Zahnreport zur Paro: Am Ende zu kurz gesprungen

03. Mai 2017
Zahnreport zur Paro: Am Ende zu kurz gesprungen
Der Kommentar von Dr. Marion Marschall zum Zahnreport der Barmer

Diesmal also die Paro: Für die Auswertung ihres jährlichen Zahnreports hat sich die Barmer ein auch versorgungspolitisch hoch aktuelles Thema der vertragszahnärztlichen Versorgung vorgeknöpft. Die wichtigsten Ergebnisse der fachlichen Analyse kommen dabei angesichts der intensiven Diskussionen in Zahnärzteschaft und Wissenschaft über die Parodontitis in allen Facetten nicht überraschend.

So ist auch die Reaktion der KZBV, die das Thema Neubeschreibung der PAR-Therapie im Bema ja schon seit Jahren intensiv und vor allem innerhalb des Berufsstands durchaus erfolgreich vorantreibt, entsprechend und treffend. Der Problembefund ist klar – jetzt gilt es, die Lösungen klar zu beschreiben und umzusetzen, und da müssen Politik und Kassen Farbe bekennen. Spätestens, wenn das angekündigte gemeinsame PAR-Konzept der Zahnärzteschaft vorliegt.

Die Zahnärzteschaft und die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen müssen sich allerdings schon der Frage stellen, warum die ja von den Kassen alle zwei Jahre bezahlte Parodontaldiagnostik mit dem Parodontalen Screening-Index noch lange nicht im auch medizinisch gebotenen Umfang systematisch erbracht wird, wie auch die DG Paro jüngst in der Ankündigung zum Europäischen Tag der Parodontologie am 12. Mai feststellte. Zum anderen bleibt die auch an die Zahnärzte zu richtende Frage, warum doch offensichtlich – auch von der zahnmedizinischen Wissenschaft so gesehen – Parodontitiden zu selten und zu spät einer systematischen Therapie zugeführt werden.

„Aber am Ende reicht der reine Appell zur Verhaltungsänderung für eine wirkliche Verbesserung der Situation für die betroffenen Menschen nicht aus.“

Dr. Marion Marschal, DZW-Chefredakteurin

Ein Hemmschuh ist dabei natürlich die in Inhalt und Vergütung nicht mehr zeitgemäße und von den Patienten in der Vorbereitung und vor allem Nachsorge allein zu finanzierende Behandlung. Auf der anderen Seite ist in anderen Versorgungsbereichen zu erkennen, dass Patienten bei entsprechender Aufklärung und Beratung durchaus bereit sind, finanzielle Eigenanteile zu leisten – von der Professionellen Zahnreinigung bis zur implantatgetragenen Prothetik. Da könnten die Zahnärzte durch Aufklärung und Beratung die Sensibilität und Behandlungsbereitschaft der Patienten in der Paro durchaus noch steigern.

Wie wichtig auch aus allgemeinmedizinischen Gründen die regelmäßige Diagnostik und frühzeitige Par-Therapie sind, zeigt der Report ja auch anhand der Verbindungen zwischen Diabetes-Erkrankungen und PAR-Behandlungserfolg.

Hier ist jede Unterstützung in der Information und Aufklärung der Bevölkerung über Zahnfleisch- und Zahnbetterkrankungen wichtig und willkommen – daher möge die Barmer ihre jetzt anlässlich der Report-Präsentation geäußerten Appelle also gerne und so oft wie möglich wiederholen, die Datenbasis dazu hat sie ja. Aber am Ende reicht der reine Appell zur Verhaltungsänderung für eine wirkliche Verbesserung der Situation für die betroffenen Menschen nicht aus – da springt die Barmer (erwartungsgemäß) zu kurz. Wenn die Parodontitis auch aus Sicht der Kassen eine ernst zu nehmende Volkskrankheit ist – und das wird auch dort keiner mehr bestreiten wollen –, dann muss die Therapie adäquat honoriert werden und müssen die an dieser chronischen Erkrankung leidenden Patienten für die erforderlichen zahnmedizinischen Leistungen auch entsprechende finanzielle Unterstützung aus den Kassentöpfen erhalten. Aus denen wird unter dem Stichwort „Prävention“ ja vieles bezahlt, über dessen echten medizinischen Nutzen man trefflich streiten könnte.

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