Praxisführung

Führung im Wandel

Raus aus dem Hühnerstall

Teamwork
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"Menschen mögen keine Anweisungen", ist sich Dr. Susanne Klein sicher. Augenhöhe heißt das Zauberwort für erfolgreiche Teamarbeit.

Der Chef ist der Hahn im Korb. Die Assistenz: seine „Hühner“. Was sagt dieses Bild über das Verhältnis des Zahnarztes zu seinen Fachangestellten aus? Kann ein Gockel heute noch erfolgreich ein Team führen? 

Dr. Susanne Klein, Psychologin, EMCC Master Coach, Buch- und DZW-Autorin, machte den Zuhörern auf dem Kongress „Alles außer Zähne“, der am 12. und 13. Januar in Berlin stattfand, bewusst, dass ein autoritärer Führungsstil heute nicht mehr zielführend ist. Sie hält Teamführung für die größte aktuelle Herausforderung, die Führungskräfte meistern müssen. Wer heute noch nach dem Motto „follow me“ delegiert, Ziele vorgibt und kontrolliert, stehe seinem Erfolg im Weg. Eine moderne Alternative zum klassischen Führungsstil setze auf eine ausgeprägte Selbstführungskompetenz der Mitarbeiter – weg von Anweisungen hin zum Mitdenken. 

 

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M:Consult

Dr. Susanne Klein gab auf dem Kongress „Alles außer Zähne“ Tipps, wie moderne Personalführung gelingen kann.    

In sechs Schritten zum modernen Chef

Anhand von sechs Prinzipien erklärte die Psychologin gemäß ihrem Vortagsthema „Augenhöhe, Selbstverantwortung und andere Alternativen zur klassischen Führung“, wie die Zusammenarbeit zwischen Chef und Team heute funktioniert.

Das wichtigste Prinzip sei Augenhöhe. Wer für seine Mitarbeiter tierische Vergleiche wähle, löse den Pygmalion-Effekt aus: Vorverurteilungen durch andere, wenn auch nur gedacht, haben Auswirkungen auf das Verhalten eines Menschen. Klein sprach augenzwinkernd vom „Kevin- oder Chantal-Effekt“.

Das zweite Prinzip sei der Sinn. Die veränderte Lebens- und Arbeitseinstellung der Generation Y zeige, dass eine „tolle Praxis“ allein heute nicht mehr reiche. Die Sinnhaftigkeit der Arbeit werde zunehmend hinterfragt.

Hier schließt sich das dritte Prinzip, Pull („ziehen“), an. Klein ist sicher: „Menschen mögen keine Anweisungen.“ Warum solle sich jemand, der sich selbst die Schuhe zubinden kann, führen lassen? Aufgaben, die delegiert werden, machen keinen Spaß. Die Psychologin gab folgenden Praxistipp: Wenn sich Mitarbeiter anfallende Aufgaben selber aussuchen, kristallisieren sich Fähigkeiten heraus. Die Qualität der Arbeit steigt. Klein empfahl, eine Tabelle oder – noch besser – eine App als Tool hierfür zu nutzen. Schenke der Zahnarzt seinem Team Vertrauen, könne er die Assistenz in ihrer Entwicklung fördern und somit zur Personalbindung beitragen.

Subsidiarität, das vierte Prinzip, beschreibt die Eigenverantwortung und Selbstbestimmung. Der psychologische Hintergrund: Menschen finden eigene Ideen am besten. Führungskräfte können diesen gesunden Narzissmus, der vor Depressionen und Angsterkrankungen schützt, nutzen und sich im besten Fall über Höchstleistungen freuen. Die Psychologin warnte vor Gruppenbildung und dem Bystander-Phänomen. Zuständigkeiten sollten im Team klar verteilt sein.

Das fünfte Prinzip, Nudge, englisch für „Schubs“, geht davon aus, dass Menschen in ihrem Verhalten ohne Verbote und Gebote auf vorhersagbare Weise beeinflusst werden können. Ein Beispiel für Nudge ist die erfolgreiche Marketingstrategien vieler Supermärkte: Die teuren Produkte stehen im Sichtfeld. Nudge nutze unsere Bequemlichkeit. Anreize schaffen könne bedeuten, Männer mit kleinen Fußballtoren im Pissoir zur Sauberhaltung der Toiletten zu animieren. Es soll Spaß machen, sich an Regeln zu halten. Verbote hingegen schaffen Anreize, diese zu brechen. Als Beispiel für die Praxis nannte Klein den Obstteller. Ist das Obst schön und mundgerecht angerichtet, greifen die Mitarbeiter zu. Ganze Äpfel bleiben liegen.

Das sechste Prinzip: handeln statt reden! Vorbilder, ob gut oder schlecht, finden Nachahmer.

 

Kommunikation auf Augenhöhe

Eine erfolgreiche Teamentwicklung setzt die Bereitschaft zur Selbstreflexion der Führungskraft voraus. Im Unterschied zu anderen Unternehmen besteht in Zahnarztpraxen eine enge Zusammenarbeit zwischen Arzt und Assistenz auf engem Raum. Konflikte stellen hier hohe Anforderungen an alle Beteiligten. Laut Klein meistern dies die meisten Praxen gut. Bei der Umsetzung der Alternativen zum klassischen Führungsstil empfiehlt Klein, mit der Augenhöhe anzufangen.


Termin

Dr. Susanne Klein referiert auf dem Pluradent-Symposium am 20. und 21. April 2018 in Seeheim-Jugenheim.
• Vortrag: Motiviert, kompetent, selbstbewusst – wie Unternehmer ticken und wie sie führen
• Workshop: Beweglich, lernfähig, aktiv – agile Methoden für die Praxis und Laborführung