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Die Generationen X und Y haben unterschiedliche Ansprüche

Generationen
Volker Witt - stock.adobe.com

Gegenseitiges Verständnis führt zu einer guten Zusammenarbeit.  

In der Zahnarztpraxis arbeiten meist zwei Generationen: Mitarbeiter, die älter sind als 40 (Generation X) und Kollegen, die jünger sind (Generation Y). Zwei Generationen haben häufig verschiedene Meinungen, unter denen die Zusammenarbeit leiden kann.

Die Junioren haben einen anderen Arbeitsstil als die Älteren, sind dynamisch und wollen das Rad neu erfinden. Dabei vergessen sie, dass ältere Kollegen das früher auch probiert haben. Der ältere Mitarbeiter merkt nicht, dass er vergangenheitsorientiert ist, häufiger zurückblickt als nach vorne. Nach außen hin gibt sich jede Generation tolerant, was mit der inneren Einstellung nicht immer übereinstimmt. Jede Generation erwartet das Verständnis der anderen. Dabei sind es persönliche Eigenarten, die der Zusammenarbeit im Weg stehen.

Generation X - typisch für Ältere

Ab wann ein Mitarbeiter, wenn auch ungewollt, zu den Senioren zählt, hängt stark von seiner eigenen Einschätzung ab, von der Motivation, dem Gesundheitszustand und den Möglichkeiten einer positiven Zusammenarbeit mit der jungen Generation. Wer das Gefühl hat, gebraucht zu werden, ist leistungsfähig und findet Anerkennung bei jüngeren Patienten.  
Zu den positiven Merkmalen zählt die mit zunehmendem Alter wachsende Berufserfahrung, aber auch die Urteilsfähigkeit und das selbständige Denken bei der Arbeitseinteilung. Aufgrund der „Weisheit des Alters“ vertreten Personen der Generation X in Diskussionen hartnäckig ihre Meinung. Spontane Entscheidungen sind nicht ihre Stärke, sie überlegt lieber gründlich. Nach Jahren der Erfahrung haben die Älteren einen großen Überblick und erfassen Zusammenhänge bei der täglichen Arbeit zwar nicht schneller, aber treffender. Arbeitsmediziner meinen, dass mit zunehmendem Alter die Zahl derjenigen wächst, die ihren Gesundheitszustand selbst als gut oder sehr gut einschätzen. Wer sich zu früh in den Ruhestand begibt, nimmt viel Erfahrung mit. Durch Teilzeitarbeit oder altersgerechte Arbeitseinteilung kann man sich bei Personalengpässen und in der Urlaubszeit sinnvoll beschäftigen. Wer älter ist, überschätzt aber auch seine Fähigkeiten, will nicht wahrhaben, dass sich die Leistung mit zunehmendem Alter wandelt.
Zunehmende Fähigkeiten sind fundierte Berufs- und Lebenserfahrung, Expertenwissen durch langjährige Praxis, große Zuverlässigkeit, großes Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein, ausgeprägte Kundenorientierung, abgewogene Urteilskraft, Ausgeglichenheit, Fleiß und Disziplin. Abnehmende Fähigkeiten sind Stressstabilität, Reaktionstempo, Flexibilität, Dauerbelastung, Arbeiten unter Termindruck und Toleranz.
Ältere sind lernfähig, aber kritisch mit allem, was ungewohnt, neu oder unbekannt ist. Da sich Umstellung oder Lernfähigkeit mit zunehmendem Alter ändern, muss bei der Eingewöhnung auf diese Situation Rücksicht genommen werden. Oft sind es auch die Betroffenen selbst, die sich zu viele Gedanken über ihr Alter machen, die Probleme bei Veränderungen auf sich zukommen sehen. Es kommt darauf an, wie man sich den Anforderungen stellt.


Wer älter ist, wünscht sich:

• Volle Akzeptanz der jungen Generation
• Stressfreies Arbeitstempo
• Vertrauen in die Leistungsfähigkeit
• Gute Beziehungen zu Stammpatienten  
• Wertschätzung und Toleranz der eigenen Meinung


Generation Y - typisch für Jüngere

Sie gehören zur IT-Generation, stellen Althergebrachtes gerne in Frage und sind von den eigenen Ideen überzeugt. Jüngere halten zusammen, brauchen aber die Anerkennung und Bestätigung der älteren Kollegen, um sich zu orientieren. Sie wollen Verantwortung übernehmen, sind ungeduldig und drängen nach vorne, obwohl noch Erfahrung fehlt. Weil sie sich erst bewähren müssen, strengen sich an, um „Bonuspunkte“ zu sammeln. Sie überschätzen nicht nur ihre Fähigkeiten und Fachwissen, sondern erwarten, dass man ihre Fehler akzeptiert. Da heißt es, dem Nachwuchs Fehler zu verzeihen ohne nachtragend zu sein. Jüngere sehen sich gerne in der Position, die sie sich erst noch erarbeiten müssen.   
Was die Jugend gar nicht mag, sind die Weisheiten der anderen Generation: „Zu meiner Zeit war das alles ganz anders.“ Da kommt schnell der Gedanke auf, dass die „Alten“ in einer ganz anderen Zeit leben, immer nur von früher reden und wenig Verständnis für heute aufbringen. Der ehrgeizige Nachwuchs möchte Handlungsspielräume und eigene Erfahrung machen und nicht dauernd kontrolliert werden.
Kommt es zu Differenzen im altersgemischten Team, müssen diese so ausgesprochen werden, dass das Selbstwertgefühl des anderen nicht verletzt wird. Dabei muss man den eigenen Standpunkt nicht aufgeben, sondern den des anderen anhören und hinterfragen. Nur wenn jede Generation die andere annimmt, verläuft die Kooperation problemlos, denn die fachliche Qualifikation alleine reicht dafür nicht aus.  


Wer jünger ist, wünscht sich:

• Handlungsspielräume und Verantwortung
• Gutes Verhältnis zu älteren Kollegen
• Anspruchsvolle Aufgaben, Herausforderungen
• Berufliche Entwicklungsmöglichkeiten
• Orientierung und Sicherheit  

 


Rolf Leicher, Heidelberg

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