Panorama

Gefahr von Herzinfarkten

Lakritze: Auslöser für Krampf in Herzkranzgefäßen

Lakritze
mdi/fotolia

Lakritzschnecken sind lecker, können aber zu Herzinfarkten führen. Grund dafür ist Glycyrrhizin

Lakritze ist bei gewichtsbewussten Menschen beliebt. Grund dafür ist der enthaltene Süßstoff Glycyrrhizin. Der schmeckt zwar 50 Mal süßer als Zucker, macht allerdings nicht dick. Dennoch kann der vermehrte Verzehr schädlich sein, was viele Menschen nicht wüssten. Bekannt sei  lediglich, dass Lakritze den Blutdruck erhöhen kann.  Das berichtet Professor Ulrich Tebbe, Chefarzt am Klinikum Lippe in Detmold.

Verengung der Herzkranzgefäße

Bei der sogenannten „Stark-Lakritze“, die mehr als 400 mg Glycyrrhizin pro 100 Gramm enthält, müssten die Hersteller sogar einen Warnhinweis auf der Verpackung anbringen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt den Verbrauchern deshalb, nicht mehr als 100 mg Glycyrrhizin am Tag zu verzehren.  Laut Tebbe ist weniger bekannt, dass Lakritze durch eine Verengung der Herzkranzgefäße eine akute Durchblutungskrise im Herzmuskel auslösen kann.

Dies war bei einer 44-jährigen Frau der Fall, die innerhalb von vier Monaten zweimal einen Herzanfall erlitt. Beide Male war es kurz nach dem Aufwachen zu Luftnot und einem Vernichtungsschmerz im Brustkorb gekommen, typischen Anzeichen eines Herzinfarkts.

Krampf des Blutgefäßes

Beide Male haben die Kardiologen eine Katheteruntersuchung der Herzkranzarterien durchgeführt. Hinweise auf eine Verengung oder einen Verschluss der Gefäße, die den Herzmuskel mit Blut versorgen, konnten sie nicht finden. Allerdings konnte der bei der zweiten Untersuchung ein Krampf des Blutgefäßes nachgewiesen werden.

Nach der Gabe von Nitroglycerin in die Arterie hat sich das Blutgefäß geweitet und die Bewegungsstörung des Herzmuskels verbessert. Die Kardiologen stellten die Diagnose einer Prinzmetal-Angina, benannt nach dem amerikanischen Kardiologen Myron Prinzmetal, der diese Sonderform der Angina pectoris, der Herzenge, in den 50er Jahren beschrieben hat.

Bei Hemmung Cortisol-Anstieg

Die blutdrucksteigernde Wirkung von Lakritze beruht auf der Hemmung des Enzyms 11-Beta-Hydroxysteroid-Dehydrogenase 2, kurz 11-BHSD2. Im Körper ist es verantwortlich Cortisol zu Cortison abzubauen. Wird es gehemmt, kommt es zu einem Anstieg von Cortisol.

Das wirkt in hoher Konzentration wie das Hormon Aldosteron, das in den Nieren Natrium und Wasser zurückhält. Das Blutvolumen und damit der Blutdruck steigen an. Laut Professor Tebbe ist das Enzym 11-BHSD2 auch in der Wand von Blutgefäßen vorhanden, wo es an der Regulierung des Gefäßdurchmessers beteiligt ist. In Tierexperimenten konnte gezeigt werden, dass die Hemmung von 11-BHSD2 einen Gefäßkrampf auslösen kann. Die 44-jährige Frau wurde mit der Diagnose einer Prinzmetal-Angina nach Hause entlassen. Die Ärzte verordneten ihr ein Blutdruckmedikament und rieten ihr dringend, auf den Verzehr von Lakritze zu verzichten. Seitdem ist sie nach Angaben der Autoren beschwerdefrei.

More: