Zahnmedizin

Stichpunkt Anästhesie

Für die ILA in Betracht kommende Patienten (2)

Dosierradspritzen ohne integriertes mehrstufiges Hebelsystem: Softject
Taubenheim

Dosierradspritzen ohne integriertes mehrstufiges Hebelsystem (DIN 13989:2013): Softject

In der Reihe Stichpunkt Anästhesie (Teil 15) von Lothar Taubenheim geht es um Schmerzausschaltung und die in Betracht kommenden Patienten, genauergesagt um Patientenkategorien.

Grundsätzlich ist die intraligamentäre Anästhesie (ILA) für alle Patientenkategorien anwendbar. Sie beeinträchtigt den Patienten in der Regel weniger als die konventionellen Methoden der Lokalanästhesie – Infiltrations- und Leitungsanästhesie des N. alveolaris inferior.  

Eine genaue Abwägung, welche Methode bei welchem Patienten in Betracht zu ziehen ist, muss immer auch mit Blick auf die individuelle Situation und der Anamnese des Patienten vorgenommen werden [1, 2].

Bei der Abwägung der in Betracht kommenden Lokalanästhesie-Methoden gibt es für die intraligamentäre Anästhesie nur bei endokarditisgefährdeten Patienten eine strikte Einschränkung. Hier gilt besondere Vorsicht, da die Absiedlung von Bakterien aus dem Blut (Bakteriämien) bei diesen Patienten zu ernsthaften Komplikationen führen kann. Bei diesen Patienten sind invasive Eingriffe unter Antibiotikaschutz vorzunehmen [3, 4].  

Diese Vorsichtsmaßnahme ist nicht nur bei einer intraligamentären Anästhesie sondern auch bei anderen Manipulationen am Zahnfleischsulkus, zum Beispiel subgingivalen Kürettagen, Zahnsteinentfernungen, Extraktionen, einzuhalten [3, 4]. Das Risiko einer Endokarditis ist für Glockmann und Taubenheim (2002, 2010) eine absolute Kontraindikation für die intraligamentäre Anästhesie [1, 2].

Für intraligamentale Injektionen sollten nur sensible, ohne integrierte mehrstufige, Kraft verstärkende Hebelsysteme verwendet werden, zum Beispiel Dosierradspritzen vom Typ SoftJect (Abb. 1).

Bei diesen mechanischen Injektionssystemen ist es der behandelnden Zahnärztin/dem behandelnden Zahnarzt sehr gut möglich, den für die intraligamentale Injektion erforderlichen Injektionsdruck so präzise den individuellen Gegebenheiten des Patienten anzupassen, dass es zu keinen ungewünschten Effekten – Druckschmerz, Elongationsgefühl, Drucknekrosen – kommen kann. Je langsamer die Injektion – Injektionszeit – erfolgt, desto geringer ist der zu überwindende – interstitielle – Gegendruck [5].

Lothar Taubenheim, Erkrath


Literatur

[1] Glockmann, E.; Taubemheim, L.: 2002 Die intraligamentäre Anästhesie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
[2] Glockmann, E,: Taubenheim, L.:  Minimalinvasive Schmerzausschaltung – Intraligamentäre Anästhesie. 2010 Zahnärztl. Fachverlag, Herne.
[3] Frenkel, G.: Möglichkeiten und Grenzen der intraligamentären Anästhesie. In: Zahnärztliche Lokalanästhesie heute. Zwei Jahrzehnte Articain.     Aktuelles Wissen Hoechst 1989; 65-71.
[4] Schwenzer, N; Ehrenfeld, M.: Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde Band 3: Zahnärztliche Chirurgie. 2000 Georg Thieme Verlag, Stuttgart – New York.
[5] Dirnbacher, T.; Schulz, D.; Taubenheim, L.: Die intraligamentale Injektion – interstitiellen Widerstand adäquat überwinden. Dtsch Zahnärztl Z 2013; (68) 12: 737-742.   

Lothar Taubenheim

Der Autor dieses dzw-Beitrags, Lothar Taubenheim, begleitet seit 20 Jahren den medizintechnischen Fortschritt der intraligamentären Anästhesie. In der Serie „Stichpunkt Anästhesie“ werden in loser Folge Fragen und Themen der Anästhesie in der Zahnheilkunde aufgegriffen.

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