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Tarifverhandlungen

Verband schlägt Alarm: Schließen Arztpraxen bald aus MFA-Mangel?

Seit Jahren besteht ein zunehmender Mangel an qualifiziertem Fachpersonal in den Arztpraxen. Der Beruf der MFA ist zwar immer noch unter den Top Ten aller Ausbildungsberufe in Deutschland, er erscheint aber immer weniger erstrebenswert, schreibt der Verband medizinischer Fachberufe e.V. (VMF) in einer Pressemeldung.

Arzthelferin mit Arzt beim Verbandanlegen
ALPA PROD/Shutterstock.com

Medizinische Fachangestellte werden gebraucht, sie sichern im Team mit den Ärzten die medizinische Versorgung auf dem Land. Deshalb setzt sich der Verband medizinischer Fachberufe für eine Tarifangleichung ein.

Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahrs werde das besonders deutlich: „Die Zahlen der Auszubildenden bleiben zwar auf einem hohen Niveau, aber viele wandern nach der Ausbildung in besser bezahlte Jobs ab“, erklärt VMF-Präsidentin Carmen Gandila. MFA werden aber mehr denn je zur Entlastung der Ärzte gebraucht. Davon ist Gandila überzeugt: „Sie übernehmen besonders in den ländlichen Gebieten Hausbesuche und sichern so im Team mit den Ärzten die medizinische Versorgung auf dem Land.“

Politik bei Tarifen in der Pflicht

Dr. med. Christoph Kaltenmaier, Allgemeinarzt in Aglasterhausen, teilt laut der Pressemeldung die Einschätzung des VMF: „Sollte es bei den jetzigen Tarifverhandlungen zu einer finanziellen Verschlechterung der MFA kommen, wird sich die Situation weiter dramatisch zuspitzen, insbesondere im ländlichen Raum.“ Hier sei die Politik gefragt, erklärt Kaltenmaier, denn schuld sei die unterschiedliche Finanzierung: „Jetzt schon nehmen viele der MFA, die bei niedergelassenen Ärzten ausgebildet wurden, deutlich besser bezahlte Stellen an Krankenhäusern an. Die niedergelassenen Ärzte finanzieren den MFA-Tariflohn aus einem absolut inakzeptablen Orientierungswert im EBM (gesetzliches Ärztehonorar), die Krankenhäuser zahlen einen durch Steuern finanzierten Tarif, der bereits im ersten Arbeitsjahr um mehrere hundert Euro höher angesetzt ist als im ambulanten Bereich.“

Unterschiedliche Vergütung in Zahlen

Zum Vergleich liefert der VMF in der Pressemeldung auch die Zahlen: Im aktuellen Tarifvertrag für MFA von 2016, der seit Februar zwischen dem VMF und der Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen/Medizinischen Fachangestellten (AAA) neu verhandelt wird, beginnen Berufsanfänger in Tätigkeitsgruppe I mit 1.725,22 Euro, die dual finanzierten Krankenhäuser boten nach dem Tarifvertrag öffentlicher Dienst (TVöD), Bereich Kommunen, als Einstiegsgehalt in der vergleichbaren Gruppe E5 2.197,47 Euro, seit 01. Juli 2017 sind es 2.249.11 Euro.

Allgemeinarzt Kaltenmaier warnt: „Wenn diese Politik weiter anhält, werden bald keine MFA mehr für die niedergelassenen Ärzte zu finden sein. Damit ist die medizinische Versorgung in der Fläche massiv bedroht. Es ist dringlich eine Tarifangleichung zu fordern.“ Wenn diese nicht mit den Tarifpartnern zu erreichen sei, müsse die Politik eingreifen, um die weitere medizinische Versorgung in Deutschland zu gewährleisten.


Update: Tarifpartner haben sich in dritter Runde geeinigt

In der dritten Tarifrunde am 1. August 2017 haben der Verband medizinischer Fachberufe e.V. (VMF) und die Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen/Medizinischen Fachangestellten (AAA) einen Abschluss erzielt. Sie einigten sich in Berlin auf Änderungen im Mantel- und im Gehaltstarifvertrag.

Wie der VMF in einer Pressemitteilung erklärt, haben die Verhandlungspartner allerdings bis zum Ende der Erklärungsfrist – am 5. September 2017 –  vereinbart, Stillschweigen zu wahren. Bis dahin haben sie außerdem die Möglichkeit, dem Ergebnis zu widersprechen.