Zahntechnik

Zirkonoxid

Kleine Dos & Don'ts

Zahntechnik in der Praxis
DKZ / Anneke Echterhoff

Der Arbeitsalltag beschreibt einen täglich gleichförmigen Ablauf bei der Arbeit. Doch wer denkt, dass es solch einen Arbeitsalltag nicht in einem Dentallabor geben kann, da ja alle Arbeiten individuell sind, irrt. Denn auch wenn die Arbeiten selbst sehr individuell sind, sind manche Fertigungsprozesse um den fertigen Zahnersatz herzustellen, immer die Gleichen. Hier hat die Digitalisierung zwar einiges verändert, aber das wäre ein anderes Thema. Denn auch in der Digitalisierung schleichen sich mittlerweile routinierte Routinen ein. Und wenn man von einer Routine spricht, heißt es nicht immer, dass alles richtig und so am Besten ist. Denn genau bei solchen routinierten Arbeitsschritten können schnell Fehler passieren, weil man entweder unachtsam ist, keiner kontrolliert hat oder weil man es einfach nicht besser weiß.
So kann man sich manche Prozesse in der Zahntechnik wie ein Domino-Effekt vorstellen: Wenn man was am Anfang falsch macht, hat es eventuell Auswirkungen auf einen späteren Arbeitsschritt. 

Deshalb haben wir hier ein paar Tipps und Tricks aufgelistet, die vielleicht helfen, sensibilisieren oder einfach nur zum auffrischen.

Die Vorbereitung

Ob man nun das Model in Gips herstellt oder ob man es druckt, es gibt einige Sachen die man beachten sollte:

  • Verwendung von scanfähigem Gips beziehungsweise CAD/CAM-Modellmaterial
  • Präparationsrand keinesfalls vor dem Scannen mit einem Stift markieren, dies führt zu einer Verschlechterung der Scanergebnisse
  • scharfe Kanten sollten in der CAD-Software ausgeblockt werden
  • Unterschiedliche Stumpffarben beachten, immer nachfragen, ob der Stumpf verfärbt ist. Bei stark verfärbten Stümpfen sollte eher ein opakes Material gewählt werden. Bei transluzenteren Materialien ist ein Opaker oder opakes Befestigungsmaterial erforderlich.
Scanvorgang
stock.adobe.com/ sunlight19

Bei der Konstruktion/CAD-Software

Wenn das Modell nun hergestellt ist und man es gescannt hat, wird man wohl nun anfangen die Krone, Brücke oder Anderes zu designen. Hier gibt es einiges bei der Konstruktion das man falsch machen kann, deshalb hier einige Tipps:

  • auf Mindeststärke achten
  • ausreichend dicke Wandstärke (0,5–0,7mm) 
  • auch beim Verbinderquerschnitt Mindeststärke beachten
  • scharfe Kanten und Ecken sollten vermieden werden 
  • höckerunterstützendes Design 
  • bei einer Konstruktionen mit Approximalkontakten empfiehlt sich eine Unterstützung für die Verblendkeramik
  • verkleinerte anatomische Kronenform
  • stabile Verbinder
  • variierende Wandstärken vermeiden> Vor allem bei sehr transluzentem Zirkonoxid hat die Wandstärke großen Einfluss auf die Farbwirkung
  • zu steil gewinkelte Koronarflächen der Kronenkappe vermeiden, da die Verblendung sonst zu gering abgestützt wird
  • zum Schluss nochmal alles Glätten
Negativbeispiel einer Konstruktion in CAD
DKZ / Anneke Echterhoff

So bitte nicht! - Mal eine kleine Darstellung wie es nicht konstruiert werden sollte. 

Augen auf beim Nesting

Auch beim nesten können Fehler gemacht werden, die dazu führen können, dass die Fräsmaschine erneut gestartet werden muss...

  • keine zu niedrige Restauration in einen zu hohen Rohling und umgekehrt nesten, da sonst die Proportionen nicht mehr stimmen
  • wenn es sich bei dem material um einen Multilayer-Rohling handelt, sollte man dies beim nesten unbedingt beachten
  • bei einer großen Konstruktion (Hufeisen,etc.,) Empfiehlt sich ein Stabilisator
  • Sinterdrops platzieren, wenn nötig
  • nicht zu nah am Rand nesten
Im linken Bild wird der Rohling nicht optimal genutzt. Das rechte Bild zeigt, dass die Konstruktion zu hoch ist, hier sollte dann ein höherer Rohling verwendet werden.
DKZ / Anneke Echterhoff

Im linken Bild wird der Rohling nicht optimal genutzt. Das rechte Bild zeigt, dass die Konstruktion zu hoch ist, hier sollte dann ein höherer Rohling verwendet werden.

Nachbearbeitung vor dem Sintern

Das man nicht nur nach dem Festphasen sintern ein Zirkongerüst ausarbeiten kann um etwas Struktur reinzubringen, ist vielleicht Neuland für manche, da man das Bearbeiten eigentlich auf ein Minimum beschränken sollte, um Materialbeschädigung zu vermeiden. Hierbei ist auch eine umsichtige Handhabung wichtig, das weiß jeder der schon mal ein Zirkongerüst in der Hand hatte.

  • zum Heraustrennen Turbine (trocken) oder gewartetes Handstück verwenden, um Unwuchten zu vermeiden
  • Gerüst zum Beispiel mit einer feinen, kreuzverzahnten Hartmetallfräse vorsichtig aus dem Rohling trennen
  • ein Extra-Set nur für Zirkon-Rohbearbeitung anlegen
  • Mindestwandstärke und Verbinderquerschnitte keinesfalls unterschreiten
  • die Bildung eines Keils vermeiden
  • schonend und kleinflächig bearbeiten
  • Fräsobjekte sollten nach dem Heraustrennen von allem Frässtaub entfernt werden, Pinsel

Wird die Oberfläche zu stark poliert, kann das dafür sorgen, dass Liquid nicht mehr richtig aufgenommen wird.

Zirkonbearbeitung
DKZ / Anneke Echterhoff

Sintern

Vor dem Sintern sollte man darauf achten, dass die Färbeflüssigkeit vollständig getrocknet ist, wenn nicht kann das den Sinterofen schneller verschmutzen.
Erst nach dem Sintern, bei einer Temperatur von über 1.350 °C erreicht der Werkstoff (je nach Material) seine Dichte, seine definitiven mechanischen Eigenschaften, seine Farbe und die finale Festigkeit, auch Dichtsintern genannt. So sollte die Sintertemperatur nicht verändert werden, da sich das auf die Festigkeit, die Farbe sowie die Transluzenz des Materials auswirken kann.

Um eine konstante Temperatur aufrecht zu erhalten, sollte der Sinterofen regelmäßig gewartet und in festen Intervallen kalibriert werden. Genauso sollte darauf geachtet werden, dass Kontamination im Ofen durch Fremdmaterialien, zum Beispiel Rückstände von Färbeflüssigkeiten vermieden werden.

So gilt:

  • regelmäßig Reinigen
  • Sinterperlen und Sinterpulver regelmäßig tauschen
  • zu kurze Abkühlphase beim Sintern vermeiden

Zudem sollte man die Temperaturen generell im Auge behalten, gerade auch beim Erwärmen und Abkühlen des zu sinternden Objektes. Eine Erwärmung zwischen Raumtemperatur und 900° C ist für die Restauration unproblematisch. Dagegen sind Aufheizraten ab 900 °C auf Maximaltemperatur sowie von der Maximaltemperatur bis zur Haltezeit, die Beständigkeit der Temperatur während der Haltezeit und die Abkühlgeschwindigkeit auf etwa 900 °C sensibel und kritisch zu sehen. 

Sinterperlen Rohling
DKZ / Anneke Echterhoff

Nachbearbeitung/nach dem Sintern

Auch die Nachbearbeitung nach dem Sinterprozess, sollte auf ein Minimum beschränkt werden. Denn durch unsachgemäßes und massives Beschleifen von einem Zirkonoxid-Gerüst können Strukturschäden innerhalb des Materials auftreten.

  • Bearbeitung mit Wasserkühlung (Labor-Turbine)
  • niedriger Anpressdruck und noch gute, bzw. neue Diamanten verwenden
  • eine Bearbeitung mit Steinchen vermeiden
  • Wärmeentwicklung vermeiden
  • die Brückenglieder nie mit einer Trennscheibe bearbeiten
Diamantfräse
DKZ / Anneke Echterhoff

Wenn man verblendet...

Auch vor dem verblenden gibt es einige Dinge zu beachten, wenn es um das Zirkongerüst geht.

  • Vor dem verblenden muss das Gerüst sorgfältig gereinigt werden
  • Das Reinigen im Ultraschallbad ist dem Abdampfen vorzuziehen
  • Ein Heilungs- beziehungsweise Regenerationsbrand wird empfohlen

Da Zirkonoxid eine schlechte Benetzbarkeit aufweist, ist es ratsam, das Gerüst zur Erhöhung der Oberflächenspannung mechanisch vorzubehandeln. Hier empfiehlt sich eine behutsames abstrahlen mit Korund (Aluminiumoxid 50 µm/<1 bar) oder ein sanftes Abstrahlen mit siliziumbeschichtetem Aluminiumoxid (Rocatec/CoJet).

  • darauf achten, dass bei einer dünnen Wandstärke einer Kronenkappe keine allzu dicke Verblendschicht aufgetragen wird (nicht mehr als 1,5 mm) 
  • unterschiedliche Schichtstärken vermeiden
  • zu schnellen Temperaturanstieg beim Hochheizen vermeiden
  • zu schnelles Abkühlen vermeiden
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