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Telematikinfrastruktur – teuer oder wertvoll ist eine Frage des Nutzens

Der Kommentar von Chefredakteur Marc Oliver Pick

Vieles, was die Praxis für die tägliche Arbeit braucht, wird teurer. Einer der jüngeren Auslöser dieser Entwicklung war (und ist) die Corona-Pandemie, die seit mehr als zwei Jahren für Lieferengpässe und damit verbunden für steigende Preise sorgt. Neu hinzugekommen und hinsichtlich der Auswirkungen noch dramatischer und vermutlich langfristiger ist der anhalten­de Krieg in der Ukraine, der nicht nur über steigende Energiepreise die Inflation anheizt. Und dann ist da selbstverständlich noch der technische Fortschritt, der zwar im Idealfall mehr Leistung für gleiches Geld verspricht, manchmal aber eben auch nicht.

Nutzen muss für den Anwender klar sein

Eine CAD-Software ist teurer als ein Wachsmesser, ein 3-D-Drucker kostet mehr Geld als ein Sack Modellgips. Dafür kann eine CAD-Software aber auch mehr als Zähne konstruieren, ein 3-D-Drucker mehr als Modelle drucken – der Nutzen für den Anwender ist klar. Bei den Kom­ponenten der Telematikinfrastruktur ist das mit dem Nutzen nicht so einfach. Man fragt sich, was der neue Konnektor so viel besser können soll als sein Vorgänger.

Warum verdoppelt sich der Preis der Einrichtungspauschale für KIM/eArztbrief von 100 auf 200 Euro, warum steigt der Preis für die Integrationspauschale der ePA für das PVS-Update von 150 auf 350 Euro? Das hat möglicherweise damit zu tun, dass die moderneren und besseren neuen Komponenten und die damit verbundenen Dienstleistungen mehr Kosten verursachen. Wobei sich die Eigenschaften „moderner“ und „besser“ allerdings auf eine Brückentechnologie beziehen, die nur so lange genutzt werden soll, bis sie in näherer Zukunft durch Web- oder App-basierte Mechanismen ersetzt wird. Ein Fall geplanter Obsoleszenz also.

Folge eines Informationsdefizits

Ein Grund dafür, dass diese Kosten als (unangemessen) steigend empfunden werden, liegt in dem für den Zwangsanwender nicht nachvollziehbaren Nutzen des Ganzen. TI? Hat bisher nur leidlich funktioniert, außer Ärger und Kosten hat das alles bislang kaum etwas gebracht, sind sich viele sicher. Dieses Wahrnehmungsdefizit ist Folge eines Informationsdefizits, dass durch technische Pannen, Lücken in Datenschutz und Datensicherheit auch nicht besser geworden ist.

Dieses Problem hat mittlerweile auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach erkannt. In einem Interview mit dem „Ärzteblatt“ sagte er kürzlich: „Viel wichtiger als die Frage, wer die Kosten der Ausstattung einer Praxis trägt, ist, dass die digitalisierte Aus­stattung für den Arzt einen Wert hat.“ Nun, dieser „Wert“ wurde bislang in vielen Fällen gut versteckt oder zumindest nicht besonders gut kommuniziert oder er fehlt bislang ganz. Es muss also einiges anders laufen mit der TI, damit Ärzte die Digitalisierung wirklich als Gewinn betrachten können.

Zugriff auf Gesundheits­daten

Der Nutzen der TI muss für den Patienten aber gleichermaßen gelten. Ob die geplante Opt-out-Regelung der richtige Weg ist, muss diskutiert und sorgfältig abge­wogen werden. Für die Opt-out-Regelung spricht sich jedenfalls das geplante „Gesundheitsdatennutzungsgesetz“ aus. Ab 2025 soll dieses im „europäischen Gesundheitsdatenraum“ den effizienten Austausch und Zugriff auf Gesundheits­daten regeln – für die Gesundheitsver­sorgung als Primärnutzung und für die Gesundheitsforschung als Sekundär­nutzung. Ob Slogans wie „Datenschutz und Datenschatz zusammen denken!“ oder „Mehr Datensolidarität wagen!“ die breite (Patienten-)Öffentlichkeit überzeugen können, muss sich erst noch zeigen.

Medizinische Forschung und Versorgung brauchen Daten, aber die Entscheidung, diese Daten zur Verfügung zu stellen, sollte jeder Einzelne für sich treffen dürfen und sie sollte auf Frei­willigkeit beruhen. Dann klappt es auch mit den gewünschten Datenspenden.

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