Anzeige

Zahnarztbesuch: Verheiratete Mütter haben größte Angst

Geschlecht und Familienstand beeinflussen maßgeblich die Ängstlichkeit in Bezug auf Zahnbehandlungen und die konkrete Angst vor einzelnen therapeutischen Maßnahmen.

Verheiratete Mütter haben Angst

Dies fand die türkische Baskent Universität in Ankara heraus (1). Die größte Angst haben demnach verheiratete Mütter. Als mögliche Gründe nennen die Forscher die mit der Elternrolle erhöhte Arbeitsbelastung und steigende Verantwortung. Frauen gingen zudem oft viel sensibler mit Themen wie Schmerz und Kontrolle um.An der Studie haben 500 Patienten im Alter von 13 bis 71 Jahren teilgenommen. Um sowohl die allgemeine Ängstlichkeit als auch die konkrete Angst vor dem Zahnarztbesuch zu erfassen, wurden zwei bewährte Tests eingesetzt:

Ängstlichkeits-und Angstskala

Die Ängstlichkeitsskala MDAS (Modified Dental Anxiety Scale) und die Angstskala DFS (Dental Fear Scale). Die DFS-Fragen beziehen sich unter anderem auf psychologische Erregung und das Angstmaß, das durch zahnärztliche Arbeitsmittel ausgelöst wird. Als sehr ängstlich eingestuft wurden rund 13 Prozent. Panisch in Bezug auf zahnärztliche Eingriffe waren 15 Prozent der Probanden. Die zusätzliche Erhebung von DMFT- und DMFS-Indizes ergab, dass die Zahngesundheit nicht mit der dentalen Ängstlichkeit oder Angst in Bezug steht.

Angst auch kulturabhängig

Nicht nur das Geschlecht und die familiären Verhältnisse beeinflussen das Ausmaß einer Zahnarztangst, sondern auch der Zeitpunkt des ersten Zahnarzt-Besuchs, fand die türkische Universität heraus. Die Ängstlichkeit steigt, je älter Patienten bei ihrer ersten Untersuchung sind. Ein weiterer Faktor, der das Unbehagen erhöht, ist die Zeit zwischen den Untersuchungsterminen. Patienten, die länger als 2 Jahre nicht mehr beim Zahnarzt waren, gelten als Angstpatienten.

Das Angstempfinden scheint neben den oben genannten Faktoren auch kulturell geprägt zu sein. So reagieren Italienerinnen nach einer aktuellen Studie sensibler auf Schmerzen als Schwedinnen (2).

Dentale Angst ist einheitlich

Die dentale Angst ist aber insgesamt weltweit relativ einheitlich verbreitet. Eine ausgeprägte Zahnarztangst (Dentalphobie) liegt demnach bei 10 bis 17 Prozent der Bevölkerung einzelner Länder vor. In Deutschland sind es nach einer Stichprobe bei Großstädtern 11 Prozent (3). Mit 15 Prozent Dentalphobikern liegt die Türkei (Ankara, siehe oben) im oberen Drittel. Japan scheint mit rund 42 Prozent „high dental fear“ das Land mit der größten Zahnarztangst zu sein (4).

Deutsche Angst vor Extraktionen und Endo

Nach einer Umfrage der DEVK-Versicherungen haben jeweils fast zwei Drittel der 1.000 Befragten große oder sehr große Angst vor Extraktionen, Wurzelspitzenresektionen und endodontischen Behandlungen. Das „Bohren“ lag auf Platz 4. Keine ausgeprägten Angstgefühle hatten die meisten Teilnehmer mit je zirka einem Drittel vor Anästhesien (!) und “Parodontose-Behandlungen“ (5).

 

Literatur

1.         Yuzugullu B, Gulsahi A, Celik C, Bulut S. Dental anxiety and fear: relationship with oral health behavior in a Turkish population. The International journal of prosthodontics 2014;27:50-53.

2.         Al-Harthy M, Ohrbach R. The effect of culture on pain sensitivity.  2016;43:81-88.

3.         Enkling N, Marwinski G, Johren P. Dental anxiety in a representative sample of residents of a large German city. Clinical oral investigations 2006;10:84-91.

4.         Carter AE, Carter G, Boschen M, AlShwaimi E, George R. Pathways of fear and anxiety in dentistry: A review. World journal of clinical cases 2014;2:642-653.

5.         DEVK-Versicherungen, statista.com. Wie stark fürchten Sie sich vor den folgenden zahnärztlichen Behandlungen? statista.com 2009: Seitenaufruf 29.01.2016.