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Weltfrauentag: Wenig Anlass zum Feiern

Wenig Anlass zum Feiern sehen viele Verbände und Institutionen anlässlich des internationalen Frauentags am 8. März.

„Am Weltfrauentag will keine große Freude aufkommen. Der Krieg in der Ukraine überschattet alles. Ähnlich wie in den Anfängen des Weltfrauentages steht auch der 8. März 2022 im Zeichen eines Krieges“, schreibt etwa der Bayerischer Landesfrauenrat in einer Pressemitteilung. „Damals wie heute sind Frauen und Kinder die Hauptleidtragenden. Mütter müssen ihre Kinder vor den russischen Bombern und Panzern in Sicherheit bringen, müssen Schutz in den U-Bahn-Schächten von Kiew suchen, sich in den Kellern von Charkiw verschanzen oder auf völlig überfüllten Bahnsteigen hoffen, in den nur selten einfahrenden Zügen Platz zu finden.“

Eine Forschungsgruppe der Universität Bielefeld hat sich zehn Monate lang am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) damit befasst, warum diese Gleichheit der Geschlechter in den letzten Jahren sogar wieder verstärkt angefochten wird. Die Gruppe „Global Contestations of Gender and Women‘s Rights“ (Weltweite Anfechtungen von Frauen und Geschlechterrechten) führte insgesamt 20 interdisziplinäre Fellows aus 14 Ländern am ZiF zusammen. Gemeinsam analysierten die Forschenden die spezifischen Mechanismen und Muster von Auseinandersetzungen um Frauen- und Genderrechte in unterschiedlichen Zusammenhängen weltweit.

Karrierechancen von Ärztinnen besser unterstützen

„Wir fordern Arbeitgeber auf, Karrierechancen von Ärztinnen besser zu unterstützen. Bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen auf Führungsebene müssen Arbeitgeber umdenken und innovative Impulse aufnehmen“, sagt Dr. Dr. Galina Fischer, Sprecherin des Ausschusses „Ärztinnen“ im Hartmannbund - Verband der Ärztinnen und Ärzte Deutschlands, anlässlich des internationalen Frauentags. „Dazu gehören flexible Arbeits(zeit)modelle und dazu gehört, Teilzeit, Jobsharing und Homeoffice auch auf Führungsebene zu ermöglichen. Letztendlich profitieren davon alle Ärztinnen und Ärzte.“ Trotz der seit Jahren konstanten Entwicklung der Arztzahlen hin zu einem dominierenden Ärztinnenanteil liege der Anteil von Chefärztinnen laut der jüngsten DÄB-Studie "Medical Women on Top" bei 13 Prozent immer noch auf sehr niedrigem Niveau.

Frau an Whitebooard

Weibliche Vorbilder braucht die Wissenschaft

„Von wegen Gleichberechtigung!“ titelt gar die SRH Fernhochschule. Seit 111 Jahren wird am 8. März der internationale Frauentag begangen. Wer denkt, dass wir als Gesellschaft im 21. Jahrhundert längst viel weiter seien als damals, sieht sich schnell mit der Wirklichkeit konfrontiert. In der Wissenschaft fehle es noch immer an Vorbildern für junge Frauen und Mädchen. Dabei gebe es sie zuhauf – nur kommen sie in der öffentlichen Wahrnehmung viel zu wenig vor, wie aktuelle Forschungen an der SRH Fernhochschule – The Mobile University zeigen. „Heute sind Professorinnen von der Randerscheinung im akademischen Betrieb zur Selbstverständlichkeit geworden. Diese Entwicklungen helfen, Genderbarrieren aufzubrechen, die Männer noch immer besser in der Forschung vorankommen lassen“, sagt  Dr. Angela Bittner-Fesseler, Professorin für Medien- und Kommunikationswissenschaft.

Um Frauen in der Wissenschaft zu stärken, hat sich die Universität Witten/Herdecke (UW/H) ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Bis Ende 2025 soll laut einer aktuellen Pressemitteilung der Frauenanteil in der Professorenschaft der UW/H von 22,5 auf 30 Prozent steigen und somit den bundesweiten Durchschnitt von 26 Prozent weit übertreffen. „Mit dieser freiwilligen Selbstverpflichtung wollen wir den Frauenanteil an den Professuren in relativ kurzer Zeit deutlich erhöhen und streben langfristig ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in den obersten Kategorien des wissenschaftlichen Personals an“, so Dr. Dirk Jakobs, Vizepräsident für Organisationsentwicklung und Diversity-Management an der UW/H. „Der Wissenschafts- und Hochschulbetrieb ist noch immer überproportional männlich geprägt und bremst hochqualifizierte Frauen zu Unrecht aus. Es ist längst überfällig, die Ursachen für diese Ungleichbehandlung zu beseitigen und allen Geschlechtern gleiche Chancen zu ermöglichen.“

„Unsere Universität zeichnet sich seit jeher durch Vielfalt und Beteiligung am gesellschaftlichen Diskurs aus“, ergänzt Dr. Sigrun Caspary als Beauftragte für Gleichstellung und Vielfalt an der UW/H. „Für uns ist das aktive Streben nach mehr Gleichstellung in Lehre und Forschung daher die logische und unausweichliche Konsequenz an unseren eigenen Anspruch und ein starkes Signal für die Gleichbehandlung aller Menschen.“

Nach wie gelte: Frauen leisten mehr für weniger, heißt es von der Partei Die Linke. Zum Equal Pay Day am 7. März 2022 erklärt die Vorsitzende der Partei Susanne Hennig-Wellsow: „In diesem Jahr fallen der Equal Pay Day und der Internationale Frauentag fast auf den gleichen Tag. Frauen verdienen im Jahr 2022 immer noch 18 Prozent weniger als Männer, sie arbeiten häufiger in Teilzeit und im Niedriglohnsektor. Das schlägt sich auch auf die Rente nieder. Altersarmut ist in Deutschland weiblich. Dafür gibt es keine Rechtfertigung. Im Gegenteil, es muss sich endlich ändern. Wir brauchen ein verbindliches Entgeltgleichheitsgesetz und die nötigen Kontrollen, um es auch tatsächlich durchzusetzen.“

Und auch der Berufsverband für Fach- und Führungskräfte DFK kritisiert die nach wie vor bestehenden Gehaltsunterschiede sowie die Tabuisierung des Verdienstes. Nach wie vor sei das Thema Gehalt und Gehaltshöhe in Deutschland tabuisiert, und viele Arbeitsverträge sehen ein Stillschweigen darüber vor, was zu einer großen Hemmschwelle bei den Arbeitnehmer*innen und für Intransparenz sorge.  „Transparenz ist der erste und wichtigste Schritt auf dem Weg zur Entgeltgleichheit. Daher braucht es vor allem ein klares Regelwerk, von der Einstellung, der Gehalts-Analyse über Stellenbewertungen bis zu konkreten Umsetzungsschritten, damit Fair Pay endlich besser als bisher durchgesetzt werden kann. Die Fair Pay- Richtlinie ist hier ein wichtiger Schritt“, so der DFK-Vorstandsvorsitzende Michael Krekels. Der DFK bewerte den Richtlinienvorschlag der EU-Kommission zur Lohntransparenz als eine aussichtsreiche Initiative, da er wichtige Elemente enthält, die dem deutschen Entgelttransparenzgesetz endlich zu mehr Wirksamkeit verhelfen können.