ZahnMedizin kompakt

Periimplantitis und Hardware

Einfluss von Material, Design und Oberfläche

Hybridabutmentkronen
Dr. Kay Vietor

Mit Hybridabutmentkronen, hier aus Lithiumdisilikat, lässt sich das Durchtrittsprofil weichgewebs- und zugleich hygienefreundlich gestalten.

Sind Mundhygiene und individuelle Risikofaktoren entscheidend? Oder eher Implantat, Abutment und Prothetik? Für stabile periimplantäre Gewebe dürften alle Faktoren relevant sein – neben einer geeigneten Behandlungsmethode. Aktuelle Daten zum Thema Hardware diskutiert die folgende Kurzübersicht.

Der erste Schritt ist immer eine gute Anamnese und Diagnostik: Wird eine Implantatversorgung bei meinem Patienten erfolgreich sein oder ist das Risiko zu hoch? Zentraler Faktor für Mukositis ist nach aktuellem Forschungsstand der Biofilm [1]. Für Periimplantitis wurden Parodontitis, ebenfalls Biofilm (schlechte Mundhygiene) und fehlendes Recall identifiziert (Systematisches Review Schwarz F und Derks J, wird demnächst publiziert, Vorab-Information auf DGI-Pressekonferenz, 2017). Zu zahlreichen weiteren Faktoren, darunter Weichgewebsdimensionen und Einfluss der Behandlungsmethode, gibt es noch keinen Konsens.

Implantate

Unklar ist auch, wie das ideale Implantatmaterial und die optimale Oberfläche aussehen könnten. Implantate aus Zirkonoxid, das im Weichgewebsbereich als besonders biokompatibel gilt, haben schlechtere Überlebensraten als das zuletzt umstrittene Titan [2]. In Bezug auf Oberflächen deuten Studien darauf hin, dass „hybride“ Implantate – mit koronal maschinierten Anteilen – beginnenden Knochenabbau besser limitieren [3, 4]. Dass sich solche Oberflächen leichter reinigen lassen, könnte vor allem für Patienten mit erhöhtem Periimplantitis-Risiko relevant sein.

 

Hygiene
Dr. Kay Vietor

Um eine gute häusliche und professionelle Hygiene zu ermöglichen, ist unbedingt auf ein physiologisches Design von Abutments oder Abutmentkronen zu achten.    

Abutment und Verbindung

Der Durchtritt des Implantats und – bei zweiteiligen Implantaten – des Abutments durch das Weichgewebe ist der „wunde“ Bereich. Dabei handelt es sich, noch stärker als bei Zähnen, um eine Schnittstelle zwischen weitgehend sterilem Körperinnerem und mikrobiologisch besiedelter oraler Außenfläche. Materialbezogen scheint hier Zirkonoxid Vorteile zu bringen [5]. Für das Makro-Design von Abutments und die oberflächliche Mikrostruktur wurden dagegen keine Unterschiede festgestellt.
Werden zweiteilige Implantate verwendet, scheint eine konische Innenverbindung mit Platform-Switching günstig [6]. Das gilt aber nur, wenn die Schulter auf oder leicht unter Knochenniveau positioniert wird (abhängig von Implantatsystem und Anatomie) [7]. Um Infektion und nachfolgenden Knochenabbau zu verhindern, scheint ein Abstand von mindestens zwei Millimetern vom Knochen zum mukosalen Rand der Prothetik sinnvoll [8, 9].

Gewebevolumen und Prävention

Weiterhin sollten die umgebenden Gewebe ausreichende Knochen- und Weichgewebsvolumina [10,11] aufweisen. Auch sollten die Gewebe gesund und gut durchblutet sein. Nur so kann verhindert werden, dass pathogene Mikroorganismen in Richtung Knochen vordringen. Um eine gute häusliche und professionelle Hygiene zu ermöglichen, ist unbedingt auf ein physiologisches Design von Abutments oder Abutmentkronen zu achten [12].

Implantatprothetik

Natürlich müssen neben den sub- und transgingivalen Implantatkomponenten auch die implantatgetragenen Versorgungen beachtet werden. Zum Beispiel erwies sich in einer klinischen Studie eine Austrittswinkel von über 30 Grad, im Sinne einer Überkonturierung, als Risikofaktor für Periimplantitis [13]. Dabei könnte auch die Entfernbarkeit von Zement eine Rolle spielen [14].

Fazit

Diese kleine Übersicht kann nur Schlaglichter auf ein hoch komplexes Thema werfen. Neben patienten- und methodenbezogenen Faktoren spielen das Design, das Material und die Oberflächen der Bauteile und Restaurationen eine wichtige Rolle. Für die entsprechende Gestaltung und Verarbeitung sind auch Zahntechniker gefragt. Nur durch gute Teamarbeit können dem gemeinsamen Patienten häusliche Hygienemaßnahmen erleichtert werden.


Hinweis

Beiträge in der Rubrik ZahnMedizin kompakt können in keinem Fall die klinische Einschätzung des Lesers ersetzen. Sie sind keine Behandlungsempfehlung, sondern sollen – auf der Basis aktueller Literatur – die eigenverantwortliche Entscheidungsfindung unterstützen.


Literatur

[1] Renvert S, Polyzois I. Risk indicators for peri-implant mucositis: a systematic literature review. Journal of Clinical Periodontology 2015;42:S172-S186.
[2] Elnayef B, Lazaro A, Suarez-Lopez Del Amo F, Galindo-Moreno P, Wang HL, Gargallo-Albiol J, et al. Zirconia Implants as an Alternative to Titanium: A Systematic Review and Meta-Analysis. Int J Oral Maxillofac Implants 2017;32:e125-e134.
[3] Spinato S, Bernardello F, Sassatelli P, Zaffe D. Hybrid Implants in Healthy and Periodontally Compromised Patients: A Preliminary Clinical and Radiographic Study. Int J Periodontics Restorative Dent 2017;37:195-202.
[4] Carcuac O, Derks J, Charalampakis G, Abrahamsson I, Wennstrom J, Berglundh T. Adjunctive Systemic and Local Antimicrobial Therapy in the Surgical Treatment of Periimplantitis: A Randomized Controlled Clinical Trial. J Dent Res 2016;95:50-57.
[5] Sanz-Martin I, Sanz-Sanchez I, Carrillo de Albornoz A, Figuero E, Sanz M. Effects of modified abutment characteristics on peri-implant soft tissue health: A systematic review and meta-analysis. Clin Oral Implants Res 2018;29:118-129.
[6] Chappuis V, Bornstein MM, Buser D, Belser U. Influence of implant neck design on facial bone crest dimensions in the esthetic zone analyzed by cone beam CT: a comparative study with a 5-to-9-year follow-up. Clin Oral Implants Res 2016;27:1055-1064.
[7] Schwarz F, Mihatovic I, Golubovich V, Schar A, Sager M, Becker J. Impact of abutment microstructure and insertion depth on crestal bone changes at nonsubmerged titanium implants with platform switch. Clin Oral Implants Res 2015;26:287-292.
[8] Blanco J, Pico A, Caneiro L, Novoa L, Batalla P, Martin-Lancharro P. Effect of abutment height on interproximal implant bone level in the early healing: A randomized clinical trial. Clin Oral Implants Res 2018;29:108-117.
[9] Novoa L, Batalla P, Caneiro L, Pico A, Linares A, Blanco J. Influence of Abutment Height on Maintenance of Peri-implant Crestal Bone at Bone-Level Implants: A 3-Year Follow-up Study. Int J Periodontics Restorative Dent 2017;37:721-727.
[10] Weisgold A. It depends on when you take the picture. Editorial. Int J Oral Maxillofac Implants 2009;29:241.
[11] van Eekeren P, van Elsas P, Tahmaseb A, Wismeijer D. The influence of initial mucosal thickness on crestal bone change in similar macrogeometrical implants: a prospective randomized clinical trial. Clin Oral Implants Res 2017;28:214-218.
[12] Vietor K. Implantat-Abutments und Abutmentkronen. Die Quintessenz 2017;68:1339-1345.
[13] Katafuchi M, Weinstein BF, Leroux BG, Chen YW, Daubert DM. Restoration contour is a risk indicator for peri-implantitis: A cross-sectional radiographic analysis. J Clin Periodontol 2018;45:225-232.
[14] Sancho-Puchades M, Crameri D, Ozcan M, Sailer I, Jung RE, Hammerle CHF, et al. The influence of the emergence profile on the amount of undetected cement excess after delivery of cement-retained implant reconstructions. Clin Oral Implants Res 2017;28:1515-1522.

Dr. Jan H. Koch

Dr. med. dent. Jan Hermann Koch ist seit dem Jahr 2000 als freier Fachjournalist und Berater tätig. Arbeitsschwerpunkte sind Fachartikel, Pressetexte und Medienkonzepte für Dentalindustrie und Verbände. Seit 2013 schreibt Dr. Koch als fester freier Mitarbeiter für die DZW und Fachmagazine, unter anderem die Kolumne ZahnMedizin kompakt (Nachfolge Dr. Karlheinz Kimmel).