Zahnmedizin

Miniimplantate

Minimal-invasiv für Profis und Newcomer

Geringes Knochenangebot? Begrenzte finanzielle Mittel? Mit Miniimplantaten können dennoch viele Patienten von den Vorteilen der modernen Implantologie profitieren. In Fachkreisen hat sich um dieses spannende Themenfeld eine Community gebildet, die einen regen Gedankenaustausch zwischen erfahrenen Anwendern und Newcomern lebt.

Einer der Profis ist Dr. Jochen Hilgert, der Newcomern als erfahrener Anwender des Miniimplantat-Systems MDI der condent GmbH aus Hannover gern mit Rat und Tat zur Seite steht. Hilgert ist bekannt für seine umfassende Dokumentation von Fällen aus der eigenen Praxis in Drensteinfurt.

So hat er beispielsweise mehr als 500 MDIs bei mehr als 170 Patienten in seiner eigenen Praxis ausgewertet und in einer persönlichen Erfolgsstatistik auf einem Symposium vorgestellt. Dabei ging er über die Stabilisierung von Unter- und Oberkieferprothesen hinaus und schloss insbesondere die erweiterte Indikation „Stabilisierung herausnehmbarer Teilprothesen“ (zum Beispiel Pfeilervermehrung bei Teleskoparbeiten) ein: Unter Verwendung von Miniimplantaten lässt sich die gesamte klinische Situation mit geringem Aufwand verändern. Die Lebensdauer des vorhandenen Zahnersatzes erhöht sich deutlich, und schon nach einem halben Jahr festigen sich die verbliebenen natürlichen Zähne.

Patientenwunch nach schonenden Behandlungsalternativen

Ein generell stärkerer Wunsch unter heutigen Patienten nach schonenden Behandlungsalternativen, der demographische Wandel und weitere Zukunftstrends führen in der zahnärztlichen Implantologie auf geradem Wege zu MDI. Als Ergänzung zu den bekannten Miniimplantaten wurde zum Beispiel ein besonders kleines Miniimplantat mit 11 Millimetern Länge und ein besonders großes mit 3 Millimetern Durchmesser eingeführt. Zum Vergleich: Die Durchmesser des bisherigen Sortiments reichen von 1,8 bis 2,4 Millimeter.

Das 11-Millimeter-Miniimplantat eignet sich insbesondere für die temporäre Fixierung einer provisorischen Versorgung während der Einheilphase konventioneller Implantate. Für Einzelzahnversorgungen in schmalen Lücken – so schmal, dass klassische Implantate hier keinen Platz finden – steht das 3-Millimeter-Implantat zur Verfügung.

Start in die minimalinvasive Implantologie

Das Grundprinzip ist bei allen Ausführungen gleich: Mit mindestens vier MDIs im Unterkiefer oder mindestens sechs im Oberkiefer lässt sich ein zuverlässiger Halt der Prothese realisieren. Die mit Kugelköpfen ausgestatteten Miniimplantate schnappen in Gummiringe ein, welche sich in Metallgehäusen in der Prothese befinden – ein genialer Druckknopf-Mechanismus. Die betreffenden Patienten erhalten nicht nur ihre uneingeschränkte Kaufunktion zurück, sondern gewinnen zusätzlich eine beträchtliche Portion Sicherheit und Selbstwertgefühl.

Ein wichtiger Vorteil des Systems: Die Gummiringe (O-Ringe) in den Gehäusen sorgen für eine Abfederung der auf die Versorgung einwirkenden Kräfte. Dies bezeichnet man auch als Soft-Loading-Konzept. Es dürfte nach Anwender-Einschätzung einen wesentlichen Beitrag zu den beobachteten Langzeiterfolgen leisten.

Wer heute in die minimal-invasive Implantologie einsteigt, wird die Chancen der beiden zusätzlichen MDIs gleich von Anfang an in sein Therapiekonzept einbeziehen – und einer Vielzahl von Patienten ein hohes Maß an Lebensqualität zurückgeben.

Wissenschaftlich abgesichert

Die Chancen der minimal-invasiven Implantologie sind in der Praxis vielfach erprobt. Die Erfolgsraten von MDI bei Unterkieferprothesenstabilisierung sind zudem wissenschaftlich gut belegt (mittelfristig über 90 Prozent). Das Studienprotokoll einer Untersuchung zur Indikation „Stabilisierung von herausnehmbaren Teilprothesen“ durch Mundt et al. wurde hochrangig veröffentlicht, wobei Dr. Jochen Hilgerts Tochter Dr. Janina Hilgert als Koautorin beteiligt war.

Was einmal mehr zeigt: Ihren Erfahrungsschatz geben gestandene MDI-Anwender an die nächste Generation weiter, wo er neue Früchte hervorbringt. Das kann auch innerhalb von „Zahnarzt-Familien“ stattfinden.

Dr. Christian Ehrensberger, Frankfurt am Main