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Der Kommentar

Impfung gegen COVID-19: Wo, wer und durch wen?

Von Chefredakteur Marc Oliver Pick
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Von Chefredakteur Marc Oliver Pick

Noch nie wurden im Nachkriegsdeutschland bundesweit derartig viele Gebäude kurzfristig einer komplett anderen Nutzung gewidmet als gerade jetzt. 304, das ist die Zahl der bisher realisierten und geplanten Impfzentren (Stand 7. Dezember), in denen rund 60 Prozent der deutschen Bevölkerung demnächst gegen COVID-19 geimpft werden sollen – dazu zählen leerstehende Kaufhausfilialen ebenso wie Messehallen, Bürgerzentren und Turn- und Schützenhallen etc. Hinzukommen werden zahlreiche Behelfsbauten, die nur zu diesem einen Zweck errichtet werden. In manchen Bundesländern ist geplant, in diesen Impfzentren sieben Tage die Woche zwischen 7 Uhr morgens und 22 Uhr abends zu impfen, was das Zeug hält.

Neben diesen stationären Impfzentren sollen mobile Impfteams Alten- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser aufsuchen, um vulnerable und oft gleichzeitig immobile Bevölkerungsgruppen zu impfen.

Impfung zunächst nur für vulnerable Gruppen

Aus nachvollziehbaren Gründen stehen nicht für alle genügend Impfdosen bereit. Deshalb haben Stiko, Deutscher Ethikrat und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina eine gemeinsame Empfehlung formuliert, dass zunächst hochvulnerable Bevölkerungsgruppen, ­alle die mit der Pflege dieser Gruppen befassten Berufsgruppen wie Pflegepersonal, Ärzte und ärztliches Personal sowie ­Berufsgruppen, die für die Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Lebens notwendig sind, geimpft werden sollen. Eine Rechtsverordnung des BMG, wer wann Anspruch auf eine Impfung haben soll, wird am 15. Dezember erwartet.

Für die Impfungen sind an vorderster Front (niedergelassene) Ärztinnen und Ärzte sowie ihr Fachpersonal gefragt. Angesichts der schieren Menge von Impfungen und der dafür benötigten Zeit (Aufklärung plus Impfung plus Nachbeobachtung) muss man sich allerdings fragen, wer in dieser Zeit die ambulante Gesundheitsversorgung übernehmen soll. Es ist deshalb das richtige Signal, dass die zahnärztlichen Körperschaften ihre Bereitschaft zur Unterstützung der größten Impfaktion aller Zeiten erklärt haben, falls dies nötig werden sollte.

Impfbereitschaft hat leicht nachgelassen

Ein letzter Punkt ist die Impfbereitschaft. Eine Impfpflicht soll es nicht geben, es läuft also auf Freiwilligkeit hinaus. Und ­aktuell ist zu beobachten, dass die Impfbereitschaft nachlässt, wenn auch leicht. Ein knappes Drittel der Deutschen will sich derzeit „wahrscheinlich nicht“ oder auf gar keinen Fall impfen lassen. Das würde zurzeit noch zu dem Ziel passen, dass für die Herdenimmunität rund zwei Drittel der Bevölkerung geimpft werden müssen.

Auch sind es nicht alles „echte“ Impfgegner, die skeptisch sind. Viele wollen einfach abwarten, ob nach einer Impfung nicht doch schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten, bevor sie sich impfen lassen wollen. Es besteht also noch Aufklärungsbedarf, worin sich die verschiedenen Impfstofftypen unterscheiden und welche Faktoren zu einer Beschleunigung der ­Zulassung beigetragen haben.

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