Politik

Elektronische Gesundheitsakte

An apple a day keeps the doctor away?

Längst haben auch privatwirtschaftliche Unternehmen den begehrten Markt der Gesundheitsdaten entdeckt.
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Längst haben auch privatwirtschaftliche Unternehmen den begehrten Markt der Gesundheitsdaten entdeckt.

Die Realisierung der gesetzlich gewollten elektronischen Patientenakte liegt noch in ferner Zukunft, da erblicken erste Lösungsansätze elektronischer Gesundheitsakten das Licht der Gegenwart. Vor wenigen Tagen stellte die Techniker Krankenkasse ihre TK-Safe vor (wir berichten auf Seite 3, DZW 18/2018). Das ist eine elektronische Gesundheitsakte (eGA), bei der der Versicherte selbst bestimmen kann, welche gesundheitsrelevanten Daten er hier sammeln möchte. Basis der TK-Safe ist eine App, die allein die doppelt Passwort-gesichert Informationen entschlüsselt anzeigen kann. Die Daten selbst liegen zentral verschlüsselt in IBM-Rechenzentren in Deutschland. „Wenn die Daten inhaltlich verschlüsselt sind und der Schlüssel – wie bei der eGA – nur im Besitz des Nutzers ist, bringt eine dezentrale Speicherung keine Sicherheitsvorteile“, so die TK auf Nachfrage der DZW.

Derzeit gibt es auch von der AOK Feldversuche mit einer digitalen Gesundheitsakte, hier heißt sie AOK-Gesundheitsnetzwerk. Das Ziel ist ganz ähnlich: Gesundheitsrelevante Daten werden zusammengeführt und dem Versicherten zugänglich gemacht. Anders als die TK-Safe ist das AOK-Gesundheitsnetzwerk stärker als „Portal zum digitalen Austausch von Gesundheitsdaten zwischen Patienten, niedergelassenen Ärzten und Kliniken“ angelegt, so die AOK. Hier wie dort bestimmen die Versicherten, wer die Daten sonst noch einsehen darf. Ein wesentlicher technischer Unterschied ist die dezentrale Speicherung der Daten. Bei der AOK werden sie über eine native App quasi „verlinkt“. Das bedeutet die „Originale“ selbst bleiben bei den Erfassern – etwa den Ärzten und Kliniken. Der Datenfluss wird über bereits existierende sichere Netzwerke des Gesundheitswesens gewährleistet, „sodass diese keine zusätzliche Software nutzen müssen. Auch eine Doppelerfassung der Daten ist nicht notwendig“, so die AOK auf Nachfrage der DZW.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte auf der Messe conhIT 2018 „marktoffene Lösungen“ eingefordert und hat diese nun auch bekommen. Die TK und die AOK leisten mit ihren eGA-Angeboten Pionierarbeit und es bleibt spannend, wie die Versicherten diese annehmen. Dass die Krankenkassen nach all den Jahren der verschleppten Telematikinfrastruktur in die Offensive gehen und nicht auf Konzepte des Gesetzgebers oder der Selbstverwaltung warten, ist der richtige Ansatz.

Längst haben auch privatwirtschaftliche Unternehmen den begehrten Markt der Gesundheitsdaten betreten und sammeln über Apps und Wearables freiwillig abgelieferte Informationen. Und Apple macht mit dem Update seines mobilen Betriebssystems auf iOS 11.3 nahezu unbemerkt einen Riesenschritt in Richtung einer eigenen eGA. Die System-App „Health Record“ kann nun auch persönliche Datensätze speichern. In den USA kooperiert Apple bereits mit mehr als 40 Gesundheits-Institutionen. Patienten könnten ihre Patientenakten direkt von ihrem iPhone aus einsehen, heiß es bei Apple. „Die Daten in Health Records sind verschlüsselt und passwortgeschützt“, so die Firmenaussage. Ob Apple damit auch auf den europäischen Markt expandieren wird, ist unklar. Anders als die Angebote von TK und AOK wird Apple aber sicher nicht anschlussfähig für die deutsche Telematikinfrastruktur sein. Nicht technisch, sondern aus guten Datenschutzgründen.