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MIH – klinisch gut beschrieben, Ursachen noch immer im Dunkeln

Der Kommentar von Chefredakteur Marc Oliver Pick

Der Schwerpunkt des Barmer Zahnreports 2021 beschäftigte sich mit dem Phänomen der Molaren-Inzisiven-Hypomineralisa­tion (MIH), umgangssprachlich auch als „Kreidezähne“ bezeichnet. Der Report ermittelt die beindruckende Zahl von „mindestens“ 450.000 Kindern in Deutschland, die behandlungsbedürftige Kreidezähne haben. Das entspreche „etwa 8 Prozent aller Sechs- bis Zwölfjährigen“. Andere Quellen gehen gar von einer Häufigkeit von 10 bis 30 Prozent aus.

Entstehung einer MIH immer noch ungeklärt

So uneinheitlich die in der Literatur genannte Spannbreite der Prävalenz der MIH ist, so einheitlich ist die Übereinstimmung hinsichtlich der möglichen Ursachen: Nicht Genaues weiß man (noch) nicht. Es werden unterschiedlichste Faktoren oder deren Kombination als multifaktorielles Geschehen vermutet, aber es gibt noch immer keine „plausible Ätiologiekette“, die die Entstehung einer MIH nachvollziehbar erklären könnte.

Schaut man sich die zurzeit diskutierten Faktoren an, wird schnell klar, wie unübersichtlich die Lage ist. Da sind zum einen klassische Kindererkrankungen, hier vor allem respiratorische Erkrankungen, darunter Asthma bronchiale, Bronchitis, Lungenentzündung oder Pseudokrupp sowie die einschlägigen Medikamente zu deren Therapie einschließlich Antiobiotika. Hinzu kommen umwelttoxikologische Ursachen wie Dioxine und Bisphenol‑A, die mit der Muttermilch aufgenommen werden können, wobei andererseits kein Zusammenhang zwischen Stillen und MIH nachgewiesen werden konnten. 

Einbeziehung genetischer Faktoren in künftigen Studien

Auch genetische Einflüsse werden dis­kutiert und konnten über erste Untersuchungen untermauert werden. Hier sehen die Autoren der Studie „Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH). Häufigkeit und mögliche Ursachen unter besonderer Berücksichtigung der Ergebnisse aus den Münchner Geburtskohorten GINIplus und LISA“, Kühnisch, Standl, Hickel und Heinrich, Bedarf an der stärken Einbeziehung genetischer Faktoren in künftigen Studien mit entsprechend aussagekräftigen Fallzahlen. Die Autoren erwähnen in ihrer Studie zudem einen vermuteten präventiven Effekt vorgeburtlicher hochdosierter Vitamin-D-Gaben.

Einen Beitrag zur Entschlüsselung der vielfältigen, bislang vermuteten Ursachen der MIH soll Ende des Jahres der AMIT-Weltkongress liefern. Vom 30. November bis 3. Dezember 2022 möchte die Veranstaltungspremiere „Alliance of Molar Incisor Hypominerali­zation (MIH) Investigation and Treatment (AMIT)“ in München erstmals den Versuch unternehmen, das Problem MIH in einer Gesamtschau zu würdigen. Denn, so Prof. Dr. Norbert Krämer, einer der Initiatoren des Kongresses: „Wir sind, was auch die Leitlinie der europäischen Fachgesellschaft zeigt, in der Ätiologie und Versorgung noch nicht viel weitergekommen, weil jeder sich nur einen kleinen Teil herauspickt und das Gesamtbild dadurch leider nicht klar wird.“ Ziel ist es, Netz­werke zu bilden, gemeinsam zu forschen, gemeinsam aufzuklären, „an einem Strang ziehen zu können“, so Krämer.

Diagnostik bis zu kli­nischen Handlungsempfehlungen

Neben dem Stand der Grundlagenforschung wird ein wichtiger Schwerpunkt der Veranstaltung auf klinischen Belangen liegen, von der Diagnostik bis hin zu kli­nischen Handlungsempfehlungen. Ein wichtiger Aspekt, denn viele Eltern betroffener Kinder wollen von ihrem Zahnarzt wissen, was man denn am besten tun kann, welche Therapieoptionen es gibt. Angesichts der Tatsache, dass die MIH auf dem besten Wege ist, zu einer neuen Volkskrankheit zu werden, ist der AMIT-Kongress also auch insbesondere für Praktiker:innen eine wertvolle Gelegenheit, sich Ende November in München auf den neuesten Stand zu bringen.

Komplexe Herausforderungen wie MIH lassen sich am besten im Verbund meistern – innerhalb der Wissenschaft, aber auch zwischen Forschung und Praxis.

 

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