Zahnklinik in Afghanistan: Hilfsorganisation zieht Bilanz

Studenten aus Afghanistan
17. Mai 2017
Zahnklinik in Afghanistan: Hilfsorganisation zieht Bilanz
Behandlungen unter "relativ sicheren" Bedingungen

In Afghanistan ist die Sicherheitslage für die Bevölkerung gefährlich. Dennoch wurde dort von einem christlichen Hilfswerk vor einem Jahr eine Zahnklinik eröffnet. Nun zieht die Organisation Bilanz.

Vor einiger Zeit hat die DZW über eine Neueröffnung einer Zahnklinik in Afghanistan gesprochen. In Herat, nahe der iranischen Grenze gelegen, hat sich ein christliches Hilfswerk aus Deutschland für den Bau der Klinik eingesetzt.

Sicherheitslage "relativ sicher"

Schon damals hat ein Sprecher gegenüber der DZW angegeben, dass die Situation sowohl für die Mitarbeiter des Hilfswerks als auch für das Klinikpersonal relativ sicher sei. Schon vor rund zwei Jahren sei man sich vom Hilfswerk bewusst gewesen, dass Afghanistan kein Urlaubsland ist und die Lage sehr bedrohlich oder im schlimmsten Fall tödlich sein kann. Doch bislang sei nichts Bedrohliches passiert, da sowohl Mitarbeiter des Hilfswerks als auch Zahnärzte aus Deutschland und anderen europäischen Ländern bei Gastfamilien in Herat untergebracht sind. Nun hat die Organisation mit dem Namen "Shelter Now" in einer Pressemitteilung über das Jahr 2016 berichtet. Laut Angaben des Hilfswerks war das Jahr für die Zahnklinik ein voller Erfolg. Wie ein weiterer Sprecher gegenüber der DZW berichtet, wurden nicht nur viele Patienten behandelt.

(Zahn)medizin-Studium nur rein theoretisch

In Zusammenarbeit mit der Universität in Herat haben afghanische Zahnmedizin-Studenten eine praktische Ausbildung erhalten. Darüber hinaus hat "Shelter Now" laut eigenen Angaben den Lehrenden sowie dem Klinikpersonal Fortbildungen ermöglicht. Bislang praktizieren in Afghanistan statistisch weniger als 0,5 Zahnärzte für 10.000 Einwohner. Grund dafür sei auch die Ausbildung von Zahnmedizin-Studenten in dem Land. "Das Medizin- und Zahnmedizin-Studium in Afghanistan ist eine rein theoretische Ausbildung. Zum Ende des Studiums haben die Studenten noch nie einen Patienten behandelt. Deshalb ist die praktische Ausbildung dort ungemein wichtig", wie der Sprecher gegenüber der DZW erläutert.

Das Herzstück der neuen Einrichtung ist das Schulzahnarzt-Programm. Ähnlich wie in Europa seit Jahrzehnten üblich werden Schüler untersucht, behandelt und in Mundhygiene ausgebildet. Wie "Shelter Now" weiter berichtet, wurden mehr als 5.000 Erwachsene statt der geplanten 3.000 überwiegend kostenlos zahnmedizinisch behandelt. Die Behandlung habe sich vor allem auf Frauen und Kinder mit Behinderungen, Waisen oder Straßenkinder konzentriert, die sonst keine Chance auf eine Zahnbehandlung gehabt hätten.  

Aus- und Weiterbildungen im Fokus

Darüber hinaus wurden 2016 fast 6.000 statt der geplanten 4.000 Schulkinder untersucht, in Mundhygiene unterrichtet und bei Bedarf (ca. 2/3 der Kinder) kostenlos behandelt. Auch insgesamt 75 Studenten konnte eine praktische Ausbildung gegeben werden. 2017 möchte die christliche Hilfsorganisation besonderes Augenmerk auf die Fortbildung der Dozenten und Mitarbeiter legen. "Die Aus- und Fortbildungen basieren auf dem europäischen Standard", so der Sprecher gegenüber der DZW. Unklar ist bislang, ob Zahnmedizin-Studenten aus Deutschland zur Famulatur nach Herat kommen können. Bislang sei dies noch nicht geplant. cle/dzw

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