Aus Liebe zu Kambodscha: Fotografin stellt Bilder aus

Gruppe vor Pagode in Kambodscha
15. Mai 2017
Aus Liebe zu Kambodscha: Fotografin stellt Bilder aus
Ausstellungserlös kommt "Mini Molars" zugute

Vor einiger Zeit hat die DZW über die Arbeit der "Mini Molars" berichtet. In kürze finet in einer Hamburger Zaharztpraxis eine Foto-Ausstellung mit Bildern von kambodschanischen Kindern statt. Wie das zahnärztliche Hilfsprojekt und die Ausstellung in Zusammenhang stehen.

Am Donnerstag, den 18. Mai 2017 stellt die Hamburger Fotografin Anna Schellberg Fotos aus, die Kinder in Kambodscha zeigt. Schellberg arbeitet eng mit dem zahnärztlichen Hilfsprojekt "Mini Molars Cambodia" aus Hamburg zusammen. Die Vernissage zur Charity-Ausstellung mit dem Namen "Fair Trade" findet in den Räumen der Zahnarztpraxis Zahngesundheit Winterhude im Hamburger Stadtteil Winterhude statt. Ausstllungseröffnung ist um 18.30 Uhr.

Etwa 15 Arbeiten aus der Serie stellt die Fotografin dem Hilfsprojekt zur Verfügung. Der Verkaufserlös geht direkt an die "Mini Molars". Unter den Bildern sind Portraits von Kindern aus Kambodscha, eindrucksvoll umgesetzt auf alten Kaffeesäcken. Interessenten können sich auf der Webseite von Schellberg einen ersten Eindruck von den Bildern machen.

Quelle: Anna Schellberg/"Mini Molars"

 

 


Vor einiger Zeit hat die DZW mit den Gründern von "Mini Molars" gesprochen. Hier können Sie nochmals nachlesen, wie sich die Arbeit in Kambodscha für die Zahnärzte aus Hamburg gestaltet.

Neben den Wegen des Herrn sind auch die Pfade des Lebens unergründlich. Und die haben den Hamburger Zahnarzt Dr. Ulf Zuschlag bis nach Kambodscha geführt, eines der ärmsten Länder der Welt. Seine erste Reise in das Königreich am Golf von Thailand hat Zuschlag 2012 unternommen.  Als damaliger Student arbeitete er dobei einem zahnärztlichen Hilfsprojekt.

Vor Ort konnte er Unterstützung leisten und so gleichzeitig Land und Leute kennenlernen. Begeistert war er aber nicht nur von dem Abenteuer, der Berufserfahrung und der zahnmedizinischen Versorgung vor Ort, sondern auch von der Projektleiterin und Zahnärztin Sombo.

Enge Verbundenheit zur Heimat

In kurzer Zeit entstand zwischen den beiden eine Liebe. Heute ist Zuschlag mit Sombo verheiratet, seit 2014 lebt das Paar in Hamburg. Da Sombo Zuschlag ihrem Heimatland immer noch sehr eng verbunden ist, haben sie im August 2015 das Hilfsprojekt "Mini Molars Cambodia" gegründet, um bedürftigen Kindern in Kambodscha zahnmedizinisch zu helfen. Doch eine Projektgründung im Ausland bringt zwangsweise Probleme mit sich, wie Zuschlag näher erläutert:

"Wir haben schon ein paar Monate nach der passenden Location gesucht. Die Immobiliensuche ist in Kambodscha generell sehr schwierig." Allerdings hat das Paar viel Glück gehabt. Seit Jahrzehnten pflegt Sombos Familie ein gutes Verhältnis mit den Mönchen der "Angk Portinhean Pagode" in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh. Dadurch konnte das Paar auf dem Gelände der Pagode die Klinik eröffnen, die das Kernstück des Hilfsprojekts ist.

Den zahlreichen kleinen Patienten aus der näheren Umgebung der Pagode bleibt die zahnmedizinische Versorgung nicht versagt. Laut Zuschlag gibt es als Zahnarzt viel zu tun. „Der Zustand der Zähne ist oft sehr schlecht, so dass viele Zähne extrahiert werden müssen. Die häufigste Zahnkrankheit ist Karies“, sagt Zuschlag.  Darüber hinaus hat Zuschlag laut eigenen Angaben in den Mündern der Kambodschaner Krankheiten gesehen, die er bis dato nur aus dem Lehrbuch kannte. „Teilweise kommen die Kinder und auch Erwachsenen mit Tumoren zu uns“, erzählt der Zahnarzt.

Aufklärungsbedarf ist sehr hoch

Neben der Schmerzbehandlung versucht das Team von Mini Molars Cambodia, auch die Mundgesundheitsaufklärung stets zu verbessern. "Eine wahre Herkulesaufgabe", wie Zuschlag sagt. Rund ein Drittel der rund 15 Millionen Einwohner des Landes ist unter 14 Jahre alt. Viele der Kinder sind laut Zuschlag noch nie beim Zahnarzt gewesen.

Das versucht das Hamburger Zahnärztepaar zu ändern. Bislang haben sie rund 10.000 Euro in das Projekt investiert. Ihr gegenwärtiges Equipment ermöglicht es ihnen, den größten Teil der Behandlungen durchzuführen. Neben dem festen Behandlungsstuhl in der Klinik in Phnom Penh haben sie eine mobile Behandlungseinheit. Mit dem "Mini Molars Mobile" versuchen sie, auch die abgelegenen Provinzen Kambodschas zu erreichen. "Wir sind froh, dass wir den mobilen Behandlungsstuhl haben, denn es kann sich nicht jeder leisten, zu uns in die Klinik nach Phnom Penh zu kommen", so Zuschlag.

Auch sei die Mundgesundheit auf dem Land noch etwas schlechter als in der Stadt. "Das liegt vor allem am Zuckerrohrsaft, der überwiegend von der Landbevölkerung getrunken wird und die Zähne stark angreift", sagt Zuschlag. Ein Grund mehr, warum seine Frau und er die zahlreichen Dörfer rund um Phnom Penh nicht vernachlässigen können.

Langfristig möchten sie gerne drei Behandlungsstühle in der Klinik haben. Und auch ein neues Auto wird irgendwann fällig, um in die Provinzen zu kommen. "Die Anschaffung eines Autos ist in Kambodscha sehr teuer", erzählt Zuschlag. Im Schnitt koste ein Geländewagen mit 400.000 gefahrenen Kilometern zwischen vier- und fünftausend US-Dollar. Finanziert wird das Projekt mit privaten Spenden.

Studenten können profitieren

Unterstützung können aber auch Zahnärzte und Zahnmedizin-Studenten als freiwillige Helfer leisten. "Die Studenten können von der Arbeit vor Ort nur profitieren. Voraussetzung ist aber, dass sie das achte Fachsemester abgeschlossen haben", sagt Zuschlag. Die Resonanz unter den deutschen Studenten sei enorm. Für 2016 gebe es keine freien Plätze mehr.

Der nächste freie Termin ist im Juli 2017. "Die Studenten sollten sich allerdings darüber im Klaren sein, dass der Einsatz ein Minimum an Vorbereitungszeit benötigt", so Zuschlag.  Über Unterstützung aus Westeuropa freut sich auch das in Phnom Penh ansässige Projektteam. Das hat alle Hände voll zu tun und besteht aus einem kambodschanischen Zahnarzt, drei Helferinnen und einem Projektmanager.

Auf minimolars.de finden Zahnärzte und Studenten alle nötigen Informationen zum Projekt sowie zu einem möglichen Einsatz in der Klinik in Phnom Penh. Darüber hinaus können sich Interessenten an die folgende Kontaktadresse wenden.

MiniMolars Cambodia e.V.

Jungfrauenthal 1

20149 Hamburg

smile@minimolars.de

Telefon: 040/47 07 73

facebook.com/MiniMolars 

Zahnarztboom in Kambodscha

Bis Anfang der 90er-Jahre gab es 349 Zahnärzte in Kambodscha. Bis 1999 hat es zudem keine universitäre Ausbildung gegeben. Heute hat sich die Zahl der praktizierenden Zahnmediziner verfielfacht. In Phnom Penh sind die meisten Zahnärzte des Landes niedergelassen. Insgesamt gibt es drei Universitäten, an denen Zahnmedizin studiert werden kann. Das Studium dauert rund sieben Jahre.

 

Christoph Ledder

 

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