Zahnmedizin

Extraktion nach dem Flaschenzug-Prinzip

Sicherer, schneller und weniger blutig

B. Dinkloh

Dr. Lutz Finke nutzt Benex-Control seit mehreren Jahren: „Es ist eine geniale Geschichte, die ich jedem empfehlen kann.“

Dr. Lutz Finke ist seit 30 Jahren als Zahnarzt in eigener Praxis in Gnoien, einer Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern tätig. Auch hier auf dem flachen und weiten Land, wo nur wenige Patienten privatversichert sind oder eine Zusatzversicheung haben, kommt das schonende Extraktionsverfahren Benex-Control von Hager & Meisinger immer häufiger zum Einsatz. Denn die Vorteile liegen auf der Hand, wie Dr. Finke bei einem Praxisbesuch erzählt.

Atraumatisch und knochenschonend

„Mein zentraler Wunsch als Zahnarzt ist es, die Extraktion für den Patienten so atraumatisch wie möglich zu machen, also die umgebenden Strukturen des defekten Zahns wie Knochen, Blutgefäße der Schleimhaut und Nachbarzähne möglichst wenig in Mitleidenschaft zu ziehen. Für mich hat es oberste Priorität, Schmerzen und Folgeschäden zu minimieren und dabei ist mir Benex-Control eine große Hilfe“, so Dr. Finke. Denn Benex-Control ermögliche es, nicht nur die Wurzel vollständig zu entfernen und den Knochen zu schonen, sondern auch das bei der Zange übliche Aufweiten der Alveole zu vermeiden. Grundlage hierfür ist der Flaschenzug-Mechanismus des Extraktors, der es erlaube, den Zahn beziehungsweise das Zahnfragment so elegant „wie einen Korken aus der Flasche“ zu ziehen.
„Wenn der Zahn kariös so stark beschädigt ist, dass keine Zange und kein Hebel mehr greifen und eigentlich ein chirurgischer Eingriff indiziert ist, dann bieten wir unseren Patienten das Verfahren mit Benex-Control an. Davon profitieren insbesondere Angstpatienten und solche, die eine Versorgung mit einem Sofortimplantat wünschen. Das ansonsten erforderliche Prozedere einer Osteotomie kann dem Patienten so erspart werden“, schildert der Zahnarzt.

Vorgehensweise

Am einfachsten sei die Entfernung eines einwurzeligen Frontzahns, aber auch mehrwurzelige Molaren ließen sich so extrahieren. Voraussetzung sei das äquigingivale Abtrennen der Krone, sodass der Behandler die Wurzeln und ihren Verlauf sehen kann. Mithilfe eines Spiralbohrers werde der Wurzelkanal erweitert, die Wurzelkanalfüllung gegebenenfalls entfernt und eine Extraktionsschraube eingedreht. „Bei einem oberen oder unteren Molaren ist es sinnvoll, mit der Fräse Trennfugen zu setzen, um die Wurzeln voneinander zu separieren. Dann gehe ich in die palatinale, mesiale und distale Wurzel und hole sie nacheinander mithilfe des an der Schraube befestigten Zugseils heraus. Wichtig ist, dass die Umlegrolle dabei direkt über der Wurzel steht. Wir können auch etwas zaubern, denn bei instabilen Wurzeln und einer nicht passenden Schraube klebe ich sie mit einem Adhäsivkleber ein, lasse das Ganze härten und fahre nach wenigen Minuten mit der Behandlung fort“, so Dr. Finke. Dann müssten nur noch Länge und Durchmesser des Implantats gewählt werden.

Kontraindikation

Bei einer zahnbegrenzten Lücke sei die Extraktion mit Benex-Control problemlos möglich. Etwas schwieriger verhalte es sich, wenn die nötige Abstützung durch Nachbarzähne nicht mehr gegeben ist. Für diesen Fall habe Hager & Meisinger die Quadrantenstütze zur Optimierung der Auflagenfläche entwickelt. Dr. Lutz Finke: „Benex-Control kann auch in der Freiendsituation gut funktionieren, allerdings sollte das Gebiss für eine größere Krafteinwirkung ausreichend stabil sein. Bei fehlender natürlicher Auflagemöglichkeit lässt man die Abformmasse in der Quadrantenstütze aushärten und kann darauf den Extraktor mit dem Flaschenzug einsetzen. Allerdings kann man die enormen Kräfte, die bei diesem Verfahren im Spiel sind, der Gingiva nur bedingt zumuten. Keinesfalls darf die Quadrantenstütze ohne Abformmaterial direkt auf das Zahnfleisch aufgelegt werden, sonst ist der Schaden größer als der Nutzen.“  

Der Benefit

Der Einsatz von Benex-Control werde bislang von den gesetzlichen Krankenkassen nicht vergütet, was sehr bedauerlich sei. „Der wissenschaftlich-technische Fortschritt der Zahnheilkunde ist komplett abgekoppelt von den Leistungen der GKV, hier wird nach dem Entwicklungsstand der 70/80er-Jahre vergütet“, so Dr. Finke. Bei Benex-Control handele sich somit um eine privat vergütete Zusatzleistung, die sich für den Patienten und den Behandler auszahle, denn der Einsatz des Extraktors spare Folgekosten und Zeit. Denn Benex-Control verringere die Anzahl der Folgebehandlungen spürbar. „Von Vorteil ist außerdem, dass beim Einsetzen von Sofortimplantaten meistens kein Knochenaufbau mit Knochenersatzmaterial erforderlich ist und die Gefahren von Komplikationen durch das schonende Verfahren minimiert werden.“ Zudem habe Dr. Finke bei seinen Patienten bislang keine Nachbeschwerden erlebt.

Tipps für den Einsteiger

Dr. Finke nutzt Benex-Control nach eigenen Angaben seit etwas sechs Jahren, nicht jeden Tag, aber immer häufiger, da die Nachfrage nach Implantaten in seiner Praxis steigt. Er selbst hat sich das Verfahren mit Learning by Doing angeeignet. „Man sollte sich bei der Behandlung Zeit lassen. Es läuft nicht wie beim Wasserhahn, angefasst und aufgedreht, so meine Anfangserfahrung. Es ist wichtig, vorsichtig Zugkraft aufzubauen und mit dieser ‚auch zu spielen‘, um dem Faserapparat im Parodontium Zeit für die Loslösung zu geben. Wie hoch der ausgeübte Zug schließlich sein muss, hängt davon ab, wie stark der Zahn noch in seinen Strukturen verankert ist. Ein Zahn, der schon etwas vorgelockert ist, kommt sofort, bei Widerstand lasse ich den Zahn auch mal etwas ruhen. Letztlich hängt es immer vom individuellen Fall ab. Auf jeden Fall ist Benex-Control eine geniale Geschichte, die ich jedem empfehlen kann.“

Brigitte Dinkloh

Hager & Meisinger
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