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Der Kommentar

Schlechtes Gewissen? Aber doch nicht nur wegen Greta …

Von Chefredakteur Marc Oliver Pick
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Von Chefredakteur Marc Oliver Pick

Jetzt werden Sie sicher denken, dass es ja so kommen musste, dass auch die dzw auf den Greta-Zug aufspringt und zum Mahner in Sachen Umwelt wird. Na ja, ganz unrecht haben Sie nicht, aber die Umwelt- und Klima-Debatte, die Greta Thunberg mit ihrer Bewegung Fridays for Future (FFF) losgetreten hat, geht uns ja doch irgendwie alle an.

Aber keine Sorge, es soll nicht darum gehen, Ihnen das Auto madig zu machen, mit dem Sie täglich in die Praxis fahren. Es soll auch nicht darum gehen, ob Ihr nächstes Reiseziel nur mit dem Flugzeug erreichbar ist. Nein, es geht darum, was jeden Tag in Ihrer Praxis so vor sich geht. Es geht darum, was jeden Tag nach Gebrauch aus der Praxis in der Mülltonne versenkt wird. Mülltonne im Singular, versteht sich, oder haben Sie schon mehrere Tonnen in Verwendung?

Hintergrund ist ein Gespräch, das im Frühsommer anlässlich des Jury-Treffens für den LUXXter Award in der Bonner dzw-Redaktion stattgefunden hat. Ein junger Zahnarzt, selbst ein LUXX des Jahres, kam trotz des heißen Wetters per Fahrrad in die Kurt-Schumacher-Straße. So ergab sich schnell ein Gespräch zum Thema Umwelt – auch mit Blick auf nachhaltiges Wirtschaften in der Praxis, die immer größer werdenden Müllmengen und die damit auch weiter steigenden Entsorgungskosten.

Verbrauchsmaterialien heißen so, weil man sie im Praxisalltag verbraucht – und dann als Müll entsorgt. Die Frage, die sich auch der junge Zahnarzt immer häufiger stellt, ist, ob man dies als gegeben hinnehmen muss oder ob es nicht doch Alternativen gibt, die das Müllaufkommen reduzieren oder zumindest langsamer wachsen lassen.

Naheliegendes Beispiel: der Becher, mit dem der Patient zwischendurch umspülen soll. Heute kommt er in allen Farben daher, besteht aus Plastik und ist ein Einmalartikel. Wie könnte die Alternative aussehen? Klar, es gibt Becher aus Pappe, mithilfe einer Wachsbeschichtung wasserdicht gemacht. Damit lässt sich zwar der Plastikverbrauch reduzieren, das Müllvolumen aber nicht. Nächste Alternative: Glas- oder Porzellanbecher, die es auch in jeder erdenklichen Farbe, passend zur CI der Praxis, gibt. Okay, das ist schon nachhaltiger im Sinne einer Mehrfachnutzung als ein Einmalbecher. Um diesen nachhaltigen Becher aber für den nächsten Patienten „aufzubereiten“, muss er in die Spülmaschine. Das wiederum verbraucht Wasser, Energie, Arbeitszeit und Spülmittel – ganz zu schweigen davon,
dass man schon einige dieser Becher vorhalten muss, um auch nur einen durchschnittlichen Praxistag überstehen zu können.

Sie sehen, schon die einfache Frage, ob es sinnvoller für die Umwelt (und den eigenen Geldbeutel) ist, beim Wegwerfprodukt zu bleiben, ein alternatives, aber immer noch nur einmal nutzbares Produkt zu verwenden oder gleich auf Glas oder Keramik umzustellen. Vielleicht gibt es Berechnungen, was letztlich günstiger und nachhaltiger ist.

Was aber eigentlich zählt, ist die Tatsache, dass sich ein junger Bonner Zahnarzt ernsthaft Gedanken darüber macht, wie man den (zum Teil leider notwendigen) Praxismüll reduzieren könnte. Auch ihm ist klar, dass es Produkte gibt, die aus Hygienegründen nun mal aufwendig, dafür aber auch entsprechend sicher verpackt werden müssen. Aber muss der Wasserspender im Wartezimmer wirklich mit den kegelförmigen Einmalbechern bestückt werden? Da gibt es doch bestimmt Alternativen. Sicher, auf den ersten Blick ist das kein einfaches Unterfangen, den Praxismüll zu reduzieren. Ein Anreiz dürfte aber die mit der Müll-reduktion einhergehende Kostenreduktion sein. Weniger Müll, weniger Lager- und Entsorgungskosten.

 

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