreport hervor, gibt es deutliche regionale Unterschiede bezüglich der Therapie. Während im Saarland nur 0,9 Prozent der Versicherten eine Therapie erhalten, waren es in Nordrhein-Westfalen 2,1 Prozent. Auf Nachfrage der DZW können die Ursachen für die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern nicht aufgeklärt werden. Das regionale Gefälle beobachte man laut Barmer bereits seit mehreren Jahren.

Festhalten an Standard-Therapie

Auch innovative Behandlungsmethoden, beispielsweise die Laser-Therapie, führten nicht unbedingt zu einem Behandlungserfolg. Darüber hinaus sage der Behandlungserfolg oder -nichterfolg nichts über die Qualität der Parodontitis-Therapie aus. „Zur gegenwärtigen Standard-Therapie gibt es derzeit keine Altenative“, so Straub.

Diabetes-Patienten im Fokus

Des Weiteren werden im Zahnreport der Barmer Diabetes-Patienten in den Fokus gerückt. Bei diesen Betroffenen seien vor allem Früherkennungs- und Nachsorgeuntersuchungen zur Parodontitis besonders wichtig. So erfolgten Zahnentfernungen nach einer Parodontitis-Therapie bei Diabetikern deutlich häufiger. Bei jungen Diabetikern sei das Risiko mehr als doppelt so hoch wie bei gleichaltrigen Nichtdiabetikern. Als Konsequenz daraus solle die regelmäßige Kontrolle auf Parodontitis zum Bestandteil der etablierten Behandlungsprogramme für Diabetiker werden.

Laut Zahnreport rät die Barmer jedoch nicht nur Diabetikern, sondern allen Personen im Hinblick auf Parodontitis zu regelmäßigen Kontrollen und Vorsorgeuntersuchungen. Wichtig sei auch eine regelmäßige Nachsorge, da der Parodontitis-Patient auch nach erfolgreicher Therapie ein Risikopatient bleibe.

cle

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