Wissenschaft

Prophylaxe

Auf ein Neues – Fluorid-Debatte

Diskussion: Wie halte ich es mit dem Fluorid?
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Diskussion: Wie halte ich es mit dem Fluorid?

Und täglich grüßt die Fluorid-Debatte. Ausgangspunkt dieses Mal ist die ELEMENT-Fluorid-Studie, die im Herbst 2017 für Aufsehen und reichlich Schlagzeilen sorgte (siehe DZW 44/2017). Kern der Studie war die Schlussfolgerung, dass eine höhere Fluoridaufnahme bei Schwangeren zu einem niedrigeren IQ von Kindern führen soll.

Von den rund 1.000 Schwangeren, die an der ELEMENT-Studie (Early Life Exposure in Mexico to Environmental Toxicants) teilnahmen, konnten 299 Mutter-Kind-Datensätze ausgewertet werden. Im Ergebnis zeigte sich eine statistische Signifikanz von hoher systemischer Fluoridaufnahme der schwangeren Frauen und geringerer Intelligenz bei den Kindern. Die mediale Aufmerksamkeit war entsprechend hoch: „Giftiges Fluorid? So gefährlich ist der Stoff in der Zahnpasta wirklich“ titelte „Focus online“, „Macht Fluorid in Zahnpasta krank?“, war bei „Spiegel online“ zu lesen. So aufmerksamkeitsheischend die Titel auch gewählt waren, kamen die Texte doch zu dem Ergebnis, dass eine Fluorid-Karies-Prophylaxe in Deutschland sinnvoll und wissenschaftlich als wirksam belegt ist.

Denn anders als in anderen Ländern wird in Deutschland das Trinkwasser nicht fluoridiert. Quellen für systemische Fluoridaufnahme sind hierzulande vor allem fluoridhaltige Kochsalze und Mineralwässer. Fluoridhaltige Zahnpasten dienen der lokalen Fluoridierung und werden in der Regel nicht verschluckt. Sie führen also nur zu einer kurzzeitigen Erhöhung der Fluoridkonzentration im Plasma (die Stellungnahme der „Informationsstelle für Kariesprophylaxe“ zur ELEMENT-Fluorid-Studie finden Sie hier.) Wie auch immer die aktuelle ELEMENT-Studie gewertet wird, ist sie doch ein weiterer Baustein, der die Neurotoxizität von Fluorid zu belegen scheint.

In diese Lücke der allgemeinen Verunsicherung springt nun eine neue Zahnpasta ohne Fluorid der Dr. Kurt Wolff GmbH & Co. KG mit einer fragwürdigen Marketing-Kampagne. Hier heißt es zum Beispiel: „Fluorid – erste Verbraucherschützer rufen nach Verbot“ und weiter „Nun ist deutschen Wissenschaftlern endlich der Durchbruch gelungen. Sie haben eine Zahnpasta mit Hydroxylapatit entwickelt, einem Wirkstoff, der dem natürlichen Zahnschmelz nachgebildet ist“. Als Kronzeuge des neuen Wunderwirkstoffs wird eine Doppelblindstudie an 150 Zahnspangenträgern mit hohem Kariesrisiko zitiert, die die Gleichwertigkeit des alternativen Wirkstoffs belegen soll.

Dass Fluoride gegen Karies schützen, ist in zahlreichen wissenschaftlichen Studien belegt. Um der Verunsicherung entgegenzuwirken, hat die Bundeszahnärztekammer im Januar 2018 ein Positionspapier herausgebracht (den Wortlaut finden Sie hier). Hier heißt es klärend: „Fluoride sind eines der weltweit am gründlichsten untersuchten Medikamente: In über 300.000 wissenschaftlichen Untersuchungen wurde bisher kein Hinweis auf eine etwaige Gefährdung der Gesundheit bei korrekter Einnahme gefunden.“ Das wird Ärzte und Patienten für den Moment beruhigen, aber das Ende der Fluorid-Debatte ist damit noch in Sicht.

Nachtrag: In einer gemeinsamen Stellungnahme von DGZ, DGPZM und BZÄK werden der "unredliche Marketingschachzug" und die damit verbundene "unbegründete Verunsicherung der Bevölkerung" scharf kritisiert.