Das sind die DZW-Kurzmeldungen der Woche

Die Kurzmeldungen der DZW: In der Dentalwelt ist wieder Einiges passiert.
14. März 2017
Das sind die DZW-Kurzmeldungen der Woche
Zum Urteil des SG Hannover, Telematik und Arzneimittelversorgung

Der März 2017 steht im Zeichen der IDS. Und auch sonst ist die Dentalwelt Deutschlands in ständiger Bewegung. Wir haben das Wichtigste in dieser Woche für Sie zusammengefasst.

Selektivvertrag nicht gleich Selektivvertrag

Die Medienberichte über das Urteil des Sozialgerichts Hannover zur Rechtswidrigkeit von Selektivverträgen (siehe auch DZW 10/2017) haben offensichtlich zu Missverständnissen und Verunsicherung geführt. Das dort angeführte, jetzt rechtskräftige Urteil gilt nur für die auch im Beitrag genannten Einzelverträge eines Anbieters mit Krankenkassen.

Es betrifft definitiv nicht die vom Gesetzgeber gewünschten und geförderten Selektivverträge nach Paragraf 73 Fünftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB V), wie sie nach Paragraf 73c von Kassenzahnärztlichen Vereinigungen mit Krankenkassen für besondere Leistungen oder auch von Unternehmen wie Imex/Indento (Dent-net) und anderen geschlossen worden sind. Ebenfalls nicht davon betroffen sind Verträge nach Paragraf 140 SGB V zu sogenannten integrierten Versorgungsformen (i.V.), wie sie auch von einigen Anbietern und Netzwerken für den zahnärztlichen Bereich geschlossen worden sind. Diese Verträge sind nach jetzigem Stand des Rechts und der Rechtsprechung rechtskonform.

KVWL: Zeitplan für Telematik nicht einzuhalten

 

Die Kassenärzte in Westfalen-Lippe halten den vom Gesetzgeber mit dem E-Health-Gesetz vorgegebenen Zeitplan für die Einführung der Gesundheitstelematik in allen Arztpraxen für unrealistisch. Das berichtet der „Ärztenachrichtendienst (Änd)“ von der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. „Die bisherigen Installationen zeigten pro Praxis einen Zeitaufwand von sechs Stunden. Mit An- und Abfahrt sei man schnell bei einem Personentag. ‚Ein Techniker wäre dann 400 Jahre beschäftigt, Samstagsarbeit eingeschlossen‘, rechnete Vorstandsmitglied Thomas Müller vor. In den Praxen würden 140.000 Ausfalltage produziert. An Bundesgesundheitsminister Gröhe richtete der KVWL-Vorstand den Appell, die geplanten Fristen zur IT-Ausstattung zu verlängern“, heißt es im Bericht des „Änd“.

Neues Gesetz zur Arzneimittelversorgung

 

 

Der Bundestag hat am 9. März 2017 das "Gesetz zur Stärkung der Arzneimittelversorgung" beschlossen, das in wesentlichen Teilen schon im April 2017 in Kraft treten soll. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe:  (CDU) erklärte: "Wir sorgen dafür, dass sich Patientinnen und Patienten auch in Zukunft auf eine hochwertige und bezahlbare Arzneimittelversorgung verlassen können. Das Gesetz leistet einen wichtigen Beitrag dazu, dass Arzneimittel mit einem Mehrnutzen schnell den Weg in die Versorgung finden, Antibiotika-Resistenzen und Lieferengpässe bekämpft werden und die Arzneimittelversorgung von Krebskranken weiter verbessert wird."

 

Die DZW auf der IDS

Am 21. März 2017 öffnet die Internationale Dental-Schau in Köln ihre Tore – und auch die DZW ist – wie der Zahnärztliche Fach-Verlag und die anderen Dr.-Hinz-Unternehmen dabei. Wir werden aktuell und schnell auf dzw.de und Facebook berichten – und wir sind vor Ort und laden alle Leser herzlich an unseren Stand ein. Kommen Sie am Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 12 bis 14 Uhr zur „Chefsprechstunde“ mit DZW-Chefredakteurin Dr. Marion Marschall, am Donnerstag zum Jubiläumsnachmittag mit YoungStarZone-Party oder am Freitag zum ladies dental talk. Machen Sie mit beim großen Jubiläums-Gewinnspiel, holen Sie sich aktuelle Informationen und Wissen für das ganze Team – in Halle 11.2, Stand N 48/O 49. Mehr zum Programm auch auf dzw.de.

 

 


Handlungsbedarf wegen Lieferengpässen bei Arzneimitteln

Bei wichtigen Medikamenten, so bei Zytostatika, aber auch bei Antibiotika und anderen häufig eingesetzten Medikamenten gibt es derzeit Lieferschwierigkeiten – unter anderem, weil die Rohstoffe für viele Präparate heute auch aus Kostengründen fast ausschließlich in Asien, vor allem in China und Indien, hergestellt werden, und Produktionsprobleme dort zu globalen Engpässen führen.

Dr. Susanne Johna, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer, fordert die Bundesregierung jetzt zum Handeln auf: "Wenn wir die Versorgung mit überlebenswichtigen Medikamenten wie Antibiotika oder Krebsmitteln sicherstellen wollen, brauchen wir ein verpflichtendes Register und spürbare Sanktionen bei Nichtmeldung", so Johna. Es reiche nicht aus, dass Pharmaunternehmen Lieferengpässe auf freiwilliger Basis melden. Es müssten auch bereits drohende Versorgungsengpässe gemeldet werden.

Selbstverständlich müssten für Medikamente auch faire Preise bezahlt werden. „Rabattverträge dürfen das Preisniveau nicht so tief drücken, dass sich die Produktion nicht mehr lohnt oder sich auf wenige Hersteller in China oder Indien konzentriert“, so die Ärztin.

Auch müssten die zuständigen Behörden mehr Kompetenzen erhalten und zum Beispiel Pharmaunternehmen und Großhändlern Maßnahmen vorschreiben können, die die Verfügbarkeit wichtiger Medikamente sicherstellen. "Dazu gehört auch der Aufbau von strategischen Reserven von zu definierenden wichtigen Medikamenten", so Johna.

HIV, HBV, HCV: Erklärvideo für die Praxis

Die Behandlung von Patienten mit HIV oder Erkrankung durch Hepatitis-B- oder C-Viren ist heute in Zahnarztpraxen für alle Beteiligten sicher möglich. Dennoch gibt es dazu auch beim Praxisteam immer wieder Fragen im Alltag. Bundeszahnärztekammer und Deutsche Aids-Hilfe haben gemeinsam zusätzlich zur neuen Broschüre "Keine Angst vor HIV, HBV und HCV" jetzt auch ein Erklärvideo für Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) auf Youtube eingestellt. Damit sollen unbegründete Infektionsängste abgebaut werden und eine professionelle und diskriminierungsfreie Versorgung von Menschen mit Infektionserkrankungen wie HIV, HBV und HCV sichergestellt werden, heißt es. Weitere Informationen im Internet unter bzaek.de.

Ausgaben für Zahnersatz rückläufig

Die Gesamtreserve in der Gesetzlichen Krankenversicherung betrug nach dem vorläufigen Finanzergebnis Ende 2016 25 Milliarden Euro. Davon entfallen auf die Krankenkassen mehr als 19,5 Milliarden Euro, sie erzielten 2016 einen Überschuss von rund 1,38 Milliarden Euro. Wie das Bundesgesundheitsministerium zu den Zahlen mitteilte, sei der Anstieg der Ausgaben je Versicherten von 3,3 Prozent so niedrig wie seit 2012 nicht mehr.

Die Ausgaben für zahnärztliche Leistungen ohne Zahnersatz stiegen je Versicherten um 3,1 Prozent, insgesamt (inklusive Zuzahlungen der Patienten) um 408 Millionen Euro. Die Ausgaben für Zahnersatz waren je Versicherten um 1,3 Prozent niedriger, insgesamt gaben die Kassen (inklusive Zuzahlungen der Patienten) 2016 für Zahnersatz elf Millionen Euro weniger aus als 2015. Damit machten 2016 die Ausgaben für die zahnärztliche Behandlung 5 Prozent und für Zahnersatz 1 Prozent der Gesamtausgaben der GKV in Höhe von 222,77 Milliarden Euro aus.

WHO veröffentlicht globale Liste resistenter Bakterien

Auf Initiative des deutschen Bundesgesundheitsministeriums veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Ende Februar die erste globale Liste resistenter bakterieller Erreger, die derzeit die größte Bedrohung für die menschliche Gesundheit darstellen. Die Liste dient als Orientierung für die Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika – ein Punkt des Globalen Aktionsplans der WHO zur Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe: „Wir brauchen heute und in Zukunft wirksame Antibiotika, um übertragbare Krankheiten gut behandeln zu können. Mit der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie gehen wir im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen voran. International haben wir das Thema auch beim Treffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer auf die Agenda gesetzt und unterstützen die Umsetzung des Globalen Aktionsplans der WHO. Denn Krankheiten und resistente Erreger kennen keine Grenzen – sie müssen global bekämpft werden. Die heute veröffentlichte Liste mit den besonders bedrohlichen Erregern ist eine wichtige Grundlage für die gemeinsamen Anstrengungen gegen internationale Gesundheitsgefahren.“ Mehr Informationen gibt es auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums.

 


 

Das waren die wichtigsten Kurzmeldungen im Februar

 

Gerlach und Wille Vorsitzende des Sachverständigenrats

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat Professor Dr. Ferdinand Gerlach zum Vorsitzenden des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen sowie Professor Dr. Eberhard Wille zu seinem Stellvertreter ernannt. Gröhe betont, er  freue sich, Gerlach und Wille nach ihrer geheimen Wahl durch den Rat erneut zu berufen. "Sie haben sich in den letzten Jahren an der Spitze des Sachverständigenrats hervorragend bewährt. Die wissenschaftlichen Untersuchungen dieses unabhängigen Gremiums enthalten wichtige Anregungen für die gesundheitspolitische Arbeit von Regierung und Parlament."

Der Sachverständigenrat besteht aus sieben Mitgliedern, die medizinische, gesundheitsökonomische und pflegewissenschaftliche Expertise vereinen. Er ist seit 1987 tätig und wird alle vier Jahre neu berufen. Der Sachverständigenrat soll die Entwicklung der gesundheitlichen Versorgung und ihre medizinischen und wirtschaftlichen Auswirkungen untersuchen sowie Vorschläge für den Abbau von Versorgungsengpässen und bestehende Überversorgung ausarbeiten. Hierzu legt er in der Regel alle zwei Jahre ein Gutachten vor.

 

Mehr angestellte Zahnärzte

10.142 Zahnärzte sind in Deutschland bei Vertragszahnärzten angestellt (Ende II. Quartal 2016). Insbesondere Berufsanfänger haben dabei in den vergangenen Jahren verstärkt ein Angestelltenverhältnis gewählt (Quelle: Jahrbuch 2016 der KZBV).

 

Grippewelle rollt in die Arztpraxen

Die Grippekurve liegt aktuell deutlich über der Vorjahrssaison, auch die Zahl der grippalen Infekte ist aktuell hoch. Das Robert-Koch-Institut verzeichnet in seinen Berichten auf "GrippeWeb" einen deutlichen Anstieg der akuten Atemwegswerkrankungen und der echten Influenza seit Kalenderwoche 5/17, die Zahlen liegen auch höher als für die Grippesaison 2015/2016. Betroffen sind vor allem der Süden und Osten Deutschlands. Es wurden bundesweit 14.242 bestätigte Fälle von Influenza an das RKI übermittelt.  "Das ist der höchste Wert seit zwei Jahren", so die "Ärzte Zeitung", die niedergelassene Ärzte und Notfallaufnahmen der Krankenhäuser zur Grippewelle befragte. Viele Ärzte beobachteten danach besonders langwierige Infekte.

Laut RKI dominieren Influenza-A-Viren mit dem Subtyp A(H3N2), die vor allem bei alten Menschen schwere Krankheitsverläufe hervorrufen können. Die Impfrate gegen Grippe ist allerdings vor allem bei älteren Menschen gesunken, wie das RKI Ende Januar mitteilte.

 

Sylter Woche vom 29. Mai bis 2. Juni 2017

Die Sylter Woche, der Fortbildungskongress der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein in Sylt/Westerland, jährt sich in diesem Jahr zum 59. Mal. Er findet in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie vom 29. Mai bis 2. Juni 2017 2016 statt. Zum Programm gehört auch ein zweitägiger spezifischer Vortrags- und Seminarteil für Zahnmedizinische Fachangestellte.

Zum Tagungsthema "Verschlungene Pfade – Endodontie von A – Z!" werden 20 Referenten aus dem In- und Ausland in Vorträgen und Seminaren ihre Konzepte präsentieren.

Den – traditionell fachfremden – Eröffnungsvortrag am 29. Mai 2017 wird Professor Dr. Sebastian Krastel, Kiel, halten. Der Professor für Marine Geophysik und Hydroakustik  am Institut für Geowissenschaft der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel referiert zum Thema: "Abenteuer Forschungsschiff". Zum Abschluss der Tagung am Freitag, 2. Juni 2017, wird erneut der "Dental Golf Cup 2017", ein Charity-Golfturnier zugunsten der Sylter Organisation "Familien in Not", durchgeführt. Information und Online-Buchung unter sylterwoche.de.

 

Dr. Johannes Schenkel ärztlicher Leiter der UPD

Seit dem 1. Februar 2017 übernimmt Dr. med. Johannes Schenkel die ärztliche Leitung der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). In seiner neuen Funktion verantwortet Johannes Schenkel die Qualitätssicherung der medizinische Beratung und berichtet direkt an den Geschäftsführer der UPD, Thorben Krumwiede.

Johannes Schenkel kommt von der Bundesärztekammer, wo er seit 2009 als Referent für Telemedizin tätig war. In dieser Zeit absolvierte er außerdem eine Weiterbildung im ärztlichen Qualitätsmanagement. Davor arbeitete er nach seiner Ausbildung zum Facharzt für Neurologie und einem Masterstudium in Public Health als Oberarzt im Städtischen Klinikum München. Der Mediziner bringt außerdem Erfahrungen aus dem Bereich der klinischen Studien mit und veröffentlichte zahlreiche Publikationen.