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Trotz Digitalisierung – es lebe das Gedruckte!
Autorenfoto Prof. Dr. Hinz

dzw-Günder und -Herausgeber Prof. Dr. med. dent. Rolf Hinz

1985 kam ein bis dahin für mich unbekannter Journalist – Jürgen Pischel – mit der Idee auf mich zu, etwas zu machen, was es bis dahin noch nicht gab: eine unabhängige Wochenzeitung für Zahnärzte und Zahntechniker. Auf dem Markt waren damals nur einseitig geprägte Standesblätter, die meist nur die Meinung der Körperschaften oder die des Freien Verbands verbreiteten.

Pischels Ideenreichtum und journalistische Erfahrung und mein risikobereites Unternehmerdenken führten zur Gründung der einzigen unabhängigen Wochenzeitung „dzw – Die ZahnarztWoche“, die in der berufspolitischen Landschaft viel Staub aufwirbelte.
Unabhängig – von den Körperschaften – sollte sie sein, eine Verpflichtung für Herausgeber und Redaktion. Politisch neutral, aber kritisch beobachtend sollte sie über Entwicklungen in der Gesundheits-, Sozial- und Wirtschaftspolitik berichten. Neueste Erkenntnisse aus Forschung und technischer Entwicklung sollten kurz und prägnant dargelegt werden, damit der „Wirtschaftsbetrieb Zahnarztpraxis“ optimal, das heißt ertrags- und zukunftssicher, geführt werden konnte.

Aus einer Leserumfrage in der Probeausgabe der DZW mit 2.000 Zahnärzten und einer Reihe von Zahntechnikern wussten wir, dass 94 Prozent der Befragten eine „unabhängige Wochenzeitung“ für notwendig hielten. Und so erschien die erste dzw – nicht als Aprilscherz, wie sich manche wünschten – am 1. April 1987.
Ich war damals Vorstandsmitglied in der KZV Westfalen-Lippe und wurde aufgrund kritischer Kommentare öffentlich als „Nestbeschmutzer“ beschimpft. Es gab keine Veranstaltung in den zahnärztlichen Gremien, bei der die dzw – Die ZahnarztWoche keine Rolle spielte.
Anlässlich einer Sitzung aller Vorstandsmitglieder der KZVen schlugen die Wellen recht hoch und gipfelten in der Aufforderung an mich, Pischel zu verbieten, kritische Kommentare zur Standespolitik zu schreiben.

Zu den Bestrebungen einiger Standesfürsten unter Wortführung von Dr. Karl Schirbort gehörte, dass alle Zahnärzte ihre Zulassung als Kassenzahnärzte aufkündigen sollten. Zu diesem „Korbmodell“ habe ich entgegen der allgemeinen Euphorie, die Kassen dadurch in die Knie zwingen zu wollen, in einer Versammlung der KZV-Vorsitzenden meine Bedenken geäußert: „Wenn es zum Schwur kommt, wird nicht einmal die Hälfte der Zahnärzte mitmachen“. Man hat mich des Saales verwiesen – doch es kam so, wie von mir vermutet.

Ein anderes Mal war ich als Mitglied des FVDZ auf der Jahreshauptversammlung, auf der man sich wie immer über die kritische dzw aufregte. Einer der Wortführer griff mich persönlich an, wie ich so ruhig dasitzen könnte, als ob mich das gar nichts anginge.
Lauthals wurde ich aufgefordert, endlich Farbe zu bekennen und zu sagen, warum ich die kritische Wochenzeitung überhaupt mache. Ich bin aufgestanden, habe mein Jackett ausgezogen, die Hemdsärmel hochgekrempelt, bin an das Rednerpult gegangen und habe sehr ruhig gefragt, was sie denn von mir hören wollten. Auf die lauten Zurufe wie: „Warum machen Sie diese Zeitung?“ antwortete ich sehr langsam, aber unmissverständlich: „Die dzw ist ein Verlagsprodukt der freien Meinungsäußerung“ – und nach einer kleinen Pause – „und ich will damit Geld verdienen!“ Ich fügte noch hinzu, dass ich neben meiner zahnmedizinischen Tätigkeit ein „Unternehmer“ und kein „Unterlasser“ sei, und gerade, um mehr zu tun als nur ‚schiefe Zähne‘ gerade zu richten, die DDR 1960 verlassen hatte! Um eine Erfahrung reicher begriff ich nun, was Emile Zola einmal gesagt hat: „Die Zeitung ist nichts als ein Kampfplatz …“.

Ein anderes Mal, als auf einer Konferenz aller KZV-Vorsitzenden wieder lautstark Vorwürfe wegen der dzw gegen mich erhoben wurden, stand der umsichtige Justiziar der KZBV, Dr. Heribert Pohl, auf und versuchte die aufgeregten Anwesenden zu beruhigen, indem er wortwörtlich erklärte: „Aber meine Herren, regen Sie sich doch nicht auf – der Hinz ist spätestens in einem halben Jahr sowieso pleite – wetten?“ Mit meinem sofortigen Zwischenruf „Um wie viel oder um was, Herr Dr. Pohl?“, und seiner Antwort „eine Flasche Sekt“, forderte er mein Gegenangebot heraus: „Trinke nur Champagner“! Die Wette habe ich gewonnen und den Champagner mit Dr. Pohl auf der dzw-20-Jahresfeier, zu der wir ihn eingeladen hatten, getrunken …

Heute, nach 33 Jahren dzw, stehen andere Probleme und Aufgaben im Vordergrund: die Fragen zur Abrechnung und Praxisorganisation, Fachwissen in Print und Online-Medien sowie die digitale Kommunikation. Jürgen Pischel ist 2009 in seine Heimat nach Österreich zurückgegangen und hat dort eine Privatuniversität, die Danube Private University in Krems, gegründet.

Die Unabhängigkeit der dzw und ihr kritischer Geist sind geblieben – genauso wie ihr Herausgeber. Ich mach’ noch ein wenig weiter – bis zu meinem 100sten ist es ja nicht mehr weit – und ich bin sicher: die dzw wird auch diesen Geburtstag überleben!

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