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Der Philosoph Richard David Precht vergleicht Corona mit der Influenza. Warum er damit ganz falsch liegt, lesen Sie hier.
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Der Philosoph Richard David Precht vergleicht Corona mit der Influenza. Damit liegt er völlig falsch.

In einem Interview mit dem Branchendienst HORIZONT-
turi2/tv sagte der „Philosoph und Publizist“ Richard David Precht
: „Jetzt kommt etwas vergleichsweise Harmloses – etwas, das so gefährlich ist wie eine Grippe, mit einer Mortalitätsrate von 0,3 Prozent der Betroffenen.“ Precht nennt es dann eine „kleine Bedrohung“ im Vergleich zum Klimawandel. Über Letzteres könnte man nachdenken. Ersteres ist für einen Philosophen doch ziemlich unbedacht.

Fangen wir mit dem kleinsten Punkt an: der Mortalitätsrate. Über die lässt sich derzeit noch keine wirkliche Aussage treffen. Nach den Corona-Infektionszahlen von WHO und der Johns Hopkins University liegt sie in Italien bei 7,3 Prozent, im Iran bei 5,1 Prozent, in Südkorea bei 0,9 Prozent, in Deutschland bei 0,2 Prozent und weltweit bei 3,8 Prozent (Stand: 16. März 2020). Die Schwankungsbreite hat sicherlich vielfältige Gründe.

Zum einen ist da die jeweilige Dunkelziffer. Wer nur leichte Erkältungssysteme zeigt, wird wohl kaum auf Covid-19 getestet. Hierzulande wird relativ viel getestet. Zum anderen ist da die mögliche Überlastung des Gesundheitssystems, wenn sehr viele Erkrankte zur gleichen Zeit in Krankenhäusern intensivmedizinisch versorgt werden müssen. Daher ist es wichtig, die Ausbreitung des Erregers zu verlangsamen. Hier setzen die umfangreichen Maßnahmen an, die derzeit in unglaublicher Geschwindigkeit umgesetzt werden.

Sehr viel problematischer ist Prechts Vergleich mit der Influenza. Jedes Jahr verbreiten sich verschiedene Grippeviren weltweit. Laut RKI werden jedes Jahr 500 Millionen Grippe-Erkrankungsfälle registriert. 290.000 bis 650.000 Todesfälle gehen davon auf die Grippe oder die Folgen der Erkrankung zurück. In der laufenden Grippe-Saison seit Oktober 2019 gibt es in Deutschland rund 120.000 bestätigte Influenza-Fälle und etwa 200 Tote. Das ist eine Mortalitätsrate von 0,166 Prozent. Die reale Sterblichkeit dürfte aufgrund der Dunkelziffer noch niedriger sein. Es gibt gegen „normale“ Grippeviren eben einen Herdenschutz. Ganz viele Menschen sind also gegen ganz viele bekannte Grippeviren bereits immun.

Derzeit hat die WHO die Pandemie ausgerufen. Es handelt sich also um eine weltweite Epidemie mit dem völlig neuartigen Grippevirus Sars-CoV-2. Das bedeutet, es gibt in der gesamten Bevölkerung keinerlei Immunschutz. Jede und jeder kann sich anstecken. Selbst bei relativ milden Symptomen bei gesunden Menschen kann es durch die hohe Zahl der gleichzeitig Erkrankten zu vielen Todesfällen kommen. Überlastete Gesundheitssysteme katalysieren den Effekt dann noch. Die „Spanische Grippe“ von 1918 bis 1920 war von einem aggressiven Erreger geprägt und kostete damals weltweit 25 bis 50 Millionen Menschen das Leben.

Die fehlende Grundimmunität der Bevölkerung bei einer Pandemie kann zu einem exponentiellen Wachstum der Verbreitung führen. Hierbei wächst die Ausbreitung also nicht linear, sondern verdoppelt sich in einen bestimmten Zeitraum. Den Effekt können wir uns mit einer ganz einfachen Zahlenfolge illustrieren: 1, 2, 4, 8, 16, 32, 64, 128, 256, 512, 1.024, 2.048, 4.096, (aktuell am 16. März 2020 liegen wir bei 5.813 registrierten Erkrankten), 8.192, 16.384, 32.768, 65.536, 131.072, 262.144, 524.288, 1.048.576 ... Das ist der Grund, warum die Verantwortlichen in unserem Gesundheitssystem derzeit darauf dringen, Maßnahmen zu ergreifen, diesen Verdoppelungszeitraum möglichst groß zu halten. Er liegt aktuell bei zwei bis drei Tagen. Sehr viele Erkrankte zur gleichen Zeit könnte selbst das noch immer gute deutsche Versorgungssystem überfordern.

Also, lieber Herr Precht, nicht einfach quatschen, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Besser ein wenig nachdenken und die Kurve schön flach halten. Beim Klima brauchen wir dann eine steile Kurve.

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