Anzeige

Studie: Abrasionsverhalten CAD/CAM-gefertigter Vollkronen

Mit Etablierung der CAD/CAM-gestützten Fertigung haben sich im Praxisalltag viele neue Materialien durchgesetzt. Für den Praktiker bildet die wissenschaftliche Validierung der Produkte eine wichtige Voraussetzung für die Wahl des individuell optimalen Materials. Die Uni Witten/Herdecke hat in einer In-vitro-Studie das Abrasionsverhalten einiger Materialien untersucht. Dazu Prof. Dr. Dr. Andree Piwowarczyk, Leiter des Lehrstuhls für Zahnärztliche Prothetik und Dentale Technologie, im Interview.

Design der Kronen unter Berücksichtigung des okklusalen Reliefs der Antagonisten

Design der Kronen unter Berücksichtigung des okklusalen Reliefs der Antagonisten

? Herr Prof. Piwowarczyk, was wurde in der Studie untersucht, und welches Ziel wurde verfolgt?

Prof. Dr. Dr. Andree Piwowarczyk: In der In-vitro-Studie wurde das Abrasionsverhalten verschiedener CAD/CAM-gefertigter, zahnfarbener Restaurationsmaterialien in Verbindung mit humaner Zahnhartsubstanz untersucht. Auf Basis der CAD/CAM-gestützten Fertigung wurden Kronen unter Berücksichtigung des Antagonisten (kariesfreier humaner Molar) aus folgenden Materialien hergestellt: Resin-Nano-Keramik (Lava Ultimate, 3M Espe), Hybridkeramik (Vita Enamic, Vita Zahnfabrik) und zirkoniumdioxidverstärkte Lithiumsilikatkeramik (Vita Suprinity, Vita Zahnfabrik).

Das Ziel der Studie bestand darin, eine Aussage darüber treffen zu können, welches Material für die Zahnhartsubstanz am schonendsten ist. Zudem sollte geklärt werden, welches der drei Materialen am abrasionsstabilsten ist. Entscheidend war jedoch, ein Material zu identifizieren, welches in einem hohen Maße antagonistenfreundlich ist sowie langfristig stabile okklusale Verhältnisse ermöglicht.

? Wie abrasionsstabil ist die Hybridkeramik Vita Enamic im Vergleich zu anderen Restaurationsmaterialien?

Piwowarczyk: Vita Enamic stellte sich in unserem Versuchsdesign als das abrasionsstabilste Material dar. Die Hybridkeramik erreichte, bezogen auf die Beurteilung der kompletten Kaufläche der Krone, Medianwerte des mittleren Abtrags in Höhe von 9,3 µm (Interquartilbereich 8,9–10,4 µm). Vita Suprinity folgte mit Abrasionswerten von 14,1 µm (11,1–18,4 µm). Lava Ultimate zeigte mit 21,1µm (18,6–24,5 µm) den höchsten Medianwert des mittleren Abtrags.

Bei den humanen Antagonisten konnten wir folgendes feststellen: In Verbindung mit Lava Ultimate lag der Medianwert des mittleren Abtrags bei 10,4 µm (Interquartilbereich 9,5–12,4 µm). Die Antagonisten in Verbindung mit Vita Enamic und Vita Suprinity erreichten Medianwerte in Höhe von 12,9 µm (11,2–16,5 µm) beziehungsweise von 14,5 µm (9,7–20,8 µm). Daraus können wir ableiten, dass Vita Enamic sehr abrasionsstabil sowie antagonistenfreundlich ist.

Vergleich der mittleren Volumendifferenz der gesamten Kauffläche der Kronen in den Untersuchungsgruppen (je n = 10)

Vergleich der mittleren Volumendifferenz der gesamten Kauffläche der Kronen in den Untersuchungsgruppen (je n = 10)

Vergleich der mittleren Volumendifferenz der gesamten Kaufläche der Antagonisten in den Untersuchungsgruppen (je n = 10)

Vergleich der mittleren Volumendifferenz der gesamten Kaufläche der Antagonisten in den Untersuchungsgruppen (je n = 10)

Was bedeuten die Ergebnisse für den klinischen Einsatz von Vita Enamic?

Piwowarczyk: Bei Vita Enamic lag der Substanzverlust der Kronen sowie der Antagonisten auf einem vergleichbaren Niveau. Dies bedeutet, dass nach der In-vitro-Kausimulation, die einer Belastung von zirka fünf Jahren entspricht, ein geringer und ausgewogener Substanzabtrag im Bereich der Krone und des Antagonisten stattfindet. Bei einem klinischen Einsatz von Vita Enamic ist davon auszugehen, dass stabile okklusale Verhältnisse unter Schonung der natürlichen Zahnhartsubstanz langfristig gegeben sind.

? Wenn Sie den Blick in die Zukunft richten, wo sehen Sie die neue Hybridkeramik Vita Enamic in einigen Jahren?

Piwowarczyk: Ich gehe davon aus, dass sich diese Hybridkeramik zukünftig stärker etablieren wird. Als Voraussetzung dafür bedarf es jedoch einer intensiven Informationsarbeit. Es müssen die Möglichkeiten der zahntechnischen Verarbeitung dargestellt, zahnärztliche Arbeitsprozesse (zum Beispiel ein definiertes Befestigungsprotokoll) erläutert sowie die spezifischen Indikationen der Hybridkeramik beschrieben werden.

Es sind praktische Schulungen erforderlich, die sowohl den zahntechnischen als auch den zahnärztlichen Bereich betreffen. Das Material besitzt auf der Grundlage der gewonnenen Ergebnisse das Potenzial, als „zahnfreundliche Versorgung“ eingesetzt zu werden.