Parodontologie

Gewebe mithilfe von Stammzellen regenerieren

Miller-Preis 2018 für PD Dr. Susanne Proksch

PD Dr. Susanne Proksch erläutert ihre Forschungsergebnisse.
Spillner

PD Dr. Susanne Proksch erläutert ihre Forschungsergebnisse.

„Molekulare und zelluläre Aspekte der Regeneration parodontaler Hartgewebe“ – für ihre Habilitation aus dem Bereich der regenerativen Parodontologie hat die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) PD Dr. Susanne Proksch, Universität Freiburg, mit dem Miller-Preis 2018 ausgezeichnet. Im Rahmen des Deutschen Zahnärztetags überreichte der DGZMK-Vorsitzende Prof. Dr. Michael Walter den bedeutendsten Preis der Gesellschaft an die Wissenschaftlerin, die im Anschluss ihre Arbeit dem Plenum präsentierte.

"Ein spannender Perspektivwechsel"

Proksch erforschte in ihrer grundlagenorientierten Arbeit, wie sich Stammzellen aus dem Knochenmark dazu einsetzen lassen, Gewebe wie den Zahnhalteapparat oder die Zahnpulpa zu regenerieren. Dazu untersuchte sie in vitro, wie sich die Stammzellen verhalten, wenn äußere Faktoren auf sie einwirken und wie sie mit Zellen aus dem Zahnhalteapparat und Knochenzellen aus dem Kiefer interagieren.

Das sei der neue Aspekt ihrer Arbeit, erläuterte Proksch: Dazu, wie Stammzellen sich verhalten, gebe es bereits einige Literatur. Aber wie sich die Zellen im umliegenden Gewebe verhalten, wenn Stammzellen anwesend sind, das sei Neuland, für die Wissenschaftlerin „ein spannender Perspektivwechsel“.

Stammzellen locken Knochenzellen an

Einer, der neue Erkenntnisse bringt. So konnte beispielsweise gezeigt werden, dass die Differenzierungsleistung von Knochenmarkstammzellen entscheidend von der Verteilung der ihnen angebotenen Anheftungspunkte abhängt.

Eine weitere Haupterkenntnis ist, dass die ortsständigen parodontalen Gewebezellen in Anwesenheit von Stammzellen maßgeblich zur besseren Gewebsregeneration beitragen. Durch Ausschüttung eines Wachstumshormons locken Stammzellen Knochenzellen an, steigern ihre Überlebensfähigkeit und regen sie an, Knochengewebe zu bilden.

Ein wertvolles Nutzungspotenzial der Forschungsergebnisse, die sich auf viele Teilgebiete der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde übertragen lassen, besteht laut Proksch darin, sie in die Entwicklung von konfektionierten und stammzelloptimierten Trägermaterialien einfließen zu lassen. Man könnte den Stammzellen diejenigen Umgebungsreize anbieten, die eine Hartgewebsbildung favorisieren.

Weitere Auszeichnungen

Die wissenschaftliche Bedeutung der Arbeit zeigen weitere Auszeichnungen. 2017 hatte Proksch den Mathilde-Wagner-Preis für die beste Habilitation der Medizinischen Fakultät der Uni Freiburg erhalten. Zudem ist sie als erste und bislang einzige Teilnehmerin aus der Zahnmedizin in das „Eliteprogramm“ der Baden-Württemberg-Stiftung aufgenommen worden.