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Cimon, Pepper und Co.

Roboter auf dem Vormarsch

Roboter sind voll im Trend: Sie erledigen für uns Alltagsaufgaben wie Staubsaugen, arbeiten in der Altenpflege, helfen in Hotels und auf Flughäfen aus und kommen sowohl in der Bildung als auch in der Medizin zum Einsatz. In Fabriken rund um den Globus werden bereits im Jahr 2020 Schätzungen zufolge mehr als drei Millionen Roboter tätig sein (International Federation of Robotics).

Der kleine Roboter in Gestalt des Seehundbabys „Paro“ wird zu therapeutischen Zwecken in der Arbeit mit Demenzkranken eingesetzt. Seit 2004 ist er auch in deutschen Pflegeeinrichtungen im Einsatz.
Angela Ostafichuk / shutterstock.com

Der kleine Roboter in Gestalt des Seehundbabys „Paro“ wird zu therapeutischen Zwecken in der Arbeit mit Demenzkranken eingesetzt. Seit 2004 ist er auch in deutschen Pflegeeinrichtungen im Einsatz.

Roboter preschen nicht nur in unsere Lebens- und Arbeitsbereiche, sondern neuerdings auch ins Weltall vor. Anfang Juni startete der erste autonom agierende Astronautenassistent in der bemannten Raumfahrt an der Seite von Alexander Gerst ins Weltall. Auf der internationalen Weltraumstation ISS soll der Roboter „Cimon“ das Universum erforschen und den Astronauten in den einsamen Stunden beiseitestehen. Die künstliche Intelligenz (KI), die in dem etwa fünf Kilogramm schweren Kopf von der Größe eines Medizinballs steckt, kommt von IBM, erdacht wurde sie von Airbus. Auftraggeber ist das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR).

Cimon – ein kluger und freundlicher Kopf voller künstlicher Intelligenz
DLR

Cimon – ein kluger und freundlicher Kopf voller künstlicher Intelligenz

„Cobots“ auf der Cebit

Auch auf der diesjährigen IT-Messe Cebit, die Mitte Juni in Hannover veranstaltet wurde, stand die Robotertechnik im Vordergrund. Ziel war es, zu veranschaulichen, wo lernende Systeme zum Wohle des Menschen Verwendung finden können. Vorgestellt wurden die neuesten humanoiden und kollaborativen Roboter (im Fachjargon: „Cobots“) wie zum Beispiel Armar-6 aus dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der in Fabrikhallen mit menschlichen Kollegen zusammen­arbeiten und ihnen mit Hammer und Bohrmaschine zur Hand gehen kann. Präsentiert wurde auch Panda von Voith Robotics, der mit einem ERP-System (Enterprise-Resource-Planning) interagiert und damit in die Geschäftsprozesse eines Unternehmens eingebettet werden kann. Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) zeigte zudem ein tragbares Ganzkörper-Exoskelett für Opfer eines Schlaganfalls. Mit dem Recupera-Reha, so Prof. Frank Kirchner, Leiter des Robotics Innovation Centers am DFKI, in einer Pressemitteilung, schlage man einen neuen Weg ein, der zu einer nachhaltigen Verbesserung der Rehabilitation führen kann.

Darüber hinaus wurde auf der Cebit Pepper von SoftBank Robotics vorgestellt. Der rund 1,20 Meter große Roboter verblüfft nicht nur mit seiner Mimik und Sprachbegabung, sondern kann auch auf menschliche Emotionen reagieren und beispielsweise als smarter Mitarbeiter im Einzelhandel Fragen der Kunden beantworten. Allerdings steht der humanoide Roboter, der unter anderem auf dem Münchener Flughafen zum Einsatz kommt, wegen seiner Sicherheitsmängel in der Kritik. Eine aktuelle Studie skandinavischer Forscher zeigt, dass Pepper leicht zu hacken ist. Ein gehackter Roboter könne gewaltige Konsequenzen für die Sicherheit von Menschen haben, warnt das Forscherteam in einer Pressemitteilung. Hacker könnten ihn für virtuelle, aber auch physische Angriffe missbrauchen. Allerdings betonen die Forscher, dass die Sicherheitsprobleme von Pepper leicht zu lösen seien.

Als erster deutscher Flughafen testet der Münchner Airport seit Mitte Februar 2018 einen humanoiden Roboter. „Josie Pepper“ begrüßt die Passagiere und beantwortet deren Fragen.
Flughafen München

Als erster deutscher Flughafen testet der Münchner Airport seit Mitte Februar 2018 einen humanoiden Roboter. „Josie Pepper“ begrüßt die Passagiere und beantwortet deren Fragen.

Roboterarm mit Gefühl

„Digitalisierung und vernetzte Gesundheit“, darunter Robotik, waren auch das Leitthema beim diesjährigen Hauptstadtkongress „Medizin und Gesundheit“ in Berlin. Besonders spektakulär: die Präsentation eines Roboterarmes durch Prof. Dr. Sami Haddadin. Der Wissenschaftler zeigte, wie ein solcher Arm krankengymnastische Übungen zunächst mittels entsprechender Bewegung durch einen Therapeuten beigebracht bekommt und später mit dem Patienten selbstständig durchführt. Der Roboter ist dabei in der Lage, rücksichtsvoll auf Berührungen von Menschen zu reagieren und gegebenenfalls auch nachzugeben. Haddadin – einer der weltweit führenden Robotikspezialisten und Gewinner des Deutschen Zukunftspreises – führte beim Hauptstadtkongress vor, dass der Roboter sensibel genug reagiert, um eine Gesichtsrasur mit einem elektronischen Rasierapparat ausführen zu können.

Beim Hauptstadtkongress „Medizin und Gesundheit“ in Berlin stellte Prof. Dr. Sami Haddadin einen therapeutischen Roboterarm vor.
WISO / Schmidt-Dominé

Beim Hauptstadtkongress „Medizin und Gesundheit“ in Berlin stellte Prof. Dr. Sami Haddadin einen therapeutischen Roboterarm vor.

Ein Blick in die Glaskugel?

Auch in der Zahnmedizin spielt Robotik eine große Rolle. Wenige Monate ist es her, da hat ein Roboter einer Patientin in China zwei Implantate gesetzt. Doch gibt es da etwas zu befürchten? „Ein Roboter ermüdet nicht, macht keine Flüchtigkeitsfehler, kann Analysen in Sekunden durchführen und ist – dank Datenbankverknüpfung – immer auf dem aktuellen Stand der Forschung“, sagt Prof. Dr. David Matusiewicz von der Berliner FOM Hochschule, der bereits seit vielen Jahren zum Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen forscht. „Da Roboter über keine menschlichen Skills wie Empathie verfügen, wird es künftig keine Substitution eines Zahnarztes geben“, betont der Digital-Health-Experte. Ein „Robozahndoc“ werde vielmehr das zahnärztliche Team ergänzen und dabei einzelne ärztliche Tätigkeiten vor allem im Bereich der Diagnostik und der Herstellung von Prothetik übernehmen.

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