KZBV an die Kassen: Versorgungsverbesserungen bei Parodontitis mittragen

Dr. Wolfgang Eßer: „Im Bewusstsein der Menschen handelt es sich fälschlicherweise um eine Bagatellerkrankung. Dagegen hilft nur mehr Prävention, mehr Aufklärung, mehr sprechende Zahnmedizin – finanziert durch die Kassen.“
27. April 2017
KZBV an die Kassen: Versorgungsverbesserungen bei Parodontitis mittragen
Forderung der KZBV an Kassen und Politik zum Zahnreport 2017

Anlässlich der Veröffentlichung des Barmer Zahnreports 2017 mit dem Schwerpunktthema Parodontitis sagte Dr. Wolfgang Eßer, Vorstandsvorsitzender der KZBV: „Parodontale Erkrankungen sind immer noch der Hauptgrund für Zahnverluste bei Erwachsenen. Die Defizite eines GKV-Leistungskatalogs auf 70’er-Jahre-Niveau sind also offenkundig.“

Daher sollten die Kassen, so Eßer, „unsere Vorschläge für konkrete Versorgungsverbesserungen im Interesse der Patienten mittragen, besonders im Gemeinsamen Bundesausschuss. Parodontitis kann durch regelmäßige Prophylaxe und mundgesundes Verhalten in den meisten Fällen vermieden werden. Ich fordere daher Politik und Kostenträger auf, die Zahnärzteschaft beim präventionsorientierten Turnaround in der Parodontitistherapie zu unterstützen, der bei der Karies-Bekämpfung ja schon gelungen ist.“

Zahnreport 2017
Der Zahnreport 2017 beschreibt die Therapie der „Volkskrankheit“ Parodontitis im Versorgungsalltag von Zahnärzten. Mit den Ergebnissen der Studie soll auf Verbesserungspotenziale hingewiesen werden. Im Zahnreport 2017 zeige eine erstmalige Verknüpfung medizinischer und zahnmedizinischer Abrechnungsdaten die Bedeutung von Diabetes für die Parodontitis-Therapie. Das PDF des Zahnreports 2017 ist auf barmer.de einsehbar.

Bedeutung der Volkskrankheit Parodontitis wird noch immer unterschätzt

Die Bedeutung der zunächst schmerzlosen Volkskrankheit ihre Zusammenhänge mit Diabetes, Pneumonien, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Frühgeburten werde unterschätzt. „Im Bewusstsein der Menschen handelt es sich fälschlicherweise um eine Bagatellerkrankung. Dagegen hilft nur mehr Prävention, mehr Aufklärung, mehr sprechende Zahnmedizin – finanziert durch die Kassen“, so Eßer.

„Bausteine einer präventionsbasierten Versorgungsstrecke fehlen“

„Der Leistungskatalog ist mit Blick auf Prävention und Nachsorge unvollständig, veraltet und entspricht längst nicht mehr dem Stand der Wissenschaft. Wesentliche Bausteine einer präventionsbasierten Versorgungsstrecke fehlen.

Hierzu zählen die Möglichkeiten des Zahnarztes zur individuellen Aufklärung, Motivation und Remotivation der Patienten, regelmäßige Verlaufskontrollen im Sinne einer qualitätsgesicherten Evaluation sowie ein strukturiertes Nachsorgeprogramm im Sinne der Unterstützenden Parodontitistherapie.“

Neues Versorgungskonzept zur Parodontitistherapie kommt

Eßer kündigte ein umfassendes Versorgungskonzept zur Parodontitistherapie unter Federführung der KZBV an, das zeitnah veröffentlicht werden soll. „Dann wird sich zeigen, ob die Kassen darin enthaltene, substanzielle Versorgungsverbesserungen mittragen oder aus Kostengründen blockieren.“

Zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DG Paro) und unter Beteiligung der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) hinterfrage das Konzept die bisher in der G-BA-Behandlungsrichtlinie und die im Einheitlichen Bewertungsmaßstab für zahnärztliche Leistungen (Bema) abgebildete Therapiestrecke. Geprüft wird insbesondere die Einbindung von Präventionskonzepten einschließlich der UPT in den Leistungskatalog.


Daten und Fakten zum Thema Parodontitis

Insgesamt nimmt die Zahl der Menschen mit Parodontalerkrankungen in Deutschland ab. Das geht aus der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) hervor. So hat sich die Prävalenz schwerer Parodontalerkrankungen bei jüngeren Erwachsenen (35- bis 44-Jährige) seit 2005 praktisch halbiert. Auch bei jüngeren Senioren (65- bis 74-Jährige) gibt es einen rückläufigen Trend bei Parodontitis trotz mehr erhaltener Zähne. Gleichzeitig steigt der tatsächliche Behandlungsbedarf aufgrund der demografischen Entwicklung und der damit einhergehenden Morbiditätskompression in Zukunft prognostisch an. Bereits jetzt ist jeder zweite jüngere Erwachsene (52 Prozent) von einer parodontalen Erkrankung betroffen: 43 Prozent weisen eine moderate und rund jeder Zwölfte eine schwere Parodontitis auf.

 

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