KFO | Schlafmedizin

3. KFO-Symposium in Berlin

„Von analog bis digital – die Facetten der heutigen Kieferorthopädie“

Das 3. KFO-Symposium von Dentaurum fand mit mehr als 200 Teilnehmern im Hotel Sofitel Berlin Kurfürstendamm statt.
DENTAURUM/André Wagenzik

Das 3. KFO-Symposium von Dentaurum fand mit mehr als 200 Teilnehmern im Hotel Sofitel Berlin Kurfürstendamm statt.

Auch dieses Mal gelang es dem Veranstalter, nahezu alle leitenden Direktoren kieferorthopädischen Kliniken aus Deutschland, Österreich und der Schweiz als Referenten zu gewinnen. Prof. Dr. Paul-Georg Jost-Brinkmann von der Charité Berlin führte als Tagungspräsident durch die exklusive Fortbildungsveranstaltung. Unter dem Motto „Von analog bis digital – die Facetten der heutigen Kieferorthopädie“ präsentierten 30 Spitzenreferentinnen und -referenten hochklassige Vorträge

Nach der Begrüßung durch Mark Stephen Pace, Geschäftsleitung der Dentaurum-Gruppe, und Tagungspräsident Jost-Brinkmann eröffnete Prof. Dr. Sabine Ruf aus Gießen den Vortrags-Reigen mit dem Thema RCT (randomized controlled trial) in der Kieferorthopädie. In ihrem Vortrag verriet sie, warum RCTs in der Kieferorthopädie oft nicht möglich sind, welche Alternativen es gibt und mit welchen Argumenten man Kritikern begegnen kann.

Prof. Dr. Tomasz Gedrange aus Dresden stellte Alternativen zur chirurgischen Korrektur der Bisslage von Erwachsenen vor, während Prof. Dr. Michael Wolf aus Aachen der Frage nachging, was Retention leisten kann. Er gab einen Überblick über aktuelle Befunde und aktuell diskutierte Erklärungsmodelle im Zusammenhang mit posttherapeutischen Okklusionsveränderungen unter permanenter Retention.

Den Abschluss des ersten Vortragsblocks bildete das Thema skelettale Verankerung – hier stellte Prof. Dr. Dieter Drescher (Düsseldorf) die Hybrid-Hyrax-Apparatur und die Mentoplate vor, zwei apparative Lösungen, die eine maxilläre Protraktion mit oder ohne Gesichtsmaske ermöglichen.


  • Informationen zu weiteren Veranstaltungen von Dentaurum gibt es unter www.dentaurum.de

Danach ging es weiter mit der interdisziplinären Behandlung. Prof. Dr. Helge Fischer-Brandies aus Kiel sprach über die diagnostische Therapie anhand praktischer Beispiele als zentraler Bestandteil des CMD-Kieler-Konzepts, Prof. Dr. Stefan Kopp aus Frankfurt erklärte, wie man von der CMD zur dauerhaften Funktion gelangt, und Prof. Dr. Dr. Heiner Wehrbein (Mainz) beschloss den zweiten Vortragsblock mit den vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Kieferorthopädie und Parodontologie.

Nach intensivem Erfahrungsaustauch unter Kollegen folgten weitere vier interessante Vorträge zur interdisziplinären Behandlung. Prof. Dr. Dr. Peter Proff aus Regensburg widmete sich der Frage, ob Kieferorthopädie und Parodontologie ein Widerspruch seien und stellte bekannte Zusammenhänge zwischen Dysgnathie, kieferorthopädischer Therapie und Parodontalbefund anhand von Erkenntnissen der Grundlagenforschung und klinischen Studien vor. Prof. Dr. Philipp Meyer-Marcotty (Göttingen) präsentierte kieferorthopädisch/interdisziplinäre Aspekte speziell für das Altersspektrum 50plus und stellte Schnittstellen zu allgemeinzahnmedizinischen Patientenfällen unter Berücksichtigung parodontaler Verhältnisse vor.

Prof. Dr. Angelika Stellzig-Eisenhauer aus Würzburg betonte, wie wichtig die interdisziplinäre Vernetzung und Zusammenarbeit mit der Prothetik, Zahnerhaltung, Parodontologie und Oralchirurgie im Zusammenhang mit Erwachsenenkieferorthopädie ist, während Prof. Dr. Franka Stahl aus Rostock sich mit der prächirurgischen Kieferorthopädie bei Patienten mit Lippen-, Kiefer- Gaumen- und Segelspalten beschäftigte. Sie gab einen Überblick über das vorhandene Wissen im Hinblick auf die Effekte der prächirurgischen Kieferorthopädie bei der Behandlung von neugeborenen Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte und stellte eine neu entwickelte dreidimensionale Methode zur Analyse der Effizienz der prächirurgischen Kieferorthopädie bei Neugeborenen mit nicht syndromaler einseitiger Lippen-Kiefer-Gaumenspalte vor.

Milch- und permanentes Gebiss

Prof. Dr. Andreas Jäger aus Bonn begann mit der Differenzialdiagnostik und Klinik von Zahndurchbruchstörungen bei retinierten und ankylosierten Milchmolaren. Anhand von klinischen Fallbeispielen demonstrierte er die typischen klinischen Folgen mit Auftreten von Infraokklusion der betroffenen Zähne und vertikalen Defekten im Bereich der Alveolarfortsätze. Klinische Tipps gab auch Prof. Dr. Christopher Lux (Heidelberg) zum kieferorthopädisch-interdisziplinären Management bei Nichtanlagen und dem Verlust bleibender Zähne. Er ging darauf ein, wie bei Patienten mit Nichtanlagen ein kieferorthopädischer Lückenschluss in eine Gesamtbehandlung integriert oder wie bei symmetrischem/asymmetrischem kieferorthopädischen Lückenschluss unter Einbeziehung restaurativer/prothetischer Maßnahmen ein ästhetisch optimales Ergebnis erreicht werden kann.

Prof. Heike Korbmacher-Steiner aus Marburg referierte über KfO-Frühbehandlungen. Am Beispiel ausgeprägter klinischer Variationen hinsichtlich der Anatomie und/oder Funktion wird die Physiologie der (dentalen wie auch skelettalen) Formgebung verdeutlicht. Wachstumsprozesse können durch anatomische und/oder funktionelle Variationen überlagert und auf funktioneller, dentaler und/oder skelettaler Ebene beeinflusst werden. Prof. Dr. Bärbel Kahl-Nieke aus Hamburg ging der Frage nach, ob Mundgesundheit durch frühe Kieferorthopädie doch nur Kinderquälerei sei.

Großartige Location – tolle Stimmung

In der Großen Orangerie im Schloss Charlottenburg trafen sich die Symposium-Teilnehmer bei bester Stimmung und schönstem Wetter, um gemeinsam den ersten Fortbildungstag ausklingen zu lassen. Bei musikalisch umrahmten kulinarischen Gaumenfreuden blieb genug Zeit für anregende Gespräche und Diskussionen.

Am Samstagmorgen war der Vortragsaal bereits um 8.45 Uhr bis auf den letzten Platz gefüllt. Den Einstieg übernahm Prof. Dr. Ariane Hohoff (Münster) mit ihren Beobachtungen zu Auswirkungen von Extraktionen auf das Profil. Sie zeigte diverse Fallbeispiele aus der Lingualtechnik, die den individuell sehr unterschiedlichen Einfluss von Extraktionen auf das Profil verdeutlichten.

Prof. Dr. Adriano Crismani aus Innsbruck sprach über Retentionen und Rezidive, indem er den aktuellen Stand des Wissens aus der Literatur, klinischen Situationen und unterschiedlichen Methoden der Retention aufzeigte, diskutierte und anhand klinischer Fällen veranschaulichte.

Sinn und Unsinn der 3-D-Röntgendiagnositk stellte Prof. Dr. Bert Braumann aus Köln vor und kam zu dem Schluss, dass wie bei jeder Röntgenuntersuchung auch bei der Anwendung der neuen 3-D-Röntgentechniken gilt, dass eine rechtfertigende Indikation nur dann besteht, wenn der diagnostische Nutzen das Strahlenrisiko überwiegt. Prof. Dr. Dr. Robert Fuhrmann (Halle) berichtete über das, was niemand möchte: Rechtsstreit in der Kieferorthopädie. In einer retrospektiven Analyse von 189 Streitsachen bei Gerichten in den Jahren 2004 bis 2018, wurden die klinischen Fehler analysiert. Ziel dieses Vortrags war es, die Ursachen für ein Scheitern von KfO-Therapie und/oder die Verurteilung von Kieferorthopäden unter klinischen Gesichtspunkten zu katalogisieren.

Nach einer kurzen Pause gab Prof. Dr. Britta Jung aus Freiburg ein Update zur Kieferorthopädie in Theorie und Praxis und informierte über Entwicklungen und Trends in der Kieferorthopädie vor dem Hintergrund aktueller Literatur. Prof. Dr. Bernd Koos, Tübingen, erörterte, ob Schnarchen im Kindesalter ein Risiko für ein obstruktives Schlafapnoesyndrom im Erwachsenenalter darstellt.

Den ersten englischsprachigen Vortrag hielt Prof. Dr. Carlalberta Verna aus Basel mit „Asymmetric Mechanics“. Prof. Dr. Theodore Eliades aus Zürich wagte, was orthodontische Materialien betrifft, einen Blick in die Zukunft und Prof. Dr. Stavros Kiliaridis aus Genf gab eine Antwort auf die Frage, ob okklusale Friktion existiert. Prof. Dr. Andrea Wichelhaus (München) sprach über das Thema Torque-Übertragung und Prof. Dr. Bernd Lapatki aus Ulm ging zum Schluss des vorletzten Vortragsblocks auf die Informationen ein, die dem Kieferorthopäden über Kraft- und Drehmomenthöhe bei der Zahnbewegung zur Verfügung stehen. Er resümierte, dass der Kieferorthopäde im klinischen Alltag sich auch heute noch weitgehend auf Daten von In-vitro-Untersuchungen oder Simulationen von Zahnbewegungen im Zwei-, Drei- oder Multibracketmodell sowie auf sein Gefühl und seine klinische Erfahrung verlassen muss.

Am Ende des Symposiums wurde es digital. Prof. Dr. Erwin Jonke aus Wien berichtete über die digitale Zahnspange, im speziellen Aligner, und erörterte den digitalen Workflow, die 3-D-Planung und die Behandlung mit Alignern mittels Fallbeispielen. Alignertherapie war auch Thema von Prof. Dr. Karl-Friedrich Krey aus Greifswald. Basierend auf den Erfahrungen der letzten fünf Jahre stellte er sein Konzept und praktische Tipps im Umgang mit Hard- und Software sowie verschiedenen 3-D-Druckern vor.

Ass.-Prof. Margit Pichelmayer (Graz) berichtete über ihre Forschungsergebnisse zu 3-D- druckbaren elastischen Folien. Die Ehre, den Schlussvortrag des 3. KFO-Symposiums in Berlin zu halten, hatte Prof. Dr. Dr. Collin Jacobs aus Jena mit der translatorischen Forschung in der Kieferorthopädie.

Gelungenes Symposium, hervorragender Tagungspräsident

Das Teilnehmer-Feedback der war durchweg positiv. Alles passte, ein toller Veranstaltungsort, direkt am Kurfürstendamm, ein wunderschöner Abend in der Großen Orangerie, ein perfekt zusammengestelltes Programm mit erstklassigen Vorträgen und Referenten. Zu guter Letzt ein hervorragender Tagungspräsident, Prof. Paul-Georg Jost-Brinkmann aus Berlin, der mit viel Witz und Charme die Besucher durch das Programm führte und sehr umsichtig die Diskussionen leitete. Trotz des straffen Programms hatten die Teilnehmer ausreichend Gelegenheit, sich in den Pausen mit ihren Kollegen auszutauschen. „Ein klasse Event", so die einhellige Meinung der Gäste mit dem Wunsch nach Wiederholung.

Hans-Ulrich Winter, Ispringen

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