Arbeitszeugnis: Das muss unbedingt drinstehen

Arbeitszeugnis
12. Mai 2017
Arbeitszeugnis: Das muss unbedingt drinstehen
Grund und Umstände der Beendigung des Verhältnisses nur auf Wunsch

Wer sein Beschäftigungsverhältnis beendet, hat Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Was dort unbedingt drinstehen sollte.

Wer sich bewerben will, braucht ein Arbeitszeugnis – aber wann kann es verlangt werden, was sollte drinstehen, was darf auf keinen Fall erwähnt werden? Welche Grundsätze sind zu befolgen, und wie sind manche Formulierungen zu deuten? Nachstehend gibt die D.A.S (Ergo Versicherung AG) einen Überblick.

Arbeitszeugnis nur auf Wunsch

Jeder Arbeitnehmer hat einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Dies gilt in Voll- oder Teilzeitbeschäftigungen, Nebenbeschäftigungen, befristeteten oder unbefristeteten Arbeitsverhältnissen, freiberuflicher oder fest angestellter Tätigkeit, Aushilfstätigkeiten, Praktikanten- oder Probearbeitsverhältnissen sowie Ausbildungsverhältnissen oder Anstellungen als leitender Angestellter.

Ein Arbeitszeugnis muss nur dann erstellt werden, wenn der Arbeitnehmer es verlangt. Bei der Beendigung eines Berufsausbildungsverhältnisses ist der Arbeitgeber jedoch immer verpflichtet, das Zeugnis zu erteilen. Diese können unterschiedlich umfangreich ausfallen. Dies bestimmt sich nach Dauer des Arbeitsverhältnisses und Wunsch des Arbeitnehmers.

Einfaches Zeugnis: Es enthält Ihre persönlichen Daten sowie Art und Dauer der Beschäftigung. Tätigkeiten, die Sie ausgeübt haben, müssen so vollständig und genau beschrieben sein, dass sich künftige Arbeitgeber ein klares Bild machen können. Eine Bewertung Ihrer Leistungen wird jedoch nicht vorgenommen. Der Grund und die Umstände der Beendigung des Arbeitsverhältnisses darf nur auf Ihren Wunsch in das Zeugnis aufgenommen werden.

Tipp: Ein einfaches Zeugnis kann unter Umständen negativ ausgelegt werden. Es kann der Eindruck entstehen, man wolle durch die Wahl des einfachen Zeugnisses eine schlechte Beurteilung durch den Arbeitgeber verhindern. Verlangen Sie daher ein einfaches Zeugnis nur dann, wenn Sie einen einfachen Tätigkeitsnachweis erbringen wollen und das Zeugnis für spätere Bewerbungen nicht von großer Bedeutung ist.

Qualifiziertes Zeugnis: Hierin wird zusätzlich zu den Angaben im einfachen Zeugnis auch Ihre Leistung und Führung beschrieben. Das qualifizierte Zeugnis steht Ihnen schon nach relativ kurzer Beschäftigungsdauer zu, wenn bereits eine grobe Beurteilung Ihrer fachlichen und persönlichen Fähigkeiten möglich ist. Dies ist nach Meinung der Gerichte meist schon nach einigen Wochen der Fall.

Die Rechtsprechung gesteht dem Arbeitnehmer ein Wahlrecht zu. Sie können also zwischen einem einfachen oder qualifizierten Zeugnis wählen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Anspruch auf Erteilung eines Arbeitszeugnisses aber auch verwirkt sein. Sie können sich sehr viele Umstände ersparen, wenn Sie dieses leidige Thema rechtzeitig ansprechen. Auch Korrekturen sind vor Ort leichter durchzusetzen.

Das Arbeitszeugnis steht Ihnen nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes nicht erst am letzten Arbeitstag zu, sondern unmittelbar nach Ihrer Eigen- oder Arbeitgeberkündigung. So können Sie Ihre Bewerbungsunterlagen komplett gestalten. Dieses Zeugnis kann die Überschrift „Vorläufiges Zeugnis“ erhalten. Am letzten Arbeitstag wird es dann vom Schlusszeugnis ersetzt. Liegen keine besonderen Umstände vor, darf das Schlusszeugnis vom vorläufigen Zeugnis nicht negativ abweichen.

Zwischenzeugnis: Ein Zwischenzeugnis Ihres Arbeitgebers können Sie jederzeit verlangen, wenn ein nachvollziehbarer Grund für Ihr Verlangen vorliegt; dann muss der Arbeitgeber Ihnen das Zeugnis unverzüglich erteilen. Ein nachvollziehbarer Grund liegt vor, wenn

• der Ablauf der Probezeit bevorsteht,

• Sie im Betrieb versetzt werden,

• Ihr Vorgesetzter wechselt,

• Sie sich neu bewerben möchten,

• das Zeugnis für eine Fortbildungsmaßnahme erforderlich ist,

• Sie das Ende Ihres Arbeitsverhältnisses aufgrund einer Befristung bereits kennen.

Grundsätze der Zeugniserteilung

Zwar ist Ihr Chef frei in seinem literarischen Bemühen, Ihre Talente und Fähigkeiten künftigen Arbeitgebern zu empfehlen. Die Belange des Arbeitnehmers oder eines Dritten als möglicher neuer Arbeitgeber können jedoch gefährdet sein, wenn der Arbeitnehmer in dem Zeugnis unter- oder überbewertet wird.

Da es in den Gesetzen und Tarifverträgen keine detaillierten Regelungen über Zeugnisinhalte gibt, hat die Rechtsprechung allgemeine Grundsätze entwickelt, welche bei der Zeugniserteilung einzuhalten sind: Grundsatz der Wahrheit, Grundsatz des verständigen Wohlwollens, Grundsatz der Vollständigkeit und Grundsatz der individuellen Beurteilung.

Wahrheit: Das Zeugnis muss wahr sein. Es darf nur Tatsachen enthalten. Bloße Behauptungen, Annahmen oder Verdächtigungen dürfen nicht darin vorkommen.

Verständiges Wohlwollen: Das Zeugnis muss wohlwollend (also freundlich, großzügig) abgefasst sein. Zweck eines Arbeitszeugnisses ist es, das weitere berufliche Fortkommen des Arbeitnehmers nicht zu behindern.

Tipp: Die Grundsätze der Wahrheit und des verständigen Wohlwollens bergen Spannungen, da sie sich im Einzelfall widersprechen können. Insofern ist dem Grundsatz der Wahrheit Vorrang einzuräumen: Wahrheit geht vor Wohlwollen.

Vollständigkeit: Das Zeugnis muss zudem vollständig sein. Es muss alle wesentlichen Tatsachen und Bewertungen enthalten, die für die Gesamtbeurteilung des Arbeitnehmers von Bedeutung sind. Das schließt aus, dass einmalige Vorfälle oder Umstände, die für den Arbeitnehmer, seine Führung und Leistung nicht charakteristisch sind (ob nachteilig oder vorteilhaft) in das Zeugnis aufgenommen werden dürfen.

Individuelle Beurteilung: Durch den Grundsatz der individuellen Beurteilung wird sichergestellt, dass das Zeugnis nicht nur allgemein austauschbare Formulierungen enthält, sondern der Arbeitnehmer aus der Beurteilung erkennbar ist.

Das gehört ins qualifizierte Zeugnis:

• Ihre vollständigen Angaben zur Person,

• die Dauer Ihrer Beschäftigung im Unternehmen,

• die Art Ihrer Tätigkeit im Unternehmen, an der Ihr neuer Arbeitgeber Ihre Verwendungsmöglichkeiten klar erkennen kann. Dabei muss die Beschreibung umso genauer sein, je facettenreicher und verantwortungsvoller die Tätigkeit war.

• Ihren Werdegang im Unternehmen, wenn Sie in verschiedenen Abteilungen tätig waren.

• an welchen Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen Sie teilgenommen haben, wenn diese für Ihre Qualifikation, Leistungsbereitschaft und Leistungswillen bedeutsam sind.

• Ihre Leistung im Arbeitsverhältnis, also die Qualität Ihrer Arbeit.

• Ihr Verhalten im Arbeitsverhältnis; dazu gehört Ihr Benehmen und der Umgang zu anderen Mitarbeitern und Vorgesetzten sowie bei höheren Positionen das Verhalten gegenüber Untergebenen.

Das darf nicht ins qualifizierte Zeugnis:

• wie hoch Ihr Gehalt war,

• Ihre Vorstrafen,

• wie oft Sie abgemahnt wurden,

• wenn Sie suchtkrank sind,

• Ihre Gewerkschafts-, Parteien- und Betriebsratstätigkeit (es sei denn, Sie waren freigestellt und wünschen die Aufzählung Ihrer Aktivitäten),

• Ihre religiösen Aktivitäten, Ehrenämter und Nebentätigkeiten.

Im Zeugnistext darf zudem nichts unterstrichen, kursiv oder fett gedruckt werden. Unzulässig sind auch Ausrufe-, Frage- und Anführungszeichen. Außerdem sind Behauptungen, Unterstellungen und Vermutungen zu unterlassen.

Achtung: Die Auflistung ist nicht absolut gültig. Unter Umständen muss auch hier nach den oben genannten Grundätzen abgewogen werden.

Schlussnote: Da häufig Bewerbungen aus Zeitmangel nur quer gelesen werden, wird der Schlussnote erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt. In der Praxis ist eine besondere Ausdrucksweise üblich, diese ist jedoch für den Arbeitgeber nicht verpflichtend. Die Rechtsprechung hat hinsichtlich der üblichen Ausdrucksweise Bewertungsrichtlinien erstellt, an denen man sich orientieren kann:

• "zur Zufriedenheit" = ausreichenden Leistungen.

• "zur vollen Zufriedenheit" = befriedigende Leistungen.

• "stets zur vollen Zufriedenheit" = gute Leistungen.

• "stets zur vollsten Zufriedenheit" = sehr guten Leistungen.

Die Schlussnote darf mit dem restlichen Zeugnis nicht im Widerspruch stehen. Wird ein Spitzenzeugnis erstellt, muss dieses daher auch eine entsprechende Schlussnote enthalten.

Schlussformel: Wirklich gute Zeugnisse enthalten eine sogenannte Schlussformel, wie beispielsweise "Wir bedauern das Ausscheiden unseres Mitarbeiters und wünschen ihm für die Zukunft viel Erfolg." Der Arbeitgeber ist jedoch nicht verpflichtet, eine solche Schlussformel mit in das Zeugnis aufzunehmen, sie ist also nicht einklagbar.

Tipp: Achten Sie darauf, dass die wesentlichen Punkte aus dem Arbeitsverhältnis im Zeugnis angesprochen sind, diese klar formuliert sind und die Gewichtung der Aspekte das tatsächliche Bild nicht verfälschen. Empfinden Sie Ihr Zeugnis als doppelsinnig formuliert, missverständlich durch Wortwahl oder Satzstellung oder auch falsch akzentuiert, weisen Sie es kurzerhand zurück und halten Sie eigene Formulierungsvorschläge bereit.

Wichtige Vorschriften zum Arbeitszeugnis sind auch die Paragrafen 109 GewO (Gewerbeordnung) Anspruch des Arbeitnehmers auf ein Arbeitszeugnis und 16 (Berufsbildungsgesetz) Anspruch auf Zeugnis von Auszubildenden.


Checkliste für das Arbeitszeugnis

Was im Zeugnis nicht fehlen sollte:

Geschäftsbogen mit Adresse der Firma

Überschrift

Zeugnis, Ausbildungszeugnis, vorläufiges Zeugnis oder Zwischenzeugnis

• Persönliche Daten des Arbeitnehmers

Vor- und Zuname, Geburtsdatum, Titel, Geburtsort nicht erforderlich

• Beschäftigungszeitraum mit Eintritts- und Beendigungsdatum (von … bis …)

Der Beschäftigungszeitraum ist die Dauer des rechtlichen Bestands des Arbeitsverhältnisses. Der Beginn ergibt sich in der Regel aus dem Arbeitsvertrag, das Enddatum fällt auf das Ende der Kündigungsfrist, bei Zeitarbeitsverträgen auf den im Arbeitsvertrag vereinbarten Ablauftag, bei einem Aufhebungsvertrag auf das vereinbarte Auflösungsdatum.

• Positions- und Tätigkeitsbezeichnung

bei Versetzungen, wesentlichen Änderungen des Arbeitsbereichs und Beförderungen unter Umständen mit Zeitabschnitten

• Längere Zeiten der Nichtbeschäftigung

können genannt werden, zum Beispiel bei Erziehungsurlaub oder Ableistung des Wehrdienstes

• Genaue Beschreibung der verschiedenen Aufgaben und Tätigkeiten

Dabei muss die Beschreibung umso genauer sein, je umfangreicher und verantwortungsvoller die Tätigkeit war.

• Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen

wenn diese für die Qualifikation oder die Leistungsbereitschaft bedeutsam sind.

• Leistungsbeurteilung

Fachwissen und Fertigkeiten nach den Kriterien Arbeitsgüte, Arbeitsmenge und Arbeitsbereitschaft (selbständiges Arbeiten, Fleiß, Zuverlässigkeit, Sorgfalt, Verantwortungsbewusstsein, Vertrauenswürdigkeit, Belastbarkeit, Stärken, Erfolge)

• Bewertung des Verhaltens des Arbeitnehmers gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kunden (Freundlichkeit, Zusammenarbeit mit Kollegen und Vorgesetzen); Beurteilung der Führungsqualitäten bei Vorgesetzten.

• Beendigung des Arbeitsverhältnisses

Angabe des Austrittstermins; die Art der Kündigung und der Beendigungsmodalitäten darf nur auf Wunsch des Arbeitnehmers aufgenommen werden.

• Schlusssätze:

Dank für die gute Zusammenarbeit, Bedauern des Ausscheidens und gute Wünsche für die Zukunft. Die Schlussformel ist nicht zwingend, der Arbeitgeber nicht verpflichtet.

• Unterschrift vom Arbeitgeber oder des von ihm Beauftragten

Der Unterschreibende muss ranghöher sein als der Beurteilte.

• Datum

Als Ausstellungsdatum sollte bestenfalls das Datum des Endes des Arbeitsverhältnisses genannt sein, weil ein späteres Ausstellungsdatum als Hinweis auf Streitigkeiten um das Zeugnis verstanden werden könnte. Unter Umständen sollte ein Zeugnis deshalb zurückdatiert werden. dzw (mit Material der Ergo Versicherung)

Ähnliche Beiträge