Adipositas: Übergewichtige auch psychologisch betreuen

Adipositas
16. Februar 2017
Adipositas: Übergewichtige auch psychologisch betreuen
DGIM fordert, Übergewichtige mit Problemen nicht allein zu lassen

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) widmet sich übergewichtigen Menschen und fordert Betroffene mit Adipositas nicht nur medizinisch, sondern auch psychologisch zu betreuen. Warum gerade Letzteres so wichtig ist.

Rund 17 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind stark übergewichtig, vermelden aktuelle Erhebungen des Statistikamts der Europäischen Union. Darauf macht die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) aufmerksam.

Rolle von Adipositas

Adipositas sei ein entscheidender Risikofaktor für die Entstehung weiterer Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bestimmten Krebsarten und Diabetes Typ 2. Laut DGIM sind 80 bis 90 Prozent der Menschen in Deutschland mit Diabetes Typ 2 auch übergewichtig. Unter Adipositas würden Menschen leiden, die einen Body-Maß-Index (BMI) von über 30 aufweisen. Die Ausgaben für sie im deutschen Gesundheitswesen werden auf rund 17 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. In Zukunft werde besonders der Schweregrad des Übergewichts weiter zunehmen.

Gewicht reduzieren schafft Abhilfe

Wie die DGIM weiter mitteilt, schätzt die Europäische Adipositas Gesellschaft (EASO), dass bis zum Jahr 2030 mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Europa und auch in Deutschland adipös sein wird. Dabei könne eine frühzeitige Gewichtsreduktion Abhilfe schaffen und erste Zeichen der Krankheit sogar heilen.


"Das Gesundheitssystem hat damit eine gewaltige Aufgabe zu bewältigen, die voraussetzt, dass die Gesellschaft und die Mediziner starkes Übergewicht als Erkrankung anerkennen und behandeln. Betroffene dürfen nicht sich selbst überlassen sein", sagt Professor Dr. med. Petra-Maria Schumm-Draeger, Vorsitzende der DGIM aus München.



Stark übergewichtige Menschen erkranken nach Angaben der DGIM viel früher an einem Diabetes Typ 2 als Normalgewichtige, die – wenn überhaupt – erst im höheren Alter vermehrt an der Stoffwechselerkrankung leiden. "Wir haben es häufig mit jüngeren übergewichtigen Patienten zu tun, die noch viele Jahre lang mit dem Diabetes zu kämpfen haben", erläutert die Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie.

Psychologischer Beistand notwendig

Das Tückische: Eine erfolgreiche Gewichtsabnahme könne die Manifestation eines Diabetes Typ 2 zwar noch stoppen, häufig sei es damit aber nicht getan. Die Patienten bedürfen einer kontinuierlichen ärztlichen und idealerweise auch psychologischen Begleitung, um nicht in alte Muster und damit zum alten Gewicht zurückzukehren.

Von großer Bedeutung sei für die Patienten, die gleichzeitig unter Diabetes Typ 2 und starkem Übergewicht leiden, daher eine eingehende Schulung und Beratung: "So lernen sie, gesunde kalorien- und mengenbegrenzte Ernährung einerseits und regelmäßige körperliche Aktivität andererseits im Alltag umzusetzen", so Schumm-Draeger.

Ständiger Austausch mit Arzt

Neben der Betreuung durch spezielle Fachkräfte wie Diabetesberater spiele der kontinuierliche Austausch mit dem Arzt eine große Rolle. Entscheidend sei zudem, gemeinsam mit dem Patienten Strategien der Stressbewältigung zu entwickeln. Zudem rät Schumm-Draeger zu modernen Diabetes-Medikamenten wie GLP1-Agonisten, die die Magenentleerung verlangsamen, so dass auch Kohlenhydrate langsamer verdaut werden und der Zucker langsamer aus dem Darm in das Blut übertritt. Fest steht für die Expertin: "Für eine fachkundige medizinische Betreuung müssen wir ausreichend Mittel im Gesundheitswesen bereitstellen, die den Ärzten neben dem Verschreiben von Medikamenten auch gesprächsbasierte Therapien erlauben."

Die Behandlung von Übergewicht müsse schon im frühen Stadium einsetzen, ohne die Erkrankten zu stigmatisieren und alleine zu lassen. dzw

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