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Wie es mit Kindern und Karriere klappt

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Kind und Karriere? Mit der richtigen Organisation ist das machbar.

Kind und Karriere sei im Zahnarztberuf recht gut vereinbar, sagt eine Studie des IDZ (Institut der Deutschen Zahnärzte). Das kann Dr. Lena von Saldern, Oberärztin am Alldent Zahnzentrum München I bestätigen. Sie bekam sogar während der zweiten Elternzeit das Angebot, beruflich aufzusteigen.

Sie arbeitet Vollzeit. Ihre Kinder sind 2016 und 2018 geboren, also noch recht jung. Wie die IDZ-Untersuchung bestätigt, stehen zwar bei den meisten Zahnärztinnen und Zahnärzten nach dem Studium berufliche Ziele ganz oben. Angekommen im Beruf wird dagegen die Familiengründung zum Top-Thema. Deren Planung ist immer noch primär weiblich dominiert. Im Normalfall heißt das: Kinder nach der Assistenzzeit, längere oder kürzere berufliche Pause, Wiedereinstieg eher in Teil- als in Vollzeit.

So unkompliziert das klingt, hakt es doch immer wieder an den individuellen Gegebenheiten, egal ob in der Niederlassung oder in der Anstellung. Wie organisiert man also Alltag mit Kindern, Beruf und Partnerschaft? Wie sieht das finanziell aus? Von Salderns Lösung hat viel mit exakter Planung zu tun; ist vielleicht sogar ein Best-Practice-Modell.

In Überversorgung investieren

Der Tipp kam von der Schwester, studierte Betriebswirtin, ebenfalls Mutter und berufstätig in einer Führungsposition. In der Kinderbetreuung müsse man „in Überversorgung investieren“. Also wählte die Zahnärztin eine private Kita mit möglichst weiten Öffnungszeiten. Dazu hat sie ein Au-Pair: „Das hat daneben noch den Vorteil, dass die Kinder zweisprachig englisch und deutsch aufwachsen.“  Die fest vereinbarte Betreuungszeiten bleiben deutlich unter der maximal möglichen Arbeitszeit der Austausch-Tochter. Dafür ist diese flexibel im Einsatz, wenn beispielsweise Krankheitsfälle der Kinder abgepuffert werden müssen. Entlastend kommt dazu, dass von Saldern noch Familie in München hat, die bei Bedarf einspringt.

Es hilft natürlich ungemein, wenn man einen kooperativen Partner an der Seite hat, der Familie nicht nur als Frauensache begreift. Von Salderns Ehemann ist Assistenzarzt an der Münchner Uni-Klinik. Er nahm beim ersten Kind sieben Monate Elternzeit, beim zweiten 15 Monate und begleitete auch die Eingewöhnungsphasen in der Kita. Von Saldern blieb nach den Geburten jeweils sieben Monate zu Hause. Beide arbeiteten bis kurz vor dem zweiten Kind Vollzeit, planten „nebenbei“ ein Haus im Umkreis von München. „Da haben wir gemerkt, dass wir beide keine Freizeitkapazitäten mehr hatten“, sagt die Oberärztin selbstkritisch. Nach der Elternzeit wird ihr Mann daher seine Arbeitszeit reduzieren, damit das Familienmodell weitgehend ausgeglichen weiter funktionieren kann.

Altersversorgung mitdenken

Familieneinkommen und Kinderbetreuungskosten müsse man genauestens gegenrechnen, empfiehlt die Oberärztin. Auch die wirtschaftlich schwächeren Zeiten um die Geburten herum seien zu berücksichtigen. Dabei hält sie es für eine Schande, dass in Deutschland pro Elternteil nur 2.000 Euro jährlich für die Kinderbetreuung steuerlich geltend gemacht werden können. Bei haushaltsnahen Dienstleistungen sind das bis zu 20.000 Euro.

Aus der Erfahrung als Scheidungskind weiß sie, dass es oft die Frauen sind, die wegen der Kinder zu Hause bleiben und es versäumen, sich um die Alterssicherung zu kümmern. Für ganz wesentlich erachtet sie die Tatsache: „Wer zu Hause bleibt, sollte in eine private Versorgung investieren, um die Einbußen zu kompensieren.“ Das sei ein kleiner Schritt mit relativ großer Wirkung, der idealerweise aus dem Familienbudget bestritten werde.

Wären Kinder und Karriere in der Niederlassung nicht besser zu vereinbaren? Die schon genannte IDZ-Studie bestätigt zwar, dass dann die zeitliche Planungsfreiheit größer sei. Dennoch wollten gerade junge Zahnärztinnen und Zahnärzte mit Kind häufiger im Angestelltenverhältnis arbeiten. Die Familienplanung sei neben Bürokratie, Stress und finanziellem Risiko sogar ein Hindernis, sich selbständig zu machen, heißt es da. Auch von Saldern sieht das so. In einer Großstadt wie München sei eine Praxisgründung kein Selbstläufer. Eine Anstellung verspricht einfach mehr Sicherheit.

Nun kann man ein wöchentlich wechselndes Schichtsystem wie bei Alldent als Vereinbarkeitskiller begreifen, oder als organisatorische Herausforderung mit positiven Aspekten: „Der Angestellten-Status gibt extrem viel Planbarkeit bezüglich der Arbeitszeiten.“ Gefühlt hat man immer einen halben Tag frei. „Das sind vier bis fünf Stunden Zeit mit den Kindern, in denen ich nicht an die Arbeit denken muss“, sagt die Oberärztin. Andererseits: „Manchmal ist es fast Entspannung, in den Job zu gehen“, den Familienalltag auszublenden, sich auf kniffelige Fälle, Patienten und Kollegen einzustellen.

Will man also Nachwuchs und Beruf unter einen Hut bekommen, scheint es sinnvoll, sich phasenweise jeweils nur auf eines zu fokussieren: „Gleichzeitig stand für mich immer fest, dass ich beides wollte, weil ich meinen Beruf einfach liebe.“

Damit es mit der Vereinbarkeit klappt, will auch die eigene, alltägliche Routine geregelt sein: „Wenn ich ab 15 Uhr Dienstschluss habe, sind die Kinder bis 16 Uhr betreut.“ Dann sitzt sie nicht auf Kohlen, wenn es ein paar Minuten länger dauert. Danach hat sie trotz Führungsposition den Kopf größtenteils frei; ein entscheidender Vorteil durch ihren Arbeitgeber: „Alles ist gut organisiert und eingespielt, auch wenn man in Urlaub geht.“

Präsenz ist kein Qualitätskriterium

Den richtigen Zeitpunkt, Kinder zu bekommen, scheint es nicht zu geben. Von Saldern ist jedoch froh über ihre Entscheidung: „Ich hatte sechs Jahre Berufserfahrung und war sicher im Job angekommen.“ Auch für sie bestand als angestellte Zahnärztin das Berufsverbot während Schwangerschaft und Stillzeit: „Ich habe volles Verständnis für Arbeitgeber, die damit hadern“, sagt die Medizinerin. Bisher gelte noch vielfach das Argument: „Wir nehmen lieber einen Mann, der wird nicht schwanger.“ Würden allerdings Zahnärzte selbstverständlich ein Jahr in Elternzeit gehen, wäre dieses Argument schon entkräftet: „Das ist meine Hoffnung für die nächsten zehn bis 15 Jahre.“ Gesellschaftliche Veränderungen tun not, gerade weil die Zahnmedizin zunehmend weiblich wird.

Dabei konnte sie bei Alldent nach den Kindern immer wieder problemlos einsteigen. „Ich hatte nie das Gefühl, abgeschrieben zu sein.“ Nach der zweiten Erziehungszeit war bereits klar, dass mit der Oberarztstelle eine spannende neue Aufgabe wartet. Ihr Tipp für werdende und junge Mütter: „Offen und ehrlich mit dem Arbeitgeber umgehen, verlässlich sagen, wann man wieder einsatzfähig ist, um die Planung zu erleichtern.“

Anders als in vielen anderen Berufen sei in der Zahnmedizin der Umfang der Präsenz kein Qualitätskriterium: „Ein Patient beurteilt nicht, ob jemand Teilzeit oder Vollzeit arbeitet.“ Alldent bietet seit kurzem auch die Möglichkeit, stundenreduziert zu arbeiten. Deutlich häufiger als ihre Kollegen entscheiden sich Zahnärztinnen für eine Teilzeitstelle. Das bestätigt auch die IDS-Studie.
Wie geht man nun als Vollzeit-Zahnärztin mit den Klischees zwischen Rabenmutter und Karrierefrau um? „Irgendwann habe ich gemerkt, dass man es nur falsch machen kann“, spöttelt von Saldern. Entweder arbeitet man nach Meinung anderer zu viel oder zu wenig, kümmert sich zu viel oder zu wenig um seinen Nachwuchs. „Mittlerweile reagiere ich entspannt darauf, was Bekannte oder Verwandte sagen. Und ich versuche, andere Konzepte nicht zu bewerten.“

Verurteilen bringt sicherlich niemanden weiter. Dagegen könnt es sich lohnen, sich umzuhören und Anregungen zu holen. Das Modell der Oberärztin klingt ganz stark nach einer Best-Practice-Lösung.