Zahnmedizin

Universität Regensburg

Zahnerhalt als ­oberstes Ziel im ZTZ

Klaus Völcker/UKR

Das Kernteam des Zahntraumazentrums Regensburg.

Das Zahntraumazentrum (ZTZ) des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) versorgt auch in diesem Jahr weit mehr als 1.000. Patienten. Dieses in Ost- und Südbayern einzigartige Notfallzentrum steht aber für weit mehr als nur eine schnelle und zielführende Zahnbehandlung: Neben der Patientenversorgung bilden Wissenschaft, Fortbildung, Aufklärung und Prävention die Bandbreite des 2016 gegründeten interdisziplinären Zentrums ab.
Zahnunfälle sind schnell passiert, kommen völlig überraschend und meist sind die ästhetisch wichtigen Frontzähne verletzt. „Ein Großteil der Zahnschäden im Milch- sowie bleibenden Gebiss betrifft die Schneidezähne des Oberkiefers“, erklärt Prof. Dr. Wolfgang Buchalla, Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie des UKR. In einem solchen Fall spielt – wie so häufig in der Medizin – der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle. „Bei einem Zahntrauma kann eine schnelle, professionelle zahnmedizinische Behandlung wesentlich zur Erhaltung der traumatisierten Zähne beitragen. Um Patienten genau diese benötigte Sofortbehandlung auf höchstem Niveau anbieten zu können, haben wir uns vor vier Jahren entschlossen, das Zahntraumazentrum Regensburg zu gründen.“

Interdisziplinarität

„Im ZTZ bieten wir unseren Patienten eine optimale interdisziplinäre Sofortbehandlung. Diagnostik, Dokumentation und Therapie von Zahntraumata und Verletzungen im Gesichtsbereich erfolgen dabei nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen“, so Prof. Dr. Dr. Torsten E. Reichert, Direktor der Klinik und Poliklinik für MKG des UKR. Zum Behandlungsspektrum gehören neben klassischen Zahnschäden auch die Behandlung von Knochen- und Weichgewebsverletzungen. Um eine individuelle Behandlungsplanung zu erstellen und ein optimales Komplikationsmanagement zu betreiben, wurde zudem eine wöchentliche Spezialsprechstunde eingerichtet.
Ob ein verschobener oder ausgeschlagener Zahn oder der Verlust von Zahnfragmenten – die Notwendigkeit der Einrichtung einer solchen 24-Stunden-Notfallambulanz wird mit der Behandlung des nunmehr schon eintausendsten Patienten in vier Jahren unterstrichen. Dabei lässt sich aus den Statistiken der ersten Jahre eine klare Tendenz ablesen. „Anhand der Zahlen kann man sagen, dass mehr Männer als Frauen mit Zahnunfällen in die Notfallambulanz kommen, ihr Anteil liegt bei mehr als 60 Prozent. Zudem sind die allermeisten Patienten jünger als 20 Jahre“, weiß PD Dr. Matthias Widbiller, Oberarzt der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie. „Außerdem ist zu beobachten, dass in den vergangenen Jahren die Zahl der Patienten leicht anstieg und das Angebot von den Betroffenen dankbar angenommen wird.“ Auch in puncto Nachsorge von Zahntraumata unterstützt das ZTZ. „Wir arbeiten eng und engagiert mit den Hauszahnärzten in der Region zusammen und stimmen die Weiterversorgung mit diesen ab“, so Widbiller weiter.
Die interdisziplinäre Versorgung der Patienten im ZTZ übernehmen federführend die Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie sowie die Klinik und Poliklinik für MKG. Je nach Fallanforderung stehen dem Team bei Therapie und Diagnostik die Spezialisten der Polikliniken für Kieferorthopädie und zahnärztliche Prothetik, der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie mit Anbindung an das Traumanetzwerk Ostbayern und der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin zur Seite.

Prävention, Fortbildung, Forschung

Außerhalb der Akutversorgung und der Nachsorge von Zahn- und Kieferverletzungen spielt für die Experten des Zahntraumazentrums die Prävention eine wichtige Rolle. So konnten in den vergangenen Jahren im Projekt „Rettet die Zähne“ mehr als 100 Schulen in Stadt und Landkreis Regensburg sowie alle Rettungsdienste in der Oberpfalz mit „Zahnrettungsboxen“ ausgestattet werden. Wird ein ausgeschlagener Zahn schnellstmöglich darin gelagert, kann er mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder in das Zahnfach zurückgesetzt werden und dort festwachsen. Wie man dabei am besten vorgeht und bei Zahnunfällen Erste Hilfe leistet, erklärten die Mitarbeiter des Zentrums unter anderem den Schulsanitätsgruppen der St.-Marien-Schule in Regensburg sowie des Gymnasiums Neutraubling.
„Uns ist es wichtig, dass wir Kinder und Jugendliche für einen sorgsamen und bewussten Umgang mit ihren Zähnen sensibilisieren. Denn neben ästhetischen Gründen haben die Zähne ein Leben lang viele wichtige Funktionen, etwa für das Kauen und Sprechen, die es zu erhalten gilt“, sind sich Buchalla und Reichert einig.
Neben der Ausbildung von Studenten in Zahntraumatologie finden auch interne Weiterbildungen für die Mitarbeiter der Zahn-, Mund- und Kieferklinik statt. Zudem werden regelmäßig Fortbildungen für externe Zahnärzte angeboten, um das Know-how universitärer Zahnmedizin weiterzugeben und interessierte Zahnärzte über neueste Behandlungsverfahren zu informieren.
Auch zur Forschung trägt das ZTZ bei. Die Erfahrungen aus der Versorgung von 1.000 Patienten werden in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Klinische Studien des UKR wissenschaftlich bewertet und analysiert. „Dadurch können viele wichtige und spannende Fragen beantwortet werden: Wo und wann geschehen die meisten Zahnunfälle? Wie kommt es zum Zahntrauma? Oder welche Personen sind besonders gefährdet?“, erläutert Prof. Dr. Michael Koller, Leiter des Zentrums für klinische Studien am UKR. Dank der Erkenntnisse lassen sich Strategien entwickeln, um weitere Unfälle zu vermeiden, die Erstversorgung vieler Patienten zu verbessern und Folgekosten für Kranken- beziehungsweise Unfallversicherungen zu minimieren.

Mehr Infos finden Sie auf: www.ukr.de/zen tren/Zahntraumazentrum_Regensburg

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