Fortbildung

49. ADT

Auch virtuell ein voller Erfolg

stock.adobe.com / Alexander Limbach

In diesem Jahr fand die 49. ADT vom 03. bis zum 05. Juni unter etwas anderen Umständen statt, nachdem man leider im vergangenen Jahr auf die ADT verzichten musste. Vorab hat man sich viele Gedanken gemacht, um auf die aktuellen Corona-Situation anzupassen und um schnellstmöglich reagieren zu können. So wurden drei Pläne ausgearbeitet: Eine Präsens-, eine Hybrid- und eine reine Onlineveranstaltung. Der „Gewinner“ war die Onlineveranstaltung. Um das Flair der vergangenen Veranstaltungen beizubehalten, fand die Live-Übertragung deshalb trotzdem in Nürtingen statt, wohin auch alle eingeladenen Referenten, wenn es ihnen möglich war, hinfuhren.

Trotz der Umstände wurde auch in diesem Jahr für ein aufregendes Programm gesorgt, es gab Bergbezwinger, Atlantikbezwinger, Live-Präsentationen, KI, Umfangreiche Analysen, Aussicht auf Zukünftiges aber auch einige Denkanstöße das Analoge nicht zu vergessen und wie man daher das analoge und digitale verbinden kann. Bei allem war aber eins ganz deutlich: Der Teamgedanke- egal in welcher Konstellation!

Jeder Zuschauer hat nach seiner Anmeldung einen Link mit Passwort erhalten, mit dem er sich am Beginn der Veranstaltung Live in das aufgebaute Studio zuschalten konnte. Punkt 13 Uhr verschwindet der „Bildschirmschoner“ und die Moderatoren Prof. Dr. Daniel Edelhoff und ZTM Weisser eröffnete die 49. ADT unter dem Motto: „Patientenorientierte Diagnostik und Therapie im Team – von analoger Kompetenz bis Künstlicher Intelligenz“.  Der Teamgedanke fand sich also auch in der Begrüßung wieder und zog sich auch stetig, wie ein roter Faden durch die drei Tage der ADT.

Die aufgebaute Kulisse erinnerte an ein TV-Studio wie wir es aus der Sportschau oder Nachrichtensender kennen. Die Redner standen an Pulte, im Hintergrund war das diesjährige Motto-Bild der ADT zu sehen, natürlich unter Einhaltung von Corona-Schutzmaßnahmen. Während der Redner sprach, koordinierte man im Hintergrund die von jedem einzeln vorbereitete Präsentation und schaltete diese für die Online-Zuschauer je nach Bedarf automatisch groß oder teilte damit den Bildschirm, sodass Redner und Präsentation gleichzeitig zu sehen waren. Da bei einem Live-Stream die Interaktion mit den Zuschauenden fehlt, hat sich der Veranstalter etwas einfallen lassen. Zwar gab es keine Chatfunktion, jedoch konnte man über ein Fragetool, anonym, Fragen zu jedem gehörten Redner stellen. Anschließende Diskussionsrunden, die meistens nach zwei bis drei Vorträgen kamen, waren dann genau für diese Fragen der Zuschauenden reserviert. Hierfür saßen dann alle zuvor gesehenen Redner nebeneinander, in Sesseln und wurden von einem der Moderatoren durch die Fragen geführt. Hierbei konnte sich der eine oder andere Zuschauer einen Tipp oder Trick ergatterte.

In den Pausen zwischen den Vorträgen fand die Dentalindustrie Raum, um sich zu präsentieren, es war wie ein informativer Bildschirmschoner, der endete wenn der Countdown auf Null war und die Pause vorüber war.

Zu dem großem Thema „Analyse“ haben sich aber nicht nur Zahnärzte wie Dr. Uta Steubesand, die darauf einging, dass man trotz dem digitalen Gesichtsbogen den analogen Artikulator nicht ganz in die Ecke stellen sollte oder Prof. Alexander Gutowski am dritten Tag mit seinem Thema „Der sichere Weg zu okklusionsgenauen Restaurationen“, geäußert. So haben sich, auf den ersten Blick, eigentlich ganz Branchenfremde Redner zu dem Thema Analyse geäußert. Er hatte das Thema „3D-Kephalometrische Analyse zur Bestimmung der kranialen Symmetrie und Einschätzung der dentofazialen Relation“ hat Dipl. Ing. Dipl. Inform. Frank Hornung, der eigentlich auch im Team mit seinem Sohn, dem Zahntechnikermeister Meik Hornung, auftreten wollte. Der Informatiker Hornung zeigte mit seinem Blick aus einem anderen Winkel in die dentale Welt eine Art der Analyse, die man als Zahntechniker oder als Zahnarzt vielleicht gar nicht so auf dem Schirm hatte. Er präsentierte sein neuartiges 3D-Planungs- und Fertigungsverfahren „Cranio Plan“. Es ist ein Verfahren zur Bestimmung der Cranialen Symmetrie Ebene.

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Dipl. Ing. Dipl. Inform. Frank Hornung

Das nicht nur Branchenfremde neuen Schwung in die dentale Welt bringen und den ein oder andern neuen Blickwinkel eröffnen, zeigte das eingespielte Team Dr. Peter Gehrke und ZT Carsten Fischer, die schon seit ca. 15 Jahren zusammen auf „Tour“ gehen. Die Beiden zeigten, dass man auch einiges aus privaten Erfahrungen lernen und dieses erlernte auf die Arbeit umdenken und anwenden kann. Der Titel „Im Team zum Gipfel des Erfolgs – die digitale dentale Seilschaft“, lässt schon viel erahnen. Um genau das zu verdeutlichen, ließen die Beiden ihre Zuschauer an der Erklimmung des Kilimandscharo teilhaben. Natürlich geht es hier auch nur im Team weiter, und hier ist nicht nur das Team Zahnarzt/Zahntechniker gemeint, es sind immer mehr Mitglieder, die aus dem Team ein erfolgreiches Team machen. Denn auch bei der Reise, brauchte es ein großes Team, um ans Ziel und auch wieder hinabzukommen. Doch auch hier ist das Planen das A und O. Die Vorbereitung für solch eine Gipfelerstürmung haben die beiden mit der Vorbereitung einer Zahnnrestauration verglichen. Es erfordert viel Planung und auch Analyse. Anschaulich machten die beiden alles durch beeindruckendes Bild- und Videomaterial. Zudem verdeutlichte es den Vergleich zum alltäglichen Arbeitsleben, wenn es an einer Stelle mal nicht weiterging, kommt man vielleicht kurz ins Stoppen, aber man überlegt sich eine Alternative und macht dann weiter, um ans Ziel zu gelangen.

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Dr. Peter Gehrke und ZT Carsten Fischer

Auch die Werkstoffkunde kam bei der diesjährigen ADT nicht zu kurz, hervorgehoben wurde das Multilayer-Zirkon, der Indikationsrahmen, die Entwicklung bis zu diesem vielfältigen Zirkon und deren Eigenschaften. So spielte Zirkon, bei einigen Redner die führende Rolle, die Entwicklung von einem reinen Gerüstmaterial hinzu einem Hybridmaterial mit Farbverlauf schon einige schöne Ergebnisse erzielt. So widmete sich z.B. ZT Benjamin Schick, ein bekanntes Gesicht der ADT, unter dem Motto „Was fehlt Ihnen? Wieso die Anamnese die Restauration bestimmt.“, diesem Thema. Eine andere Perspektive, um einen Denkanstoß zu geben, hat auch Schick in seinem Beitrag berücksichtigt: Zwei Bilder zeigten augenscheinlich dieselbe Rolex, doch Schick entlarvte eine der beiden als Fälschung, dies würde man optisch nicht sehen, doch die verwendeten Materialien entlarven die Fälschung schnell. – „Zahntechniker sind auch Fälscher, die das Ziel haben einen Zahn zu fälschen“, so Schick. Hier kommt es wie bei der Rolex, auf die Materialien an, denn eine Fälschung ist nur gut, wenn diese auch in Ihren Funktionen und Material dem Original entspricht.

„Trotz der Digitalisierung darf man das gelernte nicht vergessen“, das zeigte Jochen Peters in seinem Vortrag mit eingebauter Live-Präsentation. Er verwies auf das Grundwissen, dass ein Zahntechniker haben sollte, Kontaktpunkte und der Okklusale Kompass. Er zeigte analog und digital, wie wichtig die richtigen Kontaktpunkte zum Antagonisten sind und deren Freiräume. Spuren lesen und nicht immer auf den Biss vertrauen ist ebenso wichtig, Schlifffacetten erkennen und richtig Bezug herstellen, analysieren, das ist hier ein wichtiges Wort. Auch in der CAD-software soll man nicht blind auf die Zahnbibliothek vertrauen, jeder Patient individuell ist und deshalb die Okklusion angepasst werden muss.

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ZTM Jochen Peters

Bei der ganzen Digitalisierung wurde auch ein Teil der Zahntechnik angesprochen, der auf den ersten Blick nicht in der Welt von Zirkon, Digitalisierung etc. zu passen scheint: Der KFO-Bereich. Der Referent ZT Christian Born hat verdeutlicht, dass es „mehr ist als nur Klammer biegen“: Es ist KFO und nicht KO! So heißt es KieferFUNKTIONsorthopädie und es kann nicht nur darum gehen „Zähne rumzuschupsen, damit das Lächeln gut aussieht.“ Beispiele untermauerten seine These. Zudem wurde deutlich gemacht, dass auch in diesem Bereich der Zahntechnik die Digitalisierung angekommen ist- aber wie es so ist, nicht ohne Probleme, da die Anforderungen etwas anders sind, gerade an 3D-gedruckten Modellen. Hier spielt das Thema Team wieder eine Rolle, denn Born erweiterte sein Team und raus kam ein neues gipsartiges Material, was auch in der KFO verwendet und abgerechnet werden kann.

Natürlich gab es in den drei Tagen noch mehr spannende Vorträge. Auch in diesem Jahr gab es einen Festvortrag: „Die Atlantik-Überquerung – Motivation und Durchhaltevermögen“ präsentiert von York Hovest, der mit dieser Aktion auf die Umweltverschmutzung der Meere aufmerksam machen wollte und sich somit auch Gehör verschaffen wollte. Jeder Vortrag der 49.ADT war ein Highlight für sich und wir hoffen, dass die Redner im nächsten Jahr wieder in viele interessierte Gesichter blicken dürfen.

Alle Teilnehmer erhalten in den nächsten Tagen einen On-demand-Zugriff und können alle Beiträge bis 30.06.21 noch einmal in Ruhe anschauen.

 

Wer jetzt neugierig auf die einzelnen Vorträge geworden ist, kann sich auch noch im Nachgang anmelden und sich jeden Vortrag anschauen.

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