Politik

KZBV-Vertreterversammlung

Schuld sind immer die anderen

KZBV Vertreterversammlung 2020
KZBV/Jardai

Ungewohnte Kulisse: Aufgrund der Pandemie fand die Vertreterversammlung als Videokonferenz statt, die per Live-Stream auf der KZBV-Website übertragen wurde.

Viel Rückenwind gab es in Corona-Zeiten für die Zahnärzteschaft nicht. Der Frust auch der Standesvertreter sitzt tief. So endete der gut einstündige Bericht des KZBV-Vorstandsvorsitzenden Dr. Wolfgang Eßer bei der ersten virtuellen Vertreterversammlung mit einem Appell: „Die Botschaft ist: Lassen Sie uns nicht in Frust verharren, das wäre genau das Falsche. Bitternis, die uns befallen hat ist Gift. Wir müssen uns nach vorne in die Zukunft orientieren.“

Nur die Kliniken hätten nicht mitgespielt

Ein kluger Vorsatz, von dem aber im Bericht Eßers zuvor nicht viel zu spüren war. Zu sehr geriet die Eingangsrede zur Nabelschau eines Gekränkten. Der Blick zurück auf den Beginn der Corona-Pandemie stand am Anfang der Rede Eßers. Auf die erste Verunsicherung folgte ein „effektives Krisenmanagement“ der KZBV und der KZVen, lobte er. Die Corona-Schwerpunktpraxen hätten die ambulante zahnärztliche Versorgung sicher gestellt. Nur die Kliniken hätten nicht mitgespielt. Wer ist Schuld? Die Länderregierungen, die die Krankenhäuser nicht angewiesen hätten. Waren diese vielleicht auch zu sehr damit beschäftigt, Lockdown und lebensbedrohliches Ausbruchgeschehen zu managen?

Punkt zwei – kein Schutzschirm. Das war natürlich der Olaf Scholz. „Mehr als einen Kredit sind wir der SPD nicht wert“, so Eßers Nicht-Wahl-Empfehlung. Assistiert wurde Scholz mutmaßlich noch von der GKV, die auch keinen Schutzschirm für Zahnärzte wollte. „Vertragspartnerschaft“ sei eine Worthülse. Die PKV habe auch gemauert und „bis heute keinen Cent“ bezahlt. Hier sei die BZÄK mit ihrer Hygienepauschale für den privatzahnärztlichen Bereich vorgeprescht.

„Mehr als einen Kredit sind wir der SPD nicht wert“

Dann wurde die mangelnde Einstimmigkeit der Zahnärzteschaft von Eßer ein wenig nebulös angeprangert: „Jeder einfache Mensch weiß doch, dass es zur Bewältigung einer Krise diesen Ausmaßes eines professionellen Krisenmanagements bedarf. Um das zu realisieren, muss der Berufsstand wirklich mit einer Stimme sprechen.“ Das sei anfänglich mit der BZÄK erfolgreich gewesen. „Es ist bedauerlich, dass nicht alle Verantwortungsträger diesen gemeinsamen Weg bis zum Schluss durchgehalten haben.“ Wen meinte Eßer bloß? Und ganz allgemein Schuld an der Einstufung „nicht-systemrelevant“ sei das Zerrbild des „Porsche fahrenden Zahnarztes“ als „Bleaching- und Wellness-Arzt“. Hier ist es das mediale Zerrbild, die die Zahnärzteschaft nicht primär als „Ärzte, Freiberufler und Heiler“ darstelle, der dem Gemeinwohl verpflichtet sei. Dann noch das übliche ZMVZ-Bashing.

War da was mit Frauen? Mehr Beteiligung? Ach, was. Für freie KZV-Vorstandsposten gibt es ja genug Männer zur Auswahl. Zahnärztinnen? Homeschooling? Kein Wort. Was wiegt das schon gegen verletzte Eitelkeit …

Dr. Helge David

Weitere Artikel