DGZMK: Mehr Wissenschaft für die Öffentlichkeit

17. Mai 2017
DGZMK: Mehr Wissenschaft für die Öffentlichkeit
Kommentar

Wie ist eigentlich der wissenschaftliche Stand der Zahnmedizin? Womit wird sich gegenwärtig beschäftigt? Und warum ist die Öffentlichkeit nicht so stark daran interessiert? Ein Kommentar von DZW-Chefredakteurin Dr. Marion Marschall.

Das war eine geballte und durchaus gut aufbereitete Ladung zahnmedizinische Wissenschaft für die breite Öffentlichkeit, die auf der Pressekonferenz der DGZMK am Donnerstag vergangener Woche in Berlin im renommierten Haus der Bundespressekonferenz am Schiffbauerdamm vorgestellt wurde. Das Thema hatte es prinzipiell auch in sich: "Metalle im Mund". Schade, dass – wohl auch wegen der kurzfristig anberaumten Vor-Pressekonferenz der Bundesärztekammer zum Deutschen Ärztetag zur selben Zeit – nur wenige nicht aus den einschlägigen Fachmedien stammende Journalisten gekommen waren.

Aktuelles vom Stand der zahnmedizinischen Wissenschaft

Ziel sei es, die Öffentlichkeit intensiver über den aktuellen Stand der zahnmedizinischen Wissenschaft zu informieren und den Patienten wissenschaftliche gesicherte Informationen zu dem anzubieten, was in den Zahnarztpraxen an Therapien und Leistungen angeboten werde, hieß es. Dieser Pressekonferenz sollten daher weitere ähnliche Veranstaltungen folgen. Die Idee: "Mehr Wissenschaft für die Öffentlichkeit" – so, wie es viele medizinische Fachgesellschaften zu ihren großen Kongressen oder aus anderen Anlässen mit für den Laien aufbereiteten wissenschaftlichen Statements tun.

Die Fachreferate der Experten hielten dieses Versprechen ein – am Ende waren es dann aber doch vermutlich zu viele Informationen und Botschaften, die hier zum Thema "Metalle im Mund" transportiert werden sollten. In der Konzentration auf einzelne, bei den Patienten besonders gefragte Themen (Implantate, Zahnersatz) mit den von den Referenten gemachten klaren Aussagen zur Orientierung wäre vielleicht mehr Wirkung zu erzielen gewesen. Das Thema „Amalgam“ scheint in den Praxen ohnehin weitgehend "durch" zu sein. Die wichtigen Aussagen zum Beispiel zum Thema Zukunft der Füllungstherapie, Prävention, Zucker hätten durchaus mehr Betonung verdient – oder auch zur bei vielen Patienten noch immer unbekannten nötigen Mundhygiene und Pflege von Implantaten.

Wahrnehmung von medizinischen Themen

Medizinische Themen, insbesondere zahnmedizinische, bei denen es nicht um Spektakuläres, um unterstellten Pfusch oder ums Geld geht, habe es ohnehin nicht leicht, wahrgenommen zu werden, wenn dahinter keine starke Lobbyarbeit betrieben wird. Diese Erfahrung haben vor allem die zahnärztlichen Organisationen immer wieder machen müssen. Fazit: Insgesamt eine gute Idee, deren Umsetzung aber noch intensivere Nacharbeit brauchen wird, um die gewünschte Wirkung zu entfalten. Da ist durchaus auch Experimentierfreude gefragt. Sicher ist auch, dass diese Form der Aufklärung nicht in der ganzen Zahnärzteschaft immer auf Gegenliebe und Zustimmung stoßen wird – steckt doch in vielen zahnmedizinischen und zahntechnischen Neuerungen nicht nur medizinisches, sondern auch honorarmäßiges Potenzial.

Der Weg zur klinischen und wissenschaftlichen Bewährung ist eben lang und mühsam – und vieles von dem, was da noch nicht leitlinienfähig bewertet werden kann, ist deswegen nicht gleich zu verdammen. Wer sich aktuell fachlich informiert und kritisch auswählt, was er seinen Patienten anbietet, und diese entsprechend umfassend über Vorteile, mögliche Risiken und Kosten aufklärt, dürfte immer auf der sicheren Seite sein. Alles, was dazu beiträgt, Patienten seriös fachlich zu informieren, zu mehr Mundgesundheitsbewusstsein und Aufmerksamkeit zu führen, ein Gegengewicht zu „Dr. Google“ zu schaffen, kann am Ende der zahnärztlichen Praxis nur willkommen sein.