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„Jeder Mensch ist in seinen ­Bedürfnissen und Erwartungen ‚richtig‘“

Sybille David-Hebgen hat langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der zahnärztlichen Praxisberatung [1]. Ihr Spezialgebiet ist der Zusammenhang zwischen einer guten Führungs- und Praxiskultur und dem wirtschaftlichen Erfolg der Praxis. Die Autorin des Buchs „Der Praxisknigge“ [2] sowie zahlreicher Beiträge in dentalen Fachmedien coacht Zahnärzte, Führungskräfte sowie ganze Praxisteams, wobei sie unter anderem das Reiss Motivation Profile (RMP) als lizenzierter RMP-Master einsetzt.

Frau David-Hebgen, welchen Mehrwert sehen Sie für Ihre Beratung im Reiss ­Motivation Profile für Zahnärzte?
Sybille David-Hebgen
: Menschen sind sehr unterschiedlich. Diese Unterschiede führen nicht selten zu Konflikten im Berufs- und Privatleben. Jeder strebt – ganz unbewusst – nach der Erfüllung seiner Bedürfnisse. Dabei kollidieren die eigenen Erwartungen oft mit den von Kollegen:innen oder Mitarbeitenden, da deren Bedürfnisse anders ausgeprägt sind. Wir neigen dazu, die eigenen Wertvorstellungen als richtig anzusehen, die der anderen werden als falsch oder unrichtig bewertet. Das Reiss Motivation Profile macht klar, dass jeder Mensch in seinen Bedürfnissen und Erwartungen „richtig“ ist und dass andere Menschen anders „ticken“ als man selbst. Diese Unterschiedlichkeit, ist sie einmal erkannt, ermöglicht einen entspannten Umgang mit anderen Persönlichkeiten und vergrößert das Verständnis für andere Sichtweisen.

Balkengrafik zu verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen

Beispiel eines Reiss Motivation Profile/RMP. Die 16 Grundwerte beinhalten zwei entgegengesetzte Pole, zwischen denen das individuelle Maß für die jeweilige Grundmotivation liegt.

Können Sie uns ein Beispiel dafür geben, wo Sie einen sinnvollen Einsatz des ­Persönlichkeitstests nach Steven Reiss in der zahnärztlichen Praxisberatung ­sehen?
David-Hebgen
: Gerade in Mehrbehandlerpraxen können individuelle Persönlichkeitsprofile Irritationen unter den Kollegen:innen minimieren und bei der Konfliktbehebung hilfreich sein. Die gemeinsame Interpretation und Auswertung der individuellen Profile visualisiert allen Beteiligten, welche Gemeinsamkeiten verbinden und welche Unterschiede trennend wirken. Gemeinsam können nun Wege erarbeitet werden, wie jeder seine Ausprägungen leben und die der anderen dennoch koexistieren können.

Das erfordert jedoch die Bereitschaft, die eigene Persönlichkeit zu reflektieren und im Kontext mit anderen Verhaltens- und Denkweisen zu analysieren – aber es lohnt sich! Diese Arbeit an sich selbst, des Führungs- und Sozialverhaltens hat schon einige Trennungen in Praxen verhindern können. Es geht dabei ausdrücklich nicht um die Veränderung der jeweiligen Persönlichkeit, sondern um das Erkennen der Unterschiede und die Fähigkeit, erfolgreich damit umzugehen.

In Zeiten des Fachkräftemangels wird es immer wichtiger, die Mitarbeiter:innen zu halten und zu motivieren. Kann auch dabei ein Persönlichkeitstest helfen?
David-Hebgen:
Wir haben es in zahnärztlichen Teams mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten, Altersstrukturen und Bildungsgraden zu tun. Wenn es gelingt, die Bedürfnisse der einzelnen Mitarbeitenden weitestgehend zu erfüllen, wird eine hohe Bindung zur Praxis erzeugt und die Lust auf Leistung steigt. Das bedeutet für die Praxisleitung, dass Mitarbeitende „richtig“ eingesetzt werden sollten, das heißt idealerweise nach ihren starken Motivausprägungen. Zum Beispiel möchte jemand, der das Lebensmotiv „Macht“ hoch ausgeprägt hat, Einfluss nehmen, mitgestalten, nicht immer nachfragen müssen, eigene Entscheidungen treffen dürfen. Überträgt man dieser Person nun eigenständige Bereiche, wird sie oder er diese Aufgaben als erfüllend und bereichernd ansehen und sich entsprechend einbringen.

Der Gegenpol sind Mitarbeitende, die das Motiv „Macht“ niedrig ausgeprägt haben. Solche Persönlichkeiten arbeiten lieber im Team, stimmen sich mit anderen ab, brauchen die Sicherheit des Austauschs mit anderen, wollen womöglich wenig Verantwortung übernehmen.
Das Lebensmotiv „Neugier“ in einer hohen Ausprägung bedeutet, dass derjenige Interesse an Neuem hat, Veränderungen offen gegenüber steht, neue Impulse braucht, damit die Arbeit nicht langweilig wird. Bei zu viel Eintönigkeit sinkt die Leistung eventuell ab. Eine niedrige Ausprägung kennzeichnet praktisch veranlagte Menschen, die das Motto „Einfach machen, statt nur darüber zu reden“ leben. Beide Persönlichkeitsausprägungen leisten wertvolle Beiträge im Praxisalltag – wenn sie entsprechend dieser Erkenntnisse geführt und eingesetzt werden.

Ein ganz wesentlicher Punkt in der Mitarbeiter:innen-Führung ist das Lebensmotiv „Anerkennung“. Wir alle kennen Menschen, die durch Lob, Beifall und Anerkennung zu Höchstleistungen auflaufen, während es anderen nicht so wichtig ist, (öffentliches) Lob zu empfangen. Wenn Chefs wissen, zu welcher Ausprägung die jeweilige Mitarbeitende gehört, kann dies in der individuellen Feedbackkultur der Praxis erfolgreich eingesetzt werden.

Last but not least das Lebensmotiv „Familie“: Nicht selten höre ich in meinen Beratungen, dass Praxisevents, Ausflüge und Fortbildungsreisen nicht von allen mit Begeisterung aufgenommen werden. Während die einen sich sofort in die Planung des Events einklinken, sind andere zurückhaltend und nehmen womöglich gar nicht erst teil. Das kann an der unterschiedlichen Ausprägung des Motivs „Familie“ liegen. Für die einen ist die beste Zeit die Zeit, die sie mit ihrer Familie verbringen können (hohe Ausprägung). Die anderen lieben ihre Familie auch, können aber auch außerhalb des familiären Umfelds feiern und dies ausgiebig genießen (niedrige Ausprägung).

Im Reiss Motivation Profile sind auch durchschnittliche (orangefarbene) Bereiche
zu erkennen. Welche Bedeutung haben diese?
David-Hebgen
: Hier spricht man von einer neutralen Ausprägung. Je nach Aufgabenstellung und Situation können in diesen Bereichen Ausschläge nach oben oder unten erfolgen. Eine neutrale Ausprägung im Lebensmotiv „Macht“ beispielsweise kann dazu führen, dass jemand im Führungskontext leiten und motivieren kann und will, aber auch im Team, sozusagen in zweiter oder dritter Reihe, gerne mitarbeitet.

Könnte die Kenntnis von den Ausprägungen der Grundwerte auch die Kommunikation mit Patienten verbessern?
David-Hebgen:
Ja, unbedingt! Wer selbst ein Reiss Motivation Profile gemacht und auch Auswertungen von Kollegen:innen-Profilen gesehen hat, erkennt typische Merkmale der unterschiedlichen Persönlichkeiten. Ein Patient, der eine hohe Ausprägung des Lebensmotivs „Macht“ hat, tritt ganz anders auf als jemand, der eine niedrige Ausprägung hat. Selbstbewusste Patienten, die sich ihrer Macht als (zu-)zahlender Konsument bewusst sind, entscheidungsfreudig sind, aber vielleicht auch über den Preis verhandeln, könnten eine hohe Ausprägung des Motivs „Macht“ haben. Die niedrige Ausprägung kann man daran erkennen, dass der Patient eine längere Bedenkzeit braucht, sich in der Familie beraten möchte, eventuell einen zweiten Termin mit Partner oder Partnerin wünscht.

Auch das Lebensmotiv „Status“ kann in der Patientenberatung eine entscheidende Rolle spielen. Bei einem Patienten mit hoher Ausprägung dieses Motivs überzeugen Argumente wie „beste Verarbeitung“, „hochwertige Materialien“, „Made in Germany“, „Top-Qualität“ etc. Diese Persönlichkeiten lieben es, ihren sozialen und/oder beruflichen Status zu zeigen, kaufen gerne wertvolle Dinge mit Statuscharakter und bevorzugen angesagte Marken.

Eine niedrige Ausprägung des Motivs „Status“ kennzeichnet bescheidene Menschen, die als Person, nicht aufgrund von sozialer Herkunft oder einer Top-Position im Berufsleben anerkannt werden wollen. Solche Menschen lieben oft auch Luxus, leben das allerdings eher unsichtbar, im Hintergrund. Das Wissen um beide Ausprägungen kann hilfreich bei der Patientenberatung sein.

Sybille David-Hebgen

Sybille David-Hebgen berät und coacht seit mehr als 25 Jahren Zahnarztpraxen aller Fachrichtungen, Dentallabore und Kliniken. Dabei liegt der Beratungsschwerpunkt auf einer wertschätzenden Praxiskultur und dem Zusammenhang zwischen Service und Praxisgewinn. Sie ist Autorin des Buchs „Der Praxisknigge“ [4], sowie der Booklets „Der Azubiknigge“, „Der Rezeptionsknigge“ und bekannt durch zahlreiche Fachbeiträge in vielen relevanten Dentalmedien sowie als Referentin in Zahnärztekammern, Verbänden etc. tätig. Als zertifizierte Persönlichkeitsanalytikerin (RMP) gehören auch Führungstrainings für Zahnärzte und Mitarbeiter zu ihrer Tätigkeit. Mehr online auf www.sybille-david.de oder www.praxis-knigge.de

Mitglied seit

6 Monate 3 Wochen

Literatur

[1] www.sybille-david.de
[2] Sybille David-Hebgen „Der Praxisknigge“, 1. Auflage 2012, Quintessenz Verlag, 160 Seiten, ISBN 978-3-86867-106-3, www.praxis-knigge.de

Titelbild: privat