Praxis

CP GABA Symposium

Zahnärzte für das Thema häusliche Gewalt sensibilisieren

Zahnärztin Houma Kustermann, eine der Gründerinnen von Dentropia, sprach über ihr Praxiskonzept „Zahnmedizin plus Pädagogik“.
CP GABA/A. Böhle

Zahnärztin Houma Kustermann, eine der Gründerinnen von Dentropia, sprach über ihr Praxiskonzept „Zahnmedizin plus Pädagogik“.  

Worauf können Zahnärzte und Mitarbeiter beim Thema der häuslichen Gewalt achten? Unter dem Überbegriff „Pädagogik in Zahnarztpraxen“ ging es beim sechsten CP GABA Symposium insbesondere auch darum.

Das Symposium unter dem Motto „Zukunft der Zahnmedizin – Mundgesundheit im Fokus“, fand Anfang Juni 2018 mit mehr als 90 Teilnehmern in Leipzig statt. Durch das Programm führte Dr. Marianne Gräfin von Schmettow, Leiterin Scientific Affairs D-A-CH bei CP GABA. Der Austausch zwischen Referenten und Teilnehmern „Meet & Talk“ wurde sehr positiv aufgenommen.

Sensibilisierung in den Zahnarztpraxen ist wichtig

PD Dr. Dragana Seifert, Leitung Klinische Rechtsmedizin und Koordination Kinderkompetenzzentrum, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, widmete sich der sensiblen Thematik der häuslichen Gewalt gegen Kinder und Erwachsene. Anhand von Fallbeispielen zeigte sie Möglichkeiten in der Diagnostik bei Verdacht auf Misshandlung auf.

Es sei wünschenswert, wenn auch Zahnärzte und ihre Praxisteams sensibilisiert würden und bei Verdacht auf Misshandlung umgehend das Jugendamt informierten, sagte Seifert. Etwa 2.000 Fälle würden pro Jahr allein in Hamburg untersucht, darunter 1.000 Kinder. Diese alarmierende Zahl verdeutliche, dass entsprechende Anzeichen besser erkannt werden müssen. Etwa die Hälfte der misshandlungsbedingten Verletzungen bei Kindern liegt laut der Expertin im Kopf-Hals-Bereich, wobei ein Viertel der Verletzungen die Zähne und Mundregion betreffen. Gemäß dem 2012 in Kraft getretenen Bundeskinderschutzgesetz (BKiSchG) sollen Ärzte und Zahnärzte, denen Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung bekannt werden, zunächst im Gespräch mit den Betroffenen darauf hinwirken, dass diese Hilfsangebote in Anspruch nehmen. Zudem besteht die Möglichkeit, sich anonym direkt an das Jugendamt zu wenden.

Mundgesundheit trifft Pädagogik – das Plus für den Patienten

Beim Umgang mit misshandelten Patienten ist vom Praxispersonal ein hohes Maß an Sensibilität und Empathie erforderlich. Die Themen Empathie und Pädagogik wurden auch im „Meet & Talk“-Kurzvortrag von Zahnärztin Houma Kustermann und Gesundheitspädagogin Sybille van Os-Fingberg aufgenommen.

Die beiden Gründerinnen von Dentropia, einem Zahnzentrum für Kinder und Jugendliche in Rottweil, stellten den Teilnehmern ihr innovatives Praxiskonzept „Zahnmedizin plus Pädagogik“ vor. „Das besondere an unserer Zahnpraxis ist, dass unser gesamtes zahnmedizinisches Fachpersonal pädagogisch ausgebildet ist, um Patienten kompetenter beraten und begleiten zu können“, so Kustermann. Das pädagogische Wissen des Praxisteams fördert die Patientenzufriedenheit basierend auf den Grundlagen der Lernpsychologie: Eine positive und optimistische Einstellung von Patienten zur eigenen Mundgesundheit ist Ziel dieses Konzepts.

Alle Vorträge als Videoaufzeichnungen sowie die Präsentationsfolien finden Sie auch online.

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