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Medigames 2023: Viele Medaillen für das ­deutsche Mediziner-Team

Sportweltspiele in Südamerika: „Enorme fachliche und menschlich-­kulturelle Erweiterung des Horizonts“

Erstmals in der 42-jährigen Geschichte der Sportweltspiele der Medizin und Gesundheit fanden die Wettkämpfe in Südamerika statt. Die historisch sehr bedeutsame Hafenstadt Cartagena des Indias im Norden Kolumbiens war in diesem November Austragungsort des weltweiten sportiven Medizinertreffens. Aufgrund der geografischen Lage kamen die rund 1.000 Teilnehmer aus 45 Nationen in diesem Jahr eher aus Südamerika und dem übrigen amerikanischen Kontinent. Europa und Afrika sowie Asien waren nicht ganz so häufig vertreten wie in den Jahren zuvor. Die Sportweltspiele bieten den Teilnehmern auch die Möglichkeit, neue Sportarten unkompliziert auszuprobieren. In zwanzig verschiedenen Sportdisziplinen können die Teilnehmer und Begleiter an den Start gehen.

Die deutschen zahnärztlichen Farben wurden vertreten von Dr. Tim Wulff aus Düren, Dr. Jochen Gutbrod aus Reutlingen sowie dem in Berg bei Ravensburg praktizierenden Dr. Frank Schleenbecker. Der ehemalige Handballer Schleenbecker punktete vor allem in den Wurfdisziplinen und dem spielerischen Badminton, wohingegen der Rheinländer Wulff sich als wahrer Tausendsassa in mehreren Sportarten entpuppte. Beide nutzten eine frühere Anreise, um sich an das südamerikanische Klima am Wettkampfort zu gewöhnen. Im medizinischen Fachsymposium wurden zwar 14 Tage als ideale Vorbereitung genannt, doch das lässt sich im Praxisalltag oft nicht bewerkstelligen.

Der Reutlinger Gutbrod trotzte subtropischen Temperaturen und sammelte Edelmetall in den Laufdisziplinen. Am Dienstag erreichte er über 5.000 Meter mit 19:32 Minuten den zweiten Platz. Auch der Mittwoch wurde versilbert; 100 Meter in 14,64 Sekunden bildeten das Aufwärmprogramm für die 1.500 Meter in 5:22 Minuten. Beide Leistungen wurden mit der Silbermedaille belohnt.

Der Zahnarzt und Heilpraktiker Schleenbecker aus Oberschwaben begann den Wettkampfreigen am Montagmorgen mit einem zweiten Platz im Powerlifting. Diese Art des Gewichthebens umfasst Bankdrücken, Kreuzheben und Kniebeuge und fand mitten in Cartagena statt. Das Gym wurde von bewaffnetem Sicherheitspersonal bewacht. Die Athleten mussten sich beim Betreten und Verlassen ausweisen und in eine Anwesenheitsliste ein- und austragen. Auch das Athletikstadion im „villa olympico“ wurde bewacht, was für viele europäische Sportler eine ungewohnte Situation darstellte. Für Schleenbecker bedeuteten 10,57 Meter im Kugelstoßen am Nachmittag die Silbermedaille.

Am Dienstag stand das Speerwerfen auf dem Programm. In seiner eigentlichen Paradedisziplin führte der ehemalige Handballer des TSB Ravensburg bis zum letzten Versuch mit 36,69 Metern, ehe sein argentinischer Konkurrent im letzten Wurf beinahe die 40-Meter-Marke knackte und sich somit Gold sicherte. Entsprechend motiviert ging Schleenbecker dann am Mittwoch in die Beach-Badminton-Spiele. Immer wieder hechtete der Oberschwabe im lava-dunklen Sandstrand der Boccagrande nach dem Federball und sicherte sich somit unglaubliche Punkte, sodass sich auch seine brasilianische Double-Mix-Partnerin über Gold mitfreuen konnte. Auch die Goldmedaille in der Einzelkonkurrenz verdankt der Wahl-Ravensburger vor allem seinem enormen Kampfeswillen.

„Goldregen“ durch Tim Wulff

Einen wahren Goldregen bescherte Dr. Tim Wulff aus Düren der deutschen Mediziner-Mannschaft. Er  gewann sowohl das Kugelstoßen als auch das Speerwerfen in seiner Altersklasse. Aber auch im Hoch- und im Weitsprung war er von seinen Konkurrenten nicht zu schlagen. So konnte er auch den Fünfkampf für sich entscheiden. Bei seinen Starts im Schwimmen über 100 Meter Brust, 100 Meter Rücken sowie 100 Meter und 200 Meter Freistil im azurblauen Wettkampfpool schaffte es der Rheinländer trotz morgendlichem Brandungsschwimmen leider nicht aufs Podium.

Der Donnerstag begann mit einem Schwimmwettkampf „Open Water“, ehe sich die Zahnärzte der kulturellen Vielfalt des kolumbianischen Unabhängigkeitstags widmeten. Ein bunter Reigen verschiedener Bevölkerungsteile mit unterschiedlichsten Straßenkapellen und DJs erfüllte die Straßen Cartagenas. Die Altstadt mit ihrer kolonialen Architektur, den farbenfrohen Häusern, der berühmten Gastronomie, dem lebhaften lokalen Leben sowie das reiche historische Erbe machen Cartagena zur Perle der Karibikküste.

Es sind vor allem auch die Erinnerungen an Begegnungen im Umfeld und Erlebnisse mit fremden Kulturen, die den persönlichen Horizont erweitern und somit auch der heimatlichen Patientenbehandlung zugute kommen.

Am Freitag genossen die deutschen Athleten bei 41 Grad Celsius im Schatten noch zwei Fußballfinals, ehe sie selbst nochmals tätig wurden. Der überraschenden Silbermedaille im Diskuswerfen für den Ravensburger Schleenbecker folgte eine freudige Goldmedaille mit 24,57 Metern im Hammerwurf. Auch der Reutlinger Kollege Gutbrod wurde mit Gold für seine schweißtreibenden Anstrengungen im Crosslauf belohnt, ehe er sich am nächsten Tag über einen hervorragenden 2. Platz beim Halbmarathon in 1:31:43 Stunden freuen konnte. Wulff aus Nordrhein-Westfalen überraschte beim Abschluss der Leichtathletik seine Konkurrenz sowohl im Hammer- als auch im Diskuswurf und wurde mit Gold dekoriert.

Die Medaillenflut der erfolgreichen deutschen Zahnärzte wurden bei karibischer Musik am Abend in den lebendigen Gassen der Stadt, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde, entsprechend gefeiert.

Sportliche Belastungen in heißer Umgebung

Das parallel verlaufende Medizinsymposium mit dem Top-Thema „Sportliche Belastungen in heißer Umgebung“ ergab zudem noch interessante Aspekte, die auch hiesigen Sportlern nützlich sein könnten. Um ausreichend leistungsfähig zu sein, empfiehlt es sich, vier Stunden vor der sportlichen Belastung mit der Wasseraufnahme zu beginnen. Anhand der EKG-Aufzeichnugen von Usian Bolt wurde auf Veränderungen des Herzens aufgrund sportlicher Belastung und möglicher Prävention eingegangen. Eine sportlich erfolgreiche Zeit, die sowohl fachlich als auch menschlich den Horizont enorm erweitert hat.

Dr. Frank Schleenbecker, Berg