Anästhesie

Was Zahnärzte über Wirksamkeit, Toxizität und Halbwertszeit von Anästhetika wissen müssen

Lokalanästhesie
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Darüber gibt Tabelle 1 Auskunft, wobei Procain hier als Bezugsgröße für die analgetische Potenz und Toxizität gleich 1 gesetzt wurde. Lidocain ist demnach viermal so wirksam wie Procain, aber nur zweimal so toxisch. Gleiches gilt für Mepivacain. Articain ist fünfmal so wirksam, jedoch nur 1,5-mal so toxisch und hat eine sehr kurze Halbwertszeit von 20 Minuten. Articain verfügt somit über das beste Verhältnis zwischen Wirksamkeit und Toxizität.


Tabelle 1: Verhältnis Wirksamkeit/Toxizität/Halbwertszeit im Vergleich zu Procain (gleich 1)

  Analgetische Potenz Toxizität Halbwertszeit (min.)
Procain 1 1 30
Lidocain 4 2 96
Mepivacain 4 2 114
Articain 5 1,5 20
Bupivacain 16 8 162

Bupivacain ist 16-mal so wirksam, aber auch achtmal so toxisch im Vergleich zu Procain. Ein Grund, weshalb Bupivacain nur in niedrigkonzentrierten Lösungen angeboten wird.

Ester- und Amid-Typ: Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Unterscheidung, ob es sich um ein Lokalanästhetikum vom Ester- oder Amid-Typ handelt, da Lokalanästhetika vom Ester-Typ ein höheres allergenes Potenzial besitzen (Tabelle 2). Tetracain ist zehnmal so wirksam wie Procain, aber auch zehnmal so toxisch wie Procain. Eine Verwendung als Lokalanästhetikum scheidet daher aus. Es bleibt nur die Verwendung als Oberflächenanästhetikum.


Tabelle 2: Anästhetika vom Ester- und Amid-Typ

Ester Amid
Procain Lidocain
Tetracain Mepivacain
  Articain
  Bupivacain
  Prilocain

Prilocain kann den Methämoglobinspiegel erhöhen, das heißt die Erythrozyten können nicht ausreichend Sauerstoff abgeben. Prilocain wird in Kombination mit dem Vasokonstriktor Felypressin angeboten. Vorsicht bei Schwangeren: Felypressin kann Wehen auslösen.

Vasokonstriktor: Die Verwendung von Noradrenalin als Vasokonstriktor ist nicht mehr „State of the Art“, da die Wirkung überwiegend auf Alpha-Rezeptoren beruht. Die Gefäße, wie Arteriolen, werden eng gestellt und bewirken eine ausgeprägte Blutdrucksteigerung sowie Kopfschmerzen. Adrenalin dagegen wirkt auf Alpha- und Beta-Rezeptoren.

pKa-Wert: Der pKa-Wert ist der pH-Wert einer Lokalanästhesie-Lösung, bei dem Base und Kation im Verhältnis 50 zu 50 vorliegen. Lokalanästhetika mit hohem pKa-Wert haben einen verzögerten Wirkungseintritt (Procain 9,0; Articain 7,8). Der basische Anteil eines Lokalanästhetikums dient dazu, die Membran der Nervenzelle zu penetrieren, nur der saure Anteil ist wirksam.

(wird fortgesetzt)

Serie "Fragen zur Lokalanästhesie"
Kein Verfahren findet häufiger Anwendung in der zahnärztlichen Praxis als die „Betäubung“. Die Lokalanästhesie zur Schmerzausschaltung hat sich längst bewährt und ist das Aushängeschild des Zahnarztes. Doch was zur täglichen Routine wird, birgt auch unerwartete Vorkommnisse und führt häufig zu Fragen, die dann die Hersteller erreichen. Die DZW – Die ZahnarztWoche hat in Zusammenarbeit mit Septodont (deutscher Sitz Niederkassel bei Bonn) daher Antworten auf besonders häufig von Zahnärzten gestellte Fragen für eine kleine Serie aufbereitet. Septodont produziert weltweit jährlich mehr als 500 Millionen Zylinderampullen Lokalanästhetika; die persönliche und kompetente Beratung zu allen Produkten und Fragen ist ein besonders Anliegen.

Teil 1: Lokalanästhesie: Zahnarzt muss über Risiken und Alternativen aufklären
Teil 2: Lokalanästhesie: Maximaldosis, Wirkstoff- und Adrenalingehalt ermitteln
Teil 3: Was Zahnärzte über Wirksamkeit/Toxizität/Halbwertszeit von Anästhetika wissen müssen